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6.1.1.3 Einstellungsund Meinungsfragen

Die dritte Gruppe von Fragen sind die sogenannten Einstellungsund Meinungsfragen. Hier fragt man in der Regel nach Dingen, zu denen Befragte eine bestimmte Meinung haben. Das sind im Bereich der Kommunikationswissenschaft hauptsächlich politische oder gesellschaftliche Themen – für oder gegen Abtreibung, für oder gegen das duale Rundfunksystem, für oder gegen die Hochschulreform. Neben diesen Themen werden häufig auch Einstellungen zu Personen, vorwiegend zu Politikern, erhoben: Zu diesem Zweck wird dann ein semantisches Differential vorgelegt, bei dem der Befragte zwischen gegensätzlichen Attributen abgestuft wählen soll: glaubwürdig – unglaubwürdig, sozial – unsozial, modern – konservativ usw. Wie bereits im letzten Kapitel beschrieben, können bei Einstellungsfragen die sogenannten Non-Opinions auftreten. Viele Befragte machen sich erst im Moment der Fragestellung Gedanken über das Problem, mit dem sie konfrontiert werden und produzieren Pseudo-Meinungen, die sie wahrscheinlich bei genauerer Kenntnis des Sachverhalts revidieren oder zumindest relativieren würden.

Ein weiteres generelles Problem bei Einstellungsfragen eröffnet sich bei der Formulierung der Frage selbst. Empirische Kommunikationsforschung will ja Ausschnitte aus der sozialen Realität abbilden und erklären. Erkenntnisfortschritt kann dann gelingen, wenn die Ergebnisse intersubjektiv nachvollziehbar vorliegen und mit anderen Analysen zum selben Sachverhalt verglichen werden können. In Bezug auf die Entwicklung von Befragungen bzw. die Entwicklung der Fragen selbst bedeutet dies, dass tatsächlich nur haargenau dieselbe Fragestellung in zwei Untersuchungen die Ergebnisse vergleichbar macht. Das heißt nicht nur, dass man gerade in groß angelegten repräsentativen Bevölkerungsumfragen immer wieder auf solche Fragen zurückgreift, die schon an anderer Stelle Ergebnisse hervorgebracht haben. Man muss sich darüber hinaus über die Wirkung jedes Wortes im Klaren sein. Es gibt Fragebogenexperimente, anhand derer man zeigen kann, dass das Wort „eigentlich“, eingefügt in die Frageformulierung, ganz andere Antworten hervorbringt. „Glauben Sie an Gott?“ oder „Glauben Sie eigentlich an Gott?“ Beide Fragen erbringen ganz verschiedene Ergebnisse: Im zweiten Fall erhält man mehr positive Antworten, denn man „erwischt“ auch die Skeptiker, die Indifferenten. Man kann also durch ganz leichte Veränderungen der Frageformulierung deutliche Antwortänderungen provozieren. Dies betrifft vor allem den Bereich der Einstellungsfragen.

6.1.1.4 Verhaltensfragen

Die letzte Gruppe innerhalb der Testfragen ist der Komplex der Verhaltensfragen. Mit diesem Fragetyp versucht man, etwas über das konkrete Verhalten eines Befragten herauszufinden. Letztlich ist die Erhebung und Analyse von Verhaltensweisen der zentrale Punkt empirischer Sozialforschung, denn das konkrete Verhalten manifestiert gesellschaftliches Mitund Gegeneinander, konstituiert und verändert Werte

und Normen, ist eben soziale Realität. Man will wissen, ob Eltern ihre Kinder schlagen, wie ausländerfeindlich die Deutschen wirklich sind oder ob heutzutage weniger Informationssendungen als noch vor zehn Jahren genutzt werden.

Verhaltensfragen haben gegenüber Einstellungsfragen den Vorteil, dass sie das messen, was tatsächlich passiert. Dabei kommt es wieder sehr auf die Formulierung an, ob es gelingt, das Verhalten von Befragten so genau zu schildern, dass sich der Befragte darin wiedererkennt. Fragt man, wie viele Stunden jemand an einem normalen Werktag fernsieht, ist dies zwar eine Verhaltensfrage, aber immer noch zu weit weg vom tatsächlichen Verhalten. Wenn man hingegen dem Befragten ein Fernsehprogramm vorlegt und ihn bittet, alles anzukreuzen, was er gestern gesehen hat, macht man das Verhalten plastisch und nachvollziehbar und erzielt vermutlich validere Antworten. In diesem Beispiel steckt eine Besonderheit, die es bei Verhaltensfragen zu beachten gilt, insbesondere dann, wenn es um banale, alltägliche Verrichtungen geht. Dann fragt man am besten nach dem Verhalten, das sich auf den letzten oder vorletzten Tag bezieht. Ermittelt man zum Beispiel die wöchentliche und nicht die tägliche Fernsehnutzung, werden Erinnerungsverzerrungen produziert, weil man unter Umständen nicht mehr das tatsächliche Verhalten, sondern eher die Einstellung zum eigenen Verhalten abfragt. Dieses Problem stellt sich generell ein, wenn Personen zu vergangenem Verhalten befragt werden. Dabei ist zu beobachten, dass unangenehme Ereignisse zeitlich eher weiter in die Vergangenheit verdrängt und angenehme Ereignisse näher an die Gegenwart herangeholt werden. Man kann also nur bedingt nach weit in der Vergangenheit liegenden Ereignissen fragen, weil es dabei zu Erinnerungseffekten kommt.

 
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