Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Methoden der empirischen kommunikationsforschung
< Zurück   INHALT   Weiter >

Beobachtung II: Varianten und Durchführung

12.1 Klassifi tion von Beobachtungsformen

Nachdem im vorigen Kapitel einige Anwendungsgebiete der Beobachtung dargestellt wurden, soll das folgende Kapitel vor allem dabei helfen, die unterschiedlichen Varianten einzuordnen. Die Beobachtung ist vermutlich die vielseitigste Methode der Datenerhebung mit einer erheblichen Anzahl von Varianten. Im Folgenden versuchen wir, in Anlehnung an Gehrau (2002) die verschiedenen Formen zu systematisieren. Dies geschieht anhand einer Reihe von dichotomen Kriterien, nach denen konkrete Beobachtungsstudien klassifiziert werden können. Diese Kriterien können – wie in der nachfolgenden Abbildung dargestellt – den drei Bereichen Beobachter, Situation und Erhebung zugeordnet werden (Abb. 12.1).

Abb. 12.1 Systematisierung der Beobachtungsvarianten

Beobachter

Interne Beobachter versus extern beauftragte Beobachter

Selbstversus Fremdbeobachtung

Teilnehmende versus nicht teilnehmende Beobachtung

Beobachtungssituation

Offene versus verdeckte Beobachtung Wissentliche versus unwissentliche Beobachtung

Feldversus Laborbeobachtung

Beobachtung mit versus ohne Stimulus

Erhebungsverfahren

Standardisierte versus nicht standardisierte Protokollierung

Direkte Beobachtung versus indirekt über Verhaltensresultate

Unvermittelte Beobachtung versus vermittelt über Aufzeichnung

Manuelle versus automatisierte Protokollierung

12.1.1 Beobachter

Hinsichtlich der Person bzw. Rolle des Beobachters lassen sich drei Merkmale unterscheiden. Dabei sollte vor allem die Entscheidung darüber gut überlegt sein, ob der Beobachter selbst an dem zu beobachtenden Geschehen teilnimmt.

12.1.1.1 Forscher als Beobachter versus beauftragte Beobachter

Bezüglich der Person des Beobachters lässt sich zunächst zwischen Untersuchungen unterscheiden, bei denen der Forscher die Beobachtung selbst durchführt und solchen, bei denen extern beauftragte Personen zum Einsatz kommen. Bei der Entscheidung dieser Frage stehen oft forschungsökonomische Gründe im Vordergrund. Bei geringem Budget werden Beobachtungen somit meist vom Forscher selbst bzw. von Seminarteilnehmern durchgeführt. Das hat den Vorteil, dass der Beobachter mit der wissenschaftlichen Fragestellung vertraut ist. Er weiß, auf welches Verhalten es ankommt und kann bei der Beobachtungsprotokollierung Irrelevantes auslassen. Dass der Forscher aber mit dem Beobachtungsziel vertraut sind, kann aber ebenso eine Störquelle darstellen und somit die Validität der Ergebnisse gefährden. Dieser Aspekt ist vergleichbar mit sogenannten Versuchsleitereffekten bei Experimenten (vgl. Kap. 14.4). Bei der Beobachtung ist der Ausgangspunkt für solche Fehler eine in Richtung der zu erwartenden Ergebnisse verfälschte Wahrnehmung und Interpretation der zu beobachtenden Handlungen.

Bei einer Inhaltsanalyse müssen Codierer beispielsweise eine Aussage oder einen Artikel interpretieren, um erfassen zu können, welche Position der Autor zu einem Sachverhalt einnimmt. Gleichermaßen bedeutet auch Beobachten, menschliches Verhalten zu interpretieren. Beobachten Forscher selbst, kann ihre Wahrnehmung durch Vorannahmen über das zu erwartende Verhalten verzerrt sein (hypothesengeleitete Wahrnehmung). Externe Beobachter kann man dagegen als Forscher über den Hintergrund der Untersuchung zumindest teilweise im Unklaren lassen. Sie werden folglich das Verhalten der Beobachteten unvoreingenommen erfassen. Der Einsatz von gut geschulten externen Beobachtern, die sich im Zweifelsfall bei anwesenden Forschern rückversichern können, wäre folglich wünschenswert. Dies ist jedoch die teuerste und zeitaufwendigste Variante.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften