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14.5 Kontrolle der Versuchsleitereffekte

Versuchsleitereffekte sind nichts anderes als Konfundierungen: Das Verhalten des Versuchsleiters ist konfundiert mit der experimentellen Bedingung, weshalb die Ergebnisse nicht kausal interpretiert werden dürfen. Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, solche Effekte in den Griff zu bekommen.

14.5.1 Ausschalten bzw. Standardisierung der Versuchsleitereffekte

Das Ideal der Kontrolle von derlei Effekten ist natürlich die vollständige Ausschaltung, was allerdings nicht in jeder Anordnung möglich ist, denn nicht immer kommt man ohne einen Versuchsleiter aus. Will man Versuchsleitereffekte komplett vermeiden, müsste man die Person zum Beispiel durch eine schriftliche Instruktion ersetzen. Damit vermeidet man zwar nicht, dass sich die Versuchspersonen ihre Gedanken zur Anordnung machen, aber zumindest können sie sich nicht am Verhalten des Versuchsleiters orientieren. Auch beim Einsatz von Versuchsleitern kann man die Standardisierung der Situation verbessern, beispielsweise durch Vorlage einer schriftlichen oder aufgezeichneten Instruktion. Dadurch vermeidet man Effekte, die sich schon durch die Betonung und andere Merkmale der Sprache einschleichen könnten. Allerdings ist hier wiederum zu beachten, dass dies die Künstlichkeit der Situation erhöht. In den Fällen, in denen ein lebendiger Versuchsleiter anwesend sein muss, braucht es eine intensive Schulung dieser Personen, um ein halbwegs standardisiertes Verhalten zu erreichen. Sie müssen lernen, die Instruktion immer in derselben Stimmlage vorzulesen, müssen wissen, wie sie auf Nachfragen seitens der Versuchspersonen reagieren dürfen etc.

14.5.2 Ausschaltung von Erwartungseffekten

Um zu testen, ob tatsächlich eine Gleichhaltung der Erwartungen von Versuchsleitern (zum Beispiel durch entsprechende Schulung) gelungen ist, kann man sogenannte Erwartungskontrollgruppen einsetzen. Dieser Gruppe, der dritten neben der Experimentalund Kontrollgruppe, wird ebenso wie der Kontrollgruppe der experimentelle Stimulus nicht appliziert, die Erwartung des Versuchsleiters wird allerdings in der Weise manipuliert, dass er ein Ergebnis wie in der Experimentalgruppe zu erreichen glaubt. Findet man dann tatsächlich vergleichbare Ergebnisse in der Experimentalund der Erwartungskontrollgruppe, hatte die Erwartung des Versuchsleiters immer noch einen Einfluss auf das Messergebnis.

Sehr gebräuchlich, vor allem in medizinischen Tests, sind die sogenannten Doppelblindversuche, die die Placebo-Effekte bei der Gabe von Medikamenten kontrollieren bzw. aufdecken, um so die tatsächliche Wirksamkeit eines Medikaments aufgrund von dessen Inhaltsstoffen und nicht aufgrund von (sozialen) Rahmenbedingungen belegen. Der Placebo-Effekt ist ja bekannt: Der Arzt verabreicht Zuckerpillen, sagt seinem Patienten, dass es sich hier um ein neues Medikament handle, und prompt wirkt es auch. Die Gründe können vielfältig sein: Vielleicht sagt der Patient nur, dass es ihm besser geht, weil er seinem Arzt einen Gefallen tun will; vielleicht ist eine Spontanheilung eingetreten; vielleicht bewirkt alleine die Aufmerksamkeit des Arztes einen positiven Effekt beim Patienten.

Der erste Schritt zur Kontrolle dieses Placebo-Effektes ist also eine Täuschung der Versuchspersonen. Man sagt ihnen nicht, ob sie Zucker oder Medikament erhalten. Und trotzdem: Der Placebo-Effekt kann aber immer noch auftreten. Warum? Weil der Versuchsleiter eingeweiht ist. Offenbar verhält sich ein Arzt, der seinen Patienten ein Medikament verabreicht, unbewusst anders als wenn er ihnen Zucker verabreicht. Vielleicht fragt er in der Experimentalgruppe so lange nach, ob das Medikament auch wirklich geholfen hat, bis der Patient „Ja“ sagt. Vielleicht vermittelt er in der Kontrollgruppe unbewusst den Eindruck, dass die Pille gar nicht helfen kann. Deshalb laufen medizinische Experimente „doppelt blind“: Weder der Arzt noch der Patient wissen, was sie verabreichen bzw. schlucken. Der Arzt hat keine Chance, sich hypothesenkonform zu verhalten und der Patient kann nicht aufgrund des Verhaltens des Arztes erahnen, was er wirklich bekommen hat. Nur der Forscher im Hintergrund weiß, was Arzt A an diesem Tag Patient 1 für eine Substanz gibt. Damit wird ausgeschlossen, dass der Arzt sich hypothesenkonform verhalten kann, wie es der Versuchsleitereffekt voraussagt, und da alle Patienten etwas bekommen, wird der Placebo-Effekt ebenfalls ausgeschlossen. Nicht ausgeschlossen sind dadurch natürlich „Forschereffekte“, durch die der Forscher die Ärzte schon hypothesenkonform instruiert.

 
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