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Experiment I: Grundlagen

13.1 Einordnung in die Forschungslogik

Die empirische Kommunikationsforschung untersucht Phänomene der sozialen Realität mit dem allgemeinen Ziel, diese Phänomene systematisch zu beschreiben und Erklärungen bzw. Prognosen daraus abzuleiten. Wissenschaft wie Alltagsverstand geben sich jedoch nie mit der Darstellung einer Tatsache, eines Zusammenhangs zufrieden, sondern wollen die Ursache wissen. Der Alltagsverstand, und das kann jeder schnell nachvollziehen, ist voll mit sogenannten Kovariationen, mit denen man sich das Leben offenbar leichter und besser erklären kann:

• „Weil ich frustriert bin, schaue ich mir eine Komödie an.“

• „Weil die Leute rauchen wie ein Schlot, kriegen sie Lungenkrebs.“

• „Weil sich Jugendliche Splatterfilme ansehen, sinkt ihre Hemmschwelle für Gewalttaten.“

Es ist keineswegs gesagt, dass diese Zusammenhänge falsch sein müssen. Bloß: Beweisen kann man es streng genommen nicht. Solche Einsichten dienen eher dazu, für das eigene Verhalten und das der anderen plausible Begründungen zu finden, die einem das Leben zumindest subjektiv erklären.

Wissenschaftliche Experimente sind Untersuchungsanordnungen, mit denen Kausalzusammenhänge überprüft werden.

Damit unterscheidet sich das Experiment grundsätzlich von den Methoden der empirischen Kommunikationsforschung, die bisher dargestellt wurden. Das wissenschaftliche Experiment ist keine Methode der Datenerhebung wie die Befragung oder die Inhaltsanalyse, sondern bezeichnet eine bestimmte Form der Untersuchungsanlage (vgl. auch Abb. 1.1 in Kap. 1). Im Rahmen einer experimentellen Untersuchungsanlage kann man Befragungen durchführen, Menschen beobachten oder Texte inhaltsanalytisch untersuchen. Im Unterschied zu nicht experimentellen Untersuchungsanlagen muss jedoch eine entscheidende Bedingung erfüllt sein, damit man Ursachenfür bestimmte Wirkungen tatsächlich nachweisen kann: Man braucht einen Vergleichspunkt, einen Maßstab, um zum Beispiel sagen zu können, dass das Aggressionspotential von Jugendlichen steigt, wenn sie Splatterfilme sehen. Man braucht also Jugendliche, die keine Splatterfilme sehen, um die Steigerung der Aggressivität wirklich auf die Filme zurückzuführen. Allgemein gesprochen:

Ein wissenschaftliches Experiment untersucht den Einfl einer unabhängigen Variablen (UV; Splatterfi auf zu messende abhängige Variablen (AV; Aggressivitätsniveau).

Um gemessene Veränderungen der abhängigen Variablen tatsächlich auf den Einfluss der unabhängigen Variablen (und nicht etwa anderer Einflussfaktoren) zurückzuführen, vergleicht man zwei Gruppen von Versuchspersonen miteinander:

Die Gruppe, die einen Stimulus (eine Ausprägung der unabhängigen Variablen) bekommt, nennt man Experimentalgruppe, diejenige, die den Stimulus nicht bekommt (die andere Ausprägung der UV) die Kontrollgruppe. Bis auf die Variation der UV müssen sich Kontrollund Experimentalgruppe in ihren sonstigen Merkmalen vollständig gleichen.

Experimente werden häufig in den Naturwissenschaften, aber auch in der Psychologie durchgeführt. Medizinische Versuche, die Wirkungen von Medikamenten testen, sind beispielsweise dadurch bekannt geworden, dass man den sogenannten PlaceboEffekt entdeckte[1]. In der Kommunikationswissenschaft wird diese Untersuchungsanlage z. B. bei der Werbewirkungs-, der Persuasionsoder der Gewaltforschung eingesetzt. Typische Fragestellungen sind zum Beispiel:

• Werden Tandem-Werbespots besser erinnert als Einzelspots?

• Führen glaubwürdigere Quellen zu einer häufigeren Meinungsänderung?

• Erhöht das Spielen von gewalthaltigen Computerspielen das Aggressionsniveau von Jugendlichen?

  • [1] Placebo-Effekt: Das subjektive Schmerzgefühl bei Patienten verringert sich nicht wegen einer Schmerzsubstanz, sondern aufgrund der Auskunft, dass sie eine Schmerzsubstanz bekommen hätten, während sie tatsächlich nur eine Zuckerpille erhielten
 
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