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9.1.2 Formale Kategorien

Formale Kategorien beschreiben die formalen Merkmale der jeweiligen Untersuchungseinheit.

Das können ganze Artikel oder auch nur die Überschriften von Artikeln sein. In unserem Beispiel bildet jede Stellenanzeige eine Untersuchungseinheit, die exakt identifiziert werden muss: Wann ist sie erschienen? In welchem Medium? Welche Größe hat sie? Diese formalen Variablen dienen nicht nur der Wiedererkennung, sie sind besonders dann wichtig, wenn formale Gesichtspunkte bei der Forschungsfrage eine Rolle spielen. Wenn also, wie in diesem Fall, eine Trendstudie vorgenommen wird, ist das Erscheinungsjahr natürlich wesentlich. Auch der Umfang kann entscheidend sein, wenn man etwa herausfinden möchte, wie intensiv über ein bestimmtes Thema berichtet wird. Im Falle der vorliegenden Studie sehen die formalen Kategorien etwa so aus, wie Tab. 9.2 zeigt.

Tab. 9.2

Beispiele für formale Kategorien

Medium (Erscheinungsmedium der Anzeige)

1 = journalist 2 = Die Feder 3 = Die Zeit

4 = FAZ

5 = SZ

Tag (sofern vorhanden zweistellig eintragen)

Monat (zweistellig)

Jahr (zweistellig)

Seite (dreistellig)

Lfdnr (laufende Nummer der Anzeige pro Seite)

Text (Textanfang im Klartext)

Rubrik (Anzeigenrubrik nur bei SZ, FAZ, ZEIT)

0 = keine Rubriken vorhanden 1 = Anzeige in Medienrubrik

2 = Anzeige in Rubrik„Dienstleistung“

3 = Anzeige in anderer spezifischer Rubrik 4 = Anzeige in Rubrik„Sonstige“

Illustration

0 = keine Illustration (nur Fließtext) 1 = nur Firmenlogo

2 = nur Bild/Grafik

3 = Bild, Grafik und Firmenlogo 4 = Sonstiges

Anhand dieser Kategorien sind alle Anzeigen eindeutig zu identifizieren und zu codieren. Bei Inhaltsanalysen zur Medienberichterstattung werden üblicherweise noch Angaben zur Größe des Textes und zur Platzierung gemacht. Es gibt Codierungen des Umfanges eines Beitrags, die relativ grob sind. Die Ausprägungen könnten zum Beispiel „1 Seite“, „½ Seite“, „¼ Seite“, „1/8 Seite“ heißen. Bekanntermaßen wählt man die Skalierung nach der Wichtigkeit des Merkmals für die Untersuchung. Eine grobe Skalierung deutet also an, dass der Umfang keine besondere Rolle spielt. Anders ist es, wenn der Umfang in Quadratzentimetern oder bei elektronischen Medien in Sekunden, also intervallskaliert, gemessen wird [1].

Die Platzierung eines Berichtes, sei es in der Zeitung oder in Nachrichtensendungen, sagt im weitesten Sinn etwas über die diesem Beitrag zugeschriebene Relevanz aus. Dinge, die auf der ersten Seite stehen, hat die Redaktion für wichtiger gehalten als eine Meldung im Blattinneren. Rezipienten lesen Meldungen auf der Titelseite auch häufiger als Meldungen im Inneren der Zeitung. Derartige Gesichtspunkte sind zum Beispiel für Agenda-Setting-Studien von Belang.

Die formalen Kategorien stehen – ebenso wie die soziodemografischen Daten in Befragungen – nicht im eigentlichen Zentrum der Untersuchung, liefern jedoch wichtige Zusatzinformationen. Mit ihnen können schon einige wichtige Aussagen getroffen werden, im Fall der Journalistenstudie beispielsweise darüber, ob das Anzeigenaufkommen im Zeitverlauf zuoder abgenommen hat.

• Wie hat sich das Anzeigenaufkommen in den untersuchten Medien im Vergleich entwickelt?

• Ist vielleicht ein Trend hin zu den überregionalen Tageszeitungen zu entdecken oder sind es die Fachblätter, in denen sich der Stellenmarkt materialisiert?

• Werden heute Anzeigen aufwendiger gestaltet als früher, legen also die Firmen mehr Wert auf ihre Selbstdarstellung?

Konkret wird so vorgegangen, dass unter der Kategorie „Medium“ die entsprechende Ausprägung codiert wird. Stammt eine Anzeige aus der FAZ, vergibt man beispielsweise eine 4. Analog verfährt man mit den folgenden Merkmalsausprägungen. Man notiert den Tag bis hin zum „Textanfang“, einer quasi offenen Antwortkategorie, in der die ersten Worte der jeweiligen Anzeige vermerkt werden.

  • [1] Zur Erinnerung: Daten, die intervallskaliert erhoben werden, eröffnen mehr Möglichkeiten der Datenanalyse. Während nominale Skalen „nur“ Häufi keitsauszählungen zulassen, kann man mit intervallskalierten Daten Durchschnittswerte berechnen
 
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