Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Methoden der empirischen kommunikationsforschung
< Zurück   INHALT   Weiter >

12.1.2 Beobachtungssituation

Hinsichtlich der Situation der Beobachtung lassen sich vier Aspekte unterscheiden, wobei die ersten beiden eng miteinander verknüpft sind und deshalb gemeinsam dargestellt werden. Geht man vom Beobachter aus, kann dieser offen zu sehen sein oder im Verborgenen bleiben. Geht man von den Beobachteten aus, bezieht sich die Unterscheidung auf deren (Nicht-)Wissen darüber, dass sie beobachtet werden. Gleichzeitig stellt dies die wichtigste Entscheidung hinsichtlich der Situation dar.

12.1.2.1 Wissentliche versus unwissentliche Beobachtung

Die Frage, ob die Beobachtung offen oder verdeckt erfolgt, ist eng mit dem Aspekt verbunden, ob den Beobachteten bewusst ist, dass sie beobachtet werden, aber nicht damit identisch. So kann (z. B. in einer Laborsituation) die Beobachtung durchaus verdeckt erfolgen, sich der Beobachtete aber gleichzeitig bewusst sein, dass sein Verhalten beobachtet wird. Im günstigsten Fall „vergisst“ der Beobachtete jedoch nach einiger Zeit, dass er beobachtet wird und zeigt sein natürliches Verhalten. Im ungünstigen Fall kann aber gerade dieses „Nichtsehen“ ein unangenehmes Gefühl bei den Beobachteten verursachen und deren Verhalten massiv beeinflussen. Meist wird eine offene Beobachtung auch mit Wissen der handelnden Personen stattfinden und umgekehrt. Zwei Aspekte sind zentral und sollten bedacht werden:

• Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Wissen um die Beobachtung das zu beobachtende Verhalten beeinflusst?

• Handelt es sich um ein Verhalten, das ohne Wissen der handelnden Personen beobachtet werden darf?

Die erste Frage bezieht sich wiederum auf die Natürlichkeit des Verhaltens und ist bereits im letzten Teilabschnitt diskutiert worden. Im Vordergrund steht die Frage, ob valide Ergebnisse zu erwarten sind, wenn die Beobachteten vorher eingeweiht werden. Dies ist unwahrscheinlich, wenn man beispielsweise die Reaktion von Passanten auf die Schlagzeilen von Straßenverkaufszeitungen untersuchen will. Spricht man sie zehn Meter vor den „stummen Verkäufern“ an, um sie über die Beobachtung zu informieren, wird man ihre Reaktion beim Passieren der Verkaufskästen sicher beeinflussen, da sie möglicherweise erst so darauf aufmerksam wurden. Wenn eine Beobachtung mit Wissen der handelnden Personen nicht in Betracht kommt, muss aber sehr genau überlegt werden, ob eine „heimliche“ Beobachtung überhaupt zulässig ist. Es muss sichergestellt sein, dass eine verdeckte Beobachtung die Privatsphäre der beobachteten Personen nicht verletzt. Es spricht sicher nichts dagegen, wie im genannten Beispiel die Reaktionen von Passanten auf die Schlagzeilen der Straßenverkaufszeitungen an Kiosken oder Verkaufsständern zu beobachten. Problematischer wird die Sache schon, wenn Gespräche und Interaktionen von Menschen in Gaststätten oder am Arbeitsplatz ohne deren Wissen beobachtet werden sollen. Dass das Anbringen von Kameras und Mikrofonen in einem Wohnzimmer zum Zweck der Beobachtung der Rezeptionssituation nur mit Wissen und Zustimmung aller dort

wohnenden Personen erfolgen kann, muss nicht diskutiert werden.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften