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6.1.2.2 Überleiterfragen

Eine zweite Art von Funktionsfragen, die ähnlich steuernd wirken, sind die sogenannten Überleiterfragen. Zumeist behandelt man in einem Fragebogen mehrere Themenbereiche. Dabei ist es sinnvoll, die Bereiche auch für den Befragten erkennbar voneinander abzugrenzen. Dies erleichtert es den Befragten, der Logik des Interviews zu folgen und sich gedanklich auf die jeweiligen Themen einzustellen. Hat man etwa schon zehn Minuten Fragen zur Politikverdrossenheit gestellt und will jetzt etwas über Mediennutzung wissen, ist es günstig, eine Überleiterfrage zu stellen, um es dem Befragten zu ermöglichen, das erste Thema im Geiste abzuschließen und offen für ein neues Thema zu sein. Man könnte diese Fragen auch Erholungsfragen nennen, weil sie dazu dienen sollen, während eines längeren Interviews kurz abzuschalten. Überleiteroder Erholungsfragen dienen also nicht nur der Abgrenzung verschiedener Themenblöcke, sondern erlauben es dem Befragten, ähnlich wie bei der Eisbrecherfrage, locker vor sich hin zu plaudern. Auch diese Überleiterfragen haben in der Regel geringere Relevanz für die eigentliche Untersuchung.

6.1.2.3 Trichterund Filterfragen

Ein wesentliches Instrument zur Strukturierung von Fragebögen sind Trichterund Filterfragen. Sie dienen dazu, dass Testfragen nur von denen beantwortet werden (müssen), die es tatsächlich betrifft. Trichterfragen sortieren in einem mehrstufigen Vorgang alle diejenigen Befragten aus, die keine Antwort auf die eigentliche Testfrage geben können. Wenn man etwas über die Mediennutzungsgewohnheiten von Pay-TV-Nutzern wissen will, wäre die erste Frage, ob der Befragte überhaupt einen Fernseher hat. Im nächsten Schritt würde man den Empfangsmodus erfragen und im dritten Schritt nur noch diejenigen befragen, die tatsächlich Pay-TV nutzen. Alle anderen Befragten überspringen diesen Block. Filterfragen arbeiten mit derselben Logik, wobei man sogenannte Auskoppelungen und Gabelungen unterscheidet. Die Auskoppelung funktioniert nach dem Muster der Trichterfrage: Es werden dann Fragen übersprungen, wenn mit einer Vorfrage festgestellt wurde, dass der Befragte nicht sinnvoll antworten kann. Gabelungen werden dann eingebaut, wenn man Auskünfte von der ganzen Stichprobe braucht, jedoch bestimmte Teilpopulationen in unterschiedlicher Formulierung befragen muss. Am Beispiel Pay-TV wird das deutlich. Mittels Trichterfragen wird die Stichprobe in zwei Gruppen geteilt: solche, die Pay-TV anschauen und jene, die nur Free-TV nutzen. Nun könnte man mit einer Gabelung beide Gruppen danach fragen, wie sie die jeweiligen Sendungen oder Genres finden, die typischerweise in dem einen oder anderen Empfangsmodus angeboten werden.

Eine typische Filterfrage, die ebenfalls mit Gabelungen arbeitet, ist die nach dem liebsten Medium. Die folgenden Fragen werden dann speziell auf diejenigen zugeschnitten, die Fernsehen, Radio oder Zeitung genannt haben. Bei den „Fernsehleuten“ fragt man dann nach dem Lieblingsgenre, während man die „Zeitungsleute“ nach dem Lieblingsressort befragt. Nach diesem Block werden die Gruppen wieder zusammengeführt und allen Befragten wieder dieselben Fragen gestellt. Filterbzw. Trichterfragen werden also eingesetzt, um unnötige Fragen zu überspringen und einzelne Teilgruppen mit jeweils auf sie zugeschnittenen Fragen zu konfrontieren.

Filteroder Trichterfragen können jedoch auch Fehlerquellen darstellen, wenn der Ablauf der Befragung dadurch sehr kompliziert wird. Wenn der Interviewer zum Beispiel im Fragebogen hin und her blättern, dabei womöglich Kärtchen zücken und Extrablätter hervorzaubern soll, kommt es nahezu zwangsläufig zu Fehlern. Im Zeitalter computerunterstützter Interviews kann jedoch der Computer auch bei komplexen Filterführungen helfen.

 
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