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7.4.3 Operationalisierung

Im dritten Schritt wird das Untersuchungskonzept umgesetzt. Operationalisierung bedeutet im Fall der Befragung die Überführung von Programmin Testfragen, also jene, die man später dem Befragten vorlegt. Die herausgearbeiteten Dimensionen zum Konstrukt Politikverdrossenheit werden in einzelne Indikatoren aufgespaltet, die jeweils wiederum mit einer oder mehreren Fragen konkretisiert werden. Wenn man das Wahlverhalten als einen Indikator für Politikverdrossenheit definiert hat, würde man wahrscheinlich fragen:

• „Sind Sie bei der letzten Bundestagswahl zum Wählen gegangen?“

• „Gehen Sie prinzipiell bei jeder Wahl zum Wählen?“

• „Wenn nein, bei welcher Wahl gehen Sie nicht hin?“ usw.

7.4.4 Fragebogendesign und Pretest

In diesem Schritt werden die Testfragen in eine Reihenfolge gebracht. Es werden Funktionsfragen wie die Eisbrecherfrage, Filterund Trichterfragen, Fragen nach soziodemografischen Merkmalen, Überleitungsfragen und Auflockerungsfragen eingebaut, so dass am Ende dieses Vorgangs ein vollständiger Fragebogen vorliegt. Dieser sollte allerdings nicht ohne weiteres verwendet werden. Noch können Schwächen, ja gar Fehler enthalten sein, die uns bei der Konzeption entgangen sind. Ganz zentral für einen guten Fragebogen – und nur mit guten Fragebögen erzielt man valide Ergebnisse – ist ein Pretest, ein erster Test auf die Brauchbarkeit des Fragebogens. Der Pretest sollte immer mit Mitgliedern jener Population durchgeführt werden, auf die die Befragung ausgelegt ist, nicht etwa mit eigenen Mitarbeitern und Kollegen. Auch sollte man nicht eine, sondern zahlreiche Befragungen vorsehen und dabei auf eine heterogene Zusammensetzung der Befragten achten. Der Pretest gibt Aufschluss darüber, ob alle Fragen verständlich sind, ob die Formulierungen stimmen, ob der Fragebogen für den Interviewer gut handhabbar ist etc. Möglicherweise müssen Skalen noch verändert, Antwortvorgaben erweitert oder gar zusätzliche Fragen eingebaut werden.

7.4.5 Durchführung der Befragung

Der fünfte Schritt ist die Durchführung der Befragung. Darunter fällt die Stichprobenziehung und die sogenannte Feldarbeit, also die Tätigkeit der Interviewer vor Ort bzw. in einem Telefonstudio oder die Zeit, in der ein schriftlicher Befragungsbogen bei den zu befragenden Personen liegt. Die einzelnen Schritte der Durchführung sollten durch die Wissenschaftler jeweils kontrolliert werden, die Rücklaufzeit muss vorher festgelegt worden sein.

7.4.6 Auswertung und Ergebnisdarstellung

Im sechsten Schritt kommt es zur Auswertung der Daten (in der Regel computerunterstützt). Da die Datenauswertung ein eigener Bereich der wissenschaftlichen Ausbildung ist, seien hier die einzelnen Schritte nur stichpunktartig erwähnt:

• Dateneingabe in das Datenverarbeitungsprogramm

• Datenbereinigung, d. h. ausmerzen von Eingabefehlern und offensichtlichen Inkonsistenzen, Berücksichtigung von Gewichtungsfaktoren

• Plausibilitätskontrolle, d. h. Kontrolle auf Stimmigkeit der Antworten eines Befragten, Vergleich der verschiedenen Interviews eines Interviewers (hier deckt man nicht nur Schlampigkeiten, sondern auch Fälscher auf) und Vergleich der Interviews unterschiedlicher Interviewer zur Aufdeckung systematischer Interviewereffekte

• Analyse der Daten, z. B. zur Aufdeckung von Zusammenhängen oder Abhängigkeiten verschiedener Variablen

7.4.7 Ergebnispräsentation, Beantwortung der Fragestellung

Im siebten Schritt wird die ursprüngliche Forschungsfrage beantwortet. Bis hierhin vollzieht sich ein Spannungsbogen, der vom Erkenntnisinteresse hin zum Erkenntnisgewinn führt. An diesem Punkt werden die Ergebnisse aufgeschrieben, interpretiert, grafisch aufbereitet und zur Publikation bzw. Präsentation vorbereitet. Folgende Punkte sind hierbei relevant:

• grafische und tabellarische Aufarbeitung der Ergebnisse

• Rückbezug der Ergebnisse auf die ursprüngliche Fragestellung und die zugrunde liegenden Theorien [1]

• Interpretation der Befunde

• Beantwortung der zentralen Forschungsfrage(n)

• Abfassung des Forschungsberichts, z. B. der Bacheloroder Masterarbeit

• Präsentation, z. B. vor dem Auftraggeber, und Publikation der Ergebnisse

  • [1] Dies wird in empirischen Abschlussarbeiten oftmals vernachlässigt, ist aber ein wichtiges Qualitätskriterium für die Ergebnisdarstellung
 
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