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6.2 Standardisierungsgrad von Befragungen

6.2.1 Vollkommen standardisiertes Interview

Im nächsten Abschnitt werden die verschiedenen Typen von Befragungen dargestellt. Bisher wurde implizit immer wieder von der sogenannten standardisierten Bevölkerungsbefragung gesprochen. Bei einer standardisierten Befragung ist tatsächlich alles festgelegt. Das beginnt bei dem Wortlaut der Fragen, geht über genau festgelegte Antwortvorgaben, bezieht sich auf die Reihenfolge der Fragen und legt bis ins Detail fest, wie sich der Interviewer zu verhalten hat: Was muss er vorlesen, was darf er auf gar keinen Fall vorlesen? Wann muss er welche Kärtchen oder Listen vorzeigen? Muss er bestimmte Fragen betonen? Die Standardisierung soll sicherstellen, dass alle Befragungen nach genau dem gleichen Muster ablaufen. Wäre dies nicht der Fall, beispielsweise weil Fragen ausgelassen werden, in einer anderen Reihenfolge oder an anderer Stelle gestellt werden oder Antwortvorgaben einmal vorgelesen werden und einmal nicht, beeinträchtigt dies die Vergleichbarkeit der Interviews und damit die Qualität der Ergebnisse. Nur wenn alle Interviews völlig gleich ablaufen und die Befragungssituation keinen Einfluss auf die Ergebnisse hat, kann man die Ergebnisse von der Stichprobe auf die Bevölkerung übertragen. Der Repräsentativschluss erfordert demnach nicht nur eine entsprechende Stichprobenziehung, sondern stellt auch Anforderungen an das Design der gesamten Untersuchung bis hin zur Fragebogenkonzeption. Umfrageinstitute gestalten aus diesem Grund bei standardisierten Befragungen den Fragebogen beispielsweise so, dass alles, was der Interviewer vorlesen soll, in Anführungsstrichen steht. Alles, was er nicht vorlesen soll, steht analog nicht in Anführungszeichen.

Derartige Befragungstypen werden immer dann verwendet, wenn wir mit großen Stichproben arbeiten oder wenn mittels Repräsentativschluss eine Aussage über „die Bevölkerung“ oder bestimmte Teilgruppen gemacht werden soll. Standardisierte Befragungen sind in der Regel so konzipiert, dass Forscher und Interviewer unterschiedliche Personen sind. Die Interviewer sollen möglichst wenig über den Zweck der Befragung und die wissenschaftlichen Hintergründe wissen. Ihre Aufgabe ist es, die Befragung im Sinne der ihnen gestellten Vorgaben professionell durchzuführen. Der Forscher wiederum ist deshalb kein Interviewer, damit er nicht – bewusst oder unbewusst – den Ablauf der Befragung in seinem Sinn beeinflusst.

Abbildung 6.1 stellt die erste Seite eines Fragebogens einer standardisierten schriftlichen Befragung dar. Die Grundgesamtheit der Untersuchung waren Jugendliche. Bei einer standardisierten schriftlichen Befragung ist darauf zu achten, dass die Ansprache im Fragebogen und Begleitschreiben auf die Grundgesamtheit abgestimmt ist und dass diese die Frageformulierungen versteht.

 
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