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6.5.2 Stichprobenziehung bei Online-Befragungen

Die Güte der Stichprobe war schon bei der Telefonbefragung problematisiert worden. Bei Online-Befragungen ist dieser Aspekt sogar noch stärker zu berücksichtigen. Die Voraussetzung dafür, dass Stichproben mittels Zufallsauswahl gezogen werden können, wäre eine Liste mit allen Elementen der Grundgesamtheit. Eine solche Liste mit E-Mail-Adressen dieser Elemente ist allerdings häufig nicht vorhanden oder man erhält keine Möglichkeit, darauf zuzugreifen.

Generell kann man zwischen einer aktiven und einer passiven Rekrutierung von Teilnehmern einer Online-Befragung unterscheiden. Bei einer aktiven Rekrutierung verfügt man über eine Liste mit E-Mail-Adressen, man rekrutiert ein Online-Panel oder man geht nach dem Schneeballprinzip vor. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, jedem x-ten Besucher einer Website die Einladung zur Befragung mittels Pop-up anzuzeigen. Die erste Möglichkeit besteht im Versenden des Links zu dem Online-Fragebogen mittels E-Mail-Nachricht an eine Stichprobe von Personen. Wenn von einer Grundgesamtheit die E-Mail-Adressen vorliegen (z. B. Studierende einer Universität), kann man relativ schnell Stichproben bilden. In diesem Fall besteht sogar die Möglichkeit, die Grundgesamtheit insgesamt zu befragen (= Vollerhebung, vgl. Kap. 4), da ein Mehr an verschickten E-Mail-Nachrichten keine zusätzlichen Kosten verursacht. Bei der Rekrutierung sogenannter Online-Access-Panels (oder auch Web-AccessPanels) wird folgendermaßen vorgegangen: Die erste Kontaktaufnahme erfolgt auf traditionellem Weg, etwa mittels Random-Walk (Kap. 4.9). Die Zielpersonen werden dann gebeten, als Teil eines Online-Panels von Zeit zu Zeit an Befragungen teilzunehmen. Als Gegenleistung dafür werden ihnen beispielsweise die Kosten für den Online-Zugang erstattet. Der Grund für dieses recht aufwendige Vorgehen liegt auf der Hand: Auf diese Weise sollen auch „Offliner“ in die Stichprobe aufgenommen werden, um deren Repräsentativität sicherzustellen. Gleichwohl muss angemerkt werden, dass ein beträchtlicher Teil der verbliebenen Offliner offenbar auch das Angebot eines kostenfreien Internetzugangs ausschlägt (Schnell 2012, S. 296), so dass auch solche Online-Access-Panels nicht notwendigerweise für sich beanspruchen können, ein verkleinertes Abbild der Gesamtbevölkerung darzustellen. Bevölkerungsrepräsentative Studien lassen sich mittels Online-Befragung (noch) nicht durchführen. Online-Access-Panels dürfen im Übrigen nicht mit traditionellen Panels verwechselt werden. Bei einer Panel-Studie werden die Teilnehmer mehrmals (mindestens zweimal) untersucht, um Veränderungen, etwa bei Einstellungen und Meinungen, messen zu können. Im Gegensatz dazu stellt ein Online-Access-Panel zunächst einmal einen Pool an potenziellen Befragten dar, aus dem dann – je nach Fragestellung – unterschiedliche Teilmengen zur eigentlichen Untersuchung eingeladen werden.

Weiterhin kann man bei der Rekrutierung auf das Schneeballprinzip zurückgreifen. Dabei würde man beispielsweise den Link zur Befragung an 40 Bekannte verschicken und diese bitten, den Link ihrerseits an fünf Personen weiterzuleiten. Man hofft darauf, dass auch ein Teil dieser indirekten Kontakte den Link noch weiterleitet und man so schnell eine hohe Zahl an Teilnehmern rekrutiert hat. Während man aber beim Vorliegen einer E-Mail-Liste der Grundgesamtheit oder beim Aufstellen eines Online-Panels eine systematische Zufallsauswahl oder auch eine quotierte Auswahl treffen kann, stellt das Schneeballprinzip eine willkürliche Auswahl dar. Die Ergebnisse der Untersuchung können somit nicht verallgemeinert werden.

Beim Intercept-Auswahlverfahren wird jedem n-ten Besucher einer Website ein Pop-up mit der Einladung zu der Befragungsteilnahme angezeigt. Sind Nutzer einer Website der Untersuchungsgegenstand, handelt es sich bei diesem zufälligen Verfahren um ein geeignetes Mittel. Es muss lediglich berücksichtigt werden, dass Vielnutzer im Vergleich zu unregelmäßigen Besuchern der Website mit größerer Wahrscheinlichkeit in die Stichprobe aufgenommen werden. Prinzipiell handelt es sich um eine systematische Zufallsauswahl, was Rückschlusse auf die Grundgesamtheit der Besucher dieser Seite erlaubt. Deutlich problematisch sind die häufig geringen Rücklaufquoten, was eben diesen Repräsentationsschluss wiederum in Frage stellt.

Bei einer passiven Rekrutierung versucht man dagegen, den Kontakt zu den potenziellen Teilnehmern durch Hinweise in Foren, auf Websites oder in FacebookGruppen herzustellen. Bei allen diesen Verfahren handelt es sich um willkürliche Auswahlen – mit allen daraus resultierenden Konsequenzen (vgl. Kap. 4.5). An solchen Untersuchungen werden vor allem solche Personen teilnehmen, die sich für das Thema der Befragung interessieren. Auf Basis solcher „Stichproben“ kann man allerdings kaum Aussagen treffen, die über die tatsächlich untersuchten Personen hinausgehen.

Unabhängig von der Art der Rekrutierung wird bei Online-Befragungen relativ häufig mit sogenannten Incentives gearbeitet, um Rücklaufquote und Teilnehmerzahl zu erhöhen. Hierfür dürfte die Preisgünstigkeit der Methode (keine Kosten für Druck, Telefongebühren, Interviewer oder Porto) und die Vielzahl an konkurrierenden Online-Befragungen verantwortlich sein. Die gängigste Praxis ist, dass unter allen Teilnehmern, die den Fragebogen komplett ausgefüllt haben, eine Anzahl von (Online-)Gutscheinen oder Produkten verlost wird. Auch wenn diese Möglichkeit in den meisten Fällen ohnehin nicht gegeben ist: Die ausgelobten Incentives sollten nicht zu begehrenswert sein (also z. B. kein neues Smartphone). Dies würde dazu führen, dass Personen nur wegen des möglichen Gewinns (unter Umständen sogar mehrfach) an der Befragung teilnehmen, worunter die Qualität der Daten leidet.

 
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