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6.1.2.4 Kontrollfragen

Eine weitere Gruppe von Fragen sind die sogenannten Kontrollfragen. Das sind Fragen, mit denen in einer alternativen Formulierung an anderer Stelle im Fragebogen noch einmal abgefragt wird, was weiter vorne schon erhoben wurde. Solche Kontrollfragen dienen vor allem in sensiblen Bereichen dazu, aufzudecken, ob der Befragte konsistent antwortet. Kontrollfragen können zum Beispiel bei der Abfrage der politischen Einstellung vorkommen. Stellt man zuerst die Frage „Welche Partei wählen Sie?“ und der Befragte antwortet „CDU“, während er bei einer späteren Kontrollfrage „Wie sympathisch ist Ihnen eigentlich die SPD?“ die SPD als sehr sympathisch einstuft, liegt offensichtlich eine Inkonsistenz vor. Welche Konsequenzen haben inkonsistente Antworten für die Beantwortung der Forschungsfragen? Handelt es sich tatsächlich um ein inkonsistentes Antwortverhalten, haben also diese Befragten zufällig so geantwortet, oder steckt dahinter vielleicht ein bestimmtes inhaltliches Muster? Es kann ja durchaus sein, dass ein Befragter eine bestimmte Parteienpräferenz hat, aber gleichzeitig auch einzelne Politiker einer anderen Partei als sympathisch einstuft. Manchmal kann die Inkonsistenz selbst interessant sein: Schon in den 1940er-Jahren hat Lazarsfeld das sogenannte „Cross-pressure-Phänomen“ beschrieben: Menschen, die inkonsistente soziale Merkmale oder Einstellungen haben, werden leichter von Medien beeinflusst als andere. Häufig jedoch können inkonsistente Antworten als Hinweis darauf dienen, dass der Fragebogen nicht aufrichtig beantwortet oder möglicherweise sogar gefälscht wurde.

Zu den Kontrollfragen gehören auch sogenannte Lügenfragen, die die Wahrheitsliebe der Befragten aufdecken sollen. Man versucht, Sachverhalte anzusprechen, von denen man annimmt, dass sie jeder schon einmal mitgemacht hat. Gibt der Befragte bei relativ eindeutigen Fragen eine Antwort, die höchst unwahrscheinlich ist, hat man zumindest einen Hinweis darauf, dass der Befragte möglicherweise nicht immer wahr antwortet. „Haben Sie in Ihrer Kindheit schon einmal genascht?“, wäre eine solche Lügenfrage. Wer „Nein“ sagt, hat vermutlich gelogen. Lügenfragen werden vor allem dann eingesetzt, wenn sich die Befragung mit gesellschaftlich sensiblen Bereichen befasst, wie etwa der Einstellung zu Pornografie, Züchtigung von Kindern oder Fremdenfeindlichkeit. Ebenso wie mit Kontrollfragen versucht man mit diesem Fragetyp, soziale Erwünschtheit oder Inkonsistenzen, allgemein gesprochen: verzerrte Antworten von Befragten zu identifizieren.

Eisbrecher-, Überleiter-, Filter und Kontrollfragen sind Fragen, die den Ablauf einer Befragung steuern oder die Qualität der Antworten einschätzen lassen, ohne zur Beantwortung der eigentlichen Forschungsfrage der Untersuchung etwas beizutragen.

6.1.2.5 Soziodemografi Merkmale

Eine besondere Form sind Fragen nach soziodemografischen Merkmalen. Diese Fragen sind insofern nicht inhaltsgebunden, als sie in jeder Befragung gestellt werden. Die meisten Umfrageinstitute haben für diesen Bereich ein Standardmodul entwickelt, das an den Schluss des Fragebogens gehängt wird. Typischerweise werden Alter, Geschlecht, Schulbildung, Haushaltsvorstand, Nettoeinkommen, Religionszugehörigkeit und Ehestand ermittelt. Dass die soziodemografischen Merkmale jeweils am Ende eines Fragebogens stehen, hat zwei wesentliche Gründe. Zum einen sind die Fragen eher langweilig, so dass die Motivation der Befragten schnell nachlässt. Wenn man dies zu Beginn machen würde, bestünde die Gefahr, dass der Befragte das Interview frühzeitig abbricht. Zum anderen können die Fragen auch als sensibel empfunden werden. Dies ist insbesondere bei der Frage nach dem Einkommen der Fall. Deswegen ist es günstig, die Fragen am Ende zu stellen, damit zumindest die anderen Antworten schon einmal erhoben sind. Steigt der Befragte bei der letzten Frage nach dem Einkommen aus, kann man seine vorhergehenden Antworten in der Regel trotzdem verwenden.

 
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