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12.1.2.2 Feldversus Laborbeobachtung

Die beiden folgenden Merkmale zur Klassifikation von Beobachtungsstudien beziehen sich eher auf die Untersuchungsanlage als auf die Methode. Zunächst kann an dem Ort beobachtet werden, wo das zu untersuchende Verhalten natürlicherweise auftritt – also in Redaktionen, Wohnzimmern, Cafés, auf der Straße etc. Da fehlende Authentizität des erfassten Verhaltens die Ergebnisse jeder Beobachtung nahezu wertlos macht, finden viele Studien im Feld statt. Hier ist die Wahrscheinlichkeit höher, authentisches Verhalten zu beobachten. Das soll allerdings nicht bedeuten, dass dies nicht auch im Labor möglich wäre. Der Vorteil der Beobachtung im Labor liegt dagegen in der Möglichkeit, Störvariablen auszuschließen oder zumindest zu kontrollieren. Daher wird man vor allem im Rahmen einer experimentellen Untersuchungsanlage überlegen, die Beobachtung im Labor durchzuführen.

In den Kapiteln zum Experiment wird noch detaillierter auf den Begriff „Labor“ eingegangen. Nur so viel schon vorweg: Damit ist keineswegs ein steriler Raum gemeint, an den man zunächst bei diesem Begriff denken mag. Als Kommunikationswissenschaftler kann man ein „Labor“ auch wie ein Wohnzimmer mit Sofa, Pflanzen, Fernseher etc. einrichten. Wichtig ist dabei, dass man selbst den Raum nach den Erfordernissen der Untersuchung gestalten kann. Nehmen wir an, es soll beobachtet werden, wie Menschen fernsehen, ob sie dabei eine Programmzeitung nutzen und welchen Einfluss dies auf die Fernsehnutzung hat. Man könnte also ein Labor mit Fernseher, Sessel, Couchtisch und Fernsehzeitschrift einrichten. Mögliche Drittvariablen, die wirksam werden könnten, wenn man die Beobachtung bei den Personen zu Hause durchführt, können so ausgeschaltet werden. Dort gäbe es beispielsweise unterschiedliche Fernseher mit einer unterschiedlichen Senderplatzbelegung, ein Teilnehmer würde alleine wohnen, ein anderer in einer großen WG, wo laufend jemand das gemeinsame Wohnzimmer betritt usw.

An diesem Beispiel wird aber auch deutlich, was es bedeutet, wenn dem erfassten Verhalten ein Teil der Natürlichkeit verloren geht. Selbstverständlich kann der Beobachtete im Labor umschalten, in der Fernsehzeitschrift lesen oder eben den Fernseher ausschalten. Viel mehr Handlungsmöglichkeiten stehen ihm aber nicht zur Verfügung. Zu Hause könnte er aber auch den PC einschalten und nur noch nebenbei fernsehen. Er könnte telefonieren, sich etwas zu essen holen etc.

12.1.2.3 Beobachtung mit oder ohne Stimulus

Dieses Merkmal ist eng mit dem vorhergehenden verknüpft, wiederum aber nicht damit identisch. Besonders dann, wenn das interessierende Verhalten nur relativ selten auftritt und man einen sehr langen Zeitraum darauf warten müsste, stellt sich die Frage, ob man die Teilnehmer nicht zu dem Verhalten auffordern oder dieses zumindest provozieren sollte. In dem genannten Beispiel könnte man sie somit bitten, auch einmal in die Programmzeitschrift zu schauen oder diese zumindest prominent auf dem Couchtisch vor dem Fernsehsessel platzieren.

 
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