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12.1.3 Erhebungsverfahren

Die dritte Dimension, anhand derer sich Beobachtungen einteilen lassen, steht im Zusammenhang mit der Art und Weise der Protokollierung. Die beiden letzten Gesichtspunkte (unvermittelte vs. vermittelte und manuelle vs. automatisierte Beobachtung) sind dabei eher technische Aspekte. Für die Kommunikationswissenschaft relevante Verhaltensresultate lassen sich selten gut beobachten und vor allem selten eindeutig auf die zu untersuchende Handlung zurückführen.

12.1.3.1 Strukturierte versus unstrukturierte Protokollierung

Dieser Aspekt ist mit dem Standardisierungsgrad der Befragung vergleichbar. Dort reicht die Spanne von vollkommen standardisierten Interviews bis hin zu Leitfadeninterviews (vgl. Kap. 6.2). Ausschlaggebend für die Entscheidung über den Standardisierungsgrad ist dabei nicht zuletzt das Vorwissen über den Untersuchungsgegenstand. Dies trifft auch auf die Beobachtung zu. Unstrukturierte Beobachtungsprotokolle kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn der Untersuchungsgegenstand bislang wenig erforscht ist. In diesem Fall ist eine strukturierte Protokollierung wenig sinnvoll. Der Vorteil der offenen Erfassung liegt in der potenziell hohen Validität der so gewonnenen Daten. Die Beobachter protokollieren frei in ihren eigenen Worten. Allerdings müssen sie dafür gut geschult werden, damit sie das relevante Verhalten erkennen und aufzeichnen. Daneben müssen sie den Spagat zwischen Beobachten und Protokollieren beherrschen, da man eben nur entweder beobachten oder protokollieren kann. Soll die Protokollierung im Nachhinein aus dem Gedächtnis erfolgen, muss auch dies trainiert werden. Das so gewonnene Material muss später vom Forscher gesichtet und systematisiert werden, bevor mit der Ergebnisdarstellung und-interpretation begonnen werden kann.

Bei einer strukturierten Protokollierung ist ein Teil dieser Arbeit bereits im Vorfeld erfolgt. Diese kann nur zum Einsatz kommen, wenn ausreichendes Vorwissen über den Untersuchungsgegenstand vorhanden ist. Auf Basis solchen Vorwissens wird ein Beobachtungsschema erstellt, das detaillierte Instruktionen enthält, welches Verhalten wie zu protokollieren ist. Die Protokollierung erfolgt nicht in Worten, sondern mit Hilfe festgelegter Kategorien und deren Ausprägungen, die der unmittelbaren Klassifikation des zu beobachtenden Verhaltens dienen. Diese Kategorien sind Teil des bereits erwähnten Beobachtungsschemas, das mit dem Codebuch einer Inhaltsanalyse vergleichbar ist (vgl. Kap. 9.3). Bei strukturiertem Vorgehen müssen Beobachter meist „nur“ Ausprägungen für bestimmte Handlungen vergeben. Es ist daher wesentlich einfacher, gleichzeitig zu beobachten und zu protokollieren. Während sich somit die unstrukturierte Erfassung durch eine potenziell hohe Validität auszeichnet, ermöglicht die strukturierte Protokollierung eine hohe Reliabilität der Messung. Sie erfordert einen größeren Arbeitsaufwand vor Beginn der Feldphase, dafür spart man bei der Ergebnisauswertung an Zeit.

Natürlich ist auch die Kombination beider Varianten denkbar. Die Beobachter bekommen dabei einen strukturierten Beobachtungsbogen und einen Notizblock mit der Anweisung, hier zu vermerken, was ihnen im Zusammenhang mit der beobachteten Handlung noch aufgefallen ist. Diese, in vielen Fällen sicherlich wünschenswerte, Kombination erhöht allerdings wiederum den Aufwand.

 
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