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Inhaltsanalyse II: Kategorien und Codebuch

9.1 Kategorien als Erhebungsinstrument der Inhaltsanalyse

In diesem Abschnitt wird genauer auf das Erhebungsinstrument, das Kategoriensystem bzw. das Codebuch, eingegangen. Ebenso wie in den Abschnitten zur Befragung die Fragen im Mittelpunkt der Darstellung standen, ist für das Verständnis dieser Methode die Kategorienbildung essentiell. Was bei der Befragung der Fragebogen ist, ist für die Methode der Inhaltsanalyse das Kategorienschema. Man sollte sich hierbei noch einmal Kapitel 2 vor Augen führen, in dem Messen und Zählen sowie die verschiedenen Skalierungsmöglichkeiten erläutert wurden. Denn das Prinzip, nach dem Messinstrumente entwickelt werden, ist immer dasselbe, nur die Form verändert sich je nach Methode.

9.1.1 Inhaltliche Kategorien

Kategorien sind vergleichbar mit den Programmfragen einer Befragung. Die Kategorien sind zunächst einmal die exakte Definition dessen, was erhoben bzw. gemessen werden soll. Wie man für eine Befragung die Programmfragen in Testfragen – also solche, die dann tatsächlich im Fragebogen stehen – ausformuliert, werden die Kategorien anhand der Indikatoren, mit denen man seine Fragestellung entfaltet hat, gebildet. Je nach Differenziertheit der Fragestellung werden sie in Unterkategorien aufgeteilt. Am Ende der Kategorienbildung steht dann die Festlegung der Merkmalsausprägungen an. Das lässt sich wieder mit der Fragebogenkonstruktion vergleichen: Je nach Untersuchungstiefe entwickelt man unterschiedlich differenzierte Kategorienausprägungen. Zusätzlich wird häufig die Ausprägung „Sonstiges“ vergeben. Ein Beispiel: Es geht um die Frage, ob sich die Anforderungen an den Beruf des Journalisten in den letzten dreißig Jahren gewandelt haben. Um dies herauszufinden, sollen Stellenanzeigen inhaltsanalytisch untersucht werden, weil angenommen wird, dass der Stellenmarkt einen guten Indikator für Veränderungen (Ausdifferenzierung oder Professionalisierung) von Berufsbildern abgibt. Eine ganz zentrale Dimension sind natürlich die Anforderungen, die in diesen Stellenanzeigen an Bewerber gestellt

Tab. 9.1 Beispiel für die Darstellung der beiden Kategorien Studienabschluss sowie Berufserfahrung in bestimmten Medien Studienabschluss (Uni, FH, TU, Journalistenschule)

0 = nicht gefordert

1 = Studium gewünscht, Abschluss nicht gefordert (z. B.„einige Semester Kommunikationswissenschaft“)

2 = Studienabschluss gewünscht

3 = Studienabschluss gefordert bzw. unabdingbar

Berufserfahrung in bestimmten Medien

0 = nicht gefordert

1 = allgemein Medien („journalistischer Bereich“) 2 = Print

3 = Hörfunk

4 = Fernsehen

5 = Verlag

6 = Presseagentur

7 = Sonstiges

werden. Die Hauptkategorie wird also „Geforderte Eigenschaften des Bewerbers“ genannt. Man wird dann bei der Entwicklung der Unterkategorien empirisch vorgehen und alle denkbaren Anforderungen auflisten. Dabei ist an formelle Anforderungen wie „Schulbildung“ oder „Berufserfahrung“ genauso zu denken wie an die persönlichen Eigenschaften eines Bewerbers, also „Kontaktfreudigkeit“ oder „Zuverlässigkeit“. Im nächsten Schritt müssen die Merkmalsausprägungen der Kategorien (Skalierung!) festgelegt werden. Beispiele für solche Kategorien einschließlich der Merkmalsausprägungen finden sich in Tab. 9.1.

Wenn im Text einer Anzeige ein Journalist mit Studienabschluss und Erfahrung im Verlagswesen gesucht wird, müsste in der ersten Kategorie eine 2, in der zweiten Kategorie eine 5 vergeben werden. Neben den konkreten Ausprägungen der Kategorie „Studienabschluss“ sind zusätzlich Vermerke (hier in Klammern) angebracht. Dies ist die operationale Definition des Begriffs „Studienabschluss“. Hier handelt es sich natürlich um ein simples Beispiel, aber es demonstriert das Prinzip. Wenn die Kategorie nicht eindeutig für sich spricht, muss angegeben werden, was mit dieser Kategorie genau gemeint ist. Die Begriffsbestimmung ist ja der zentrale Punkt einer Untersuchung, an dem auf Basis einer theoriegeleiteten Hypothese eindeutig bestimmt wird, was hier untersucht wird. So werden Transparenz und intersubjektive Nachvollziehbarkeit hergestellt.

 
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