Qualität der Befragungsdaten

Die Qualität von mittels Online-Befragung gewonnenen Daten ist unterschiedlich zu bewerten. Vor allem bei moralisch aufgeladenen Untersuchungsgegenständen könnte die Online-Befragung durch die Anonymität der Befragungssituation sogar validere Daten als die übrigen Varianten produzieren. Im Vergleich zu anderen Befragungs-Modi spielt die Gefahr, dass Befragte sozial erwünscht antworten eine geringere Rolle. Die meisten Programme speichern darüber hinaus die Zeit, die mit dem Ausfüllen einer Fragebogenseite zugebracht wurde. Dies ist eine gute Möglichkeit, um die Qualität der Antworten abzuschätzen. Unterschreitet die Zeit einen Grenzwert, ist ein gewisser Zweifel an der Validität der Antworten dieses Befragungsteilnehmers gegeben. Wenn ein Befragter für die Beantwortung einer Itembatterie mit zehn Statements nicht einmal 20 Sekunden gebraucht hat, ist eindeutig, dass er nicht alle Statements gelesen haben kann. Wenn im Rahmen einer experimentellen Untersuchungsanlage ein einseitiger Nachrichtenbeitrag in den Online-Fragebogen integriert ist, hat ein Teilnehmer diesen ebenfalls nicht gelesen, wenn die Verweildauer auf der entsprechenden Seite nur zehn Sekunden beträgt. Da zu geringe Fallzahlen meist nicht das Problem einer Online-Befragung sind, sollten die Antworten solcher Teilnehmer nicht für die Datenanalyse berücksichtigt werden.

Neben der bereits skizzierten Problematik der zum Teil sehr geringen Rücklaufquoten und der willkürlichen Auswahl der Befragungsteilnehmer besteht bei Online-Befragungen das Problem der fehlenden Verbindlichkeit und sozialen Kontrolle. Dies kann sich positiv auswirken, da Befragte mit geringerer Wahrscheinlichkeit sozial erwünschte Antworten geben. Auf der anderen Seite ist allerdings auch völlig unklar, wer tatsächlich an den Befragungen teilnimmt bzw. ob die gemachten Angaben (z. B. hinsichtlich der soziodemografischen Merkmale) der Wahrheit entsprechen.

Mittels Online-Befragung lassen sich innerhalb kurzer Zeit große Fallzahlen erreichen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die zu untersuchende Grundgesamtheit räumlich verstreut vorliegt. Wenn beispielsweise Studierende im Auslandssemester oder Mitarbeiter eines deutschen Unternehmens in unterschiedlichen Ländern untersucht werden sollen, bietet sich die Online-Befragung an. Es wäre sehr aufwendig und teuer, solche Zielgruppen auf dem Postweg oder sogar am Telefon (Kosten, Zeitverschiebung) zu erreichen. Voraussetzung für ein solches Vorgehen ist allerdings das Vorhandensein einer Liste, auf der eben alle Elemente der Grundgesamtheit mit E-MailAdressen verzeichnet sind. Aber auch wenn die E-Mail-Adressen nicht bekannt sind und somit keine Zufallsstichprobe gezogen werden kann, ist in Einzelfällen eine Online-Befragung sinnvoll. Dies trifft z. B. bei Fragen nach der Nutzung von Diensten zu, die über das Internet verbreitet, aber bislang von wenigen genutzt werden. Will man beispielsweise die noch vergleichsweise kleine Gruppe der Podcast-Nutzer untersuchen, müsste man sehr viele Interviews führen, um Auskünfte von genügend Nutzern zu erhalten. Hier besteht die Möglichkeit, den Link zum Fragebogen in Online-Foren zu posten, die das Thema „Podcast“ zum Inhalt haben. Evtl. könnte man

Tab. 6.1 Vorund Nachteile einer Online-Befragung

* Diese Nachteile treten allerdings auch bei einer schriftlichen Befragung per Postweg auf.

dies mit der Bitte an die Leser solcher Foren verknüpfen, den Link an Freunde und Bekannte zu verschicken, die auch Podcasts nutzen.

Wichtig ist bei einer solchen Vorgehensweise, dass die Ergebnisse immer unter Berücksichtigung des Auswahlverfahrens interpretiert werden. Den Anteil der Podcast-Nutzer innerhalb der Gesamtbevölkerung wird man so ebenso wenig identifizieren, wie man repräsentative Informationen über soziodemografische Merkmale der Gesamtheit der Podcast-Nutzer erhält.

Interessant sind Online-Befragungen vor allem, wenn die zu untersuchende Bevölkerungsgruppe recht klein und/oder geografisch verstreut ist. Man kann davon ausgehen, dass für klar umrissene Grundgesamtheiten (Firmen, Besucher einer Site etc.) Internetbefragungen bereits jetzt sinnvoll sind. Allerdings sind etliche Vorund Nachteile gegenüber herkömmlichen Befragungsmethoden zu berücksichtigen (Tab. 6.1).

 
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