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15.3 Durchführung wissenschaftlicher Experimente

Nachdem in den letzten beiden Abschnitten ein erster Überblick zu den generellen Zielsetzungen wissenschaftlicher Experimente gegeben wurde sowie eine Einführung in das spezielle Vokabular und die vielfältigen Rahmenbedingungen dieses Verfahrens, kann mit diesem Rüstzeug ein prototypischer Ablauf durchgespielt werden. Dabei werden wir uns als Beispiel auf das Experiment zur Wirkung von gewalthaltigen Medieninhalten auf das Aggressionsniveau von Versuchspersonen beziehen.

Die Durchführung von Experimenten läuft im Prinzip nach dem bekannten Schema Entdeckungs-, Begründungsund Verwertungszusammenhang ab, wie es ausführlich im ersten Abschnitt dargestellt wurde:

• Formulierung einer zentralen Fragestellung

• Zerlegung in überprüfbare Hypothesen

• Hinzuziehung relevanter Theorien und Darstellung des Forschungsstandes

• Definitionen und Operationalisierung

• Entwicklung des methodischen Instrumentariums sowie der Vorgehensweise

• Stichprobe/Auswahlverfahren

• Feldbzw. Laboruntersuchung/Datenerhebung

• Datenanalyse, Ergebnisdarstellung

• Interpretation und Forschungsbericht

So weit ganz grob das allgemeine Vorgehen. Experimentelle Anordnungen unterscheiden sich von nicht-experimentellen Vorgehensweisen insbesondere in der Untersuchungsplanung und in der Durchführung.

15.3.1 Operationalisierung der Hypothesen

Wie im Kap. 1.9 geschildert, beschäftigt sich die Kommunikationsforschung in der Regel mit deskriptiven Begriffen, die einen indirekten empirischen Bezug haben. Es handelt sich um theoretische Konstrukte, die mittels Indikatoren messbar gemacht werden müssen. Politische Partizipation, Gewaltbereitschaft oder Werbewirkung sind nur einige Beispiele, die hier schon öfter herangezogen wurden. Bei der Messung eines theoretischen Konstrukts mittels verschiedener Indikatoren muss beachtet werden, dass die Indikatoren das theoretische Konstrukt vollständig, exklusiv und angemessen abbilden. Die Besonderheit des Experiments liegt nun in der allgemeinen Zielsetzung, Veränderungen der abhängigen Variablen, zumeist Merkmale von Versuchspersonen, zu erfassen und nicht das Konstrukt in seiner ganzen Vielfalt abbilden zu wollen. In unserem Gewalt-Experiment wird die Aggression der Versuchspersonen durch die Stärke der Stromstöße operationalisiert, die sie an der Aggressionsmaschine austeilen. Die allgemeine Fragestellung in unserem Beispiel lautete ja, ob gewalthaltige Medieninhalte aggressiv machen. Eine Arbeitshypothese war, dass nur unter bestimmten Umständen ein Effekt zu beobachten sei. Demnach sind in diesem Fall zwei unabhängige Variablen und eine abhängige Variable zu operationalisieren:

UV 1 Frustrierung der Versuchsperson

UV 2 Medieninhalt

AV Aggressionsniveau

Bekanntermaßen wurden UV 1 und UV 2 mit jeweils zwei Ausprägungen operationalisiert, also auf zwei Stufen variiert. Entweder wurde die Versuchsperson durch ein falsches Verhalten der zweiten Person frustriert oder nicht; entweder bekam die Versuchsperson einen Gewaltfilm zu sehen oder einen Naturfilm. Die Gewaltbereitschaft wurde mit dem Indikator „Verteilen von Stromschlägen“ intervallskaliert erhoben.

Üblicherweise handelt es sich bei den unabhängigen Variablen um nominalskalierte, bei den abhängigen Merkmalen um intervallskalierte Variablen. Auf wie vielen Stufen die experimentellen Stimuli variiert werden, hängt natürlich vom Erkenntnisinteresse und der Komplexität des zu untersuchenden Konstrukts ab. Darüber hinaus bemisst sich die Aufteilung der unabhängigen Variablen auch an den zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten. Denn je mehr Stufen man einführt, desto mehr Versuchspersonen werden benötigt.

 
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