Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Medien und Kommunikationswissenschaft arrow Methoden der empirischen kommunikationsforschung
< Zurück   INHALT   Weiter >

15.3.2 Entwicklung des Untersuchungsdesigns

Hand in Hand mit der Operationalisierung der zentralen Begriffe geht die Entwicklung des Versuchsplans, auch experimentelles Design genannt. Hier wird genau fest-

Abb. 15.5 Versuchsplan Gewaltbereitschaft und Medieninhalte

gelegt, welche abhängigen Variablen zur Prüfung der Arbeitshypothesen gemessen werden müssen und wie die zu untersuchenden Gruppen genau aussehen (Abb. 15.5). Zwei unabhängige Variablen (Frustration, Art des Films) werden auf je zwei Stufen (Frust ja/nein und Film Gewalt/Natur) variiert. Man spricht in diesem Fall von einem 2×2-Design. Die zusätzliche Besonderheit an diesem Versuchsaufbau ist, dass die abhängige Variable zu zwei verschiedenen Zeitpunkten gemessen wird, nämlich während der Frustrierung/Nichtfrustrierung und nach der Vorführung des Films. Man hat es hier mit einer Vorher-Nachher-Messung zu tun, die notwendig wird, um die Hypothese zu operationalisieren und zu überprüfen. Die erste Messung kann man als Nullmessung auffassen, mit der das Aggressionsniveau geeicht wird. Die zweite Messung zeigt dann mögliche Veränderungen der abhängigen Variablen Gewaltbereitschaft. Dabei wird geprüft, ob sich die Versuchspersonen, die einem Gewaltfilm ausgesetzt waren, aggressiver als vorher verhalten, während dies in den anderen Gruppen nicht der Fall ist. Streng genommen haben wir also ein dreifaktorielles Experiment, wobei der Messzeitpunkt als dritte experimentelle Variable als Messwie-

derholungsfaktor konstruiert ist.

15.3.3 Kontrolle der Störvariablen von Versuchspersonen

15.3.3.1 Randomisieren

Beim Randomisieren werden nach dem Prinzip der Zufallsauswahl, wie man sie bei den Stichprobenziehungen von Befragungen kennt, die Versuchspersonen auf die verschiedenen experimentellen Bedingungen (Kontrollgruppe, Experimentalgruppe) verteilt.

Mit dem Randomisieren erreicht man, dass potenzielle in den Versuchspersonen begründete Störvariablen sich in gleicher Weise auf die verschiedenen Versuchsgruppen verteilen, so dass die Gruppen sich nur in Bezug auf die unabhängigen Variablen unterscheiden.

Bei der Randomisierung ist es wichtig, ein Zufallskriterium zu wählen, das mit Sicherheit nicht in Verbindung mit dem experimentellen Stimulus steht. Will man etwa ein Seminar in zwei Gruppen teilen, wird man als Trennkriterium nicht die Sitzordnung wählen. Vielleicht sitzen die Aufmerksamen vorne, die Schläfrigen weiter hinten, und man kann nicht ausschließen, ob nicht das Merkmal „Wachheit“ mit den beiden unabhängigen Variablen Frust und Film konfundiert sein könnte. Also wird man vielleicht das Geburtsdatum wählen: Alle, die an einem geraden Tag geboren wurden, bilden die Experimentalgruppe, die mit ungeraden Tagen die Kontrollgruppe. Man darf annehmen, dass gerade und ungerade Geburtsdaten etwa gleich häufig vorkommen, also die Gruppenstärke in etwa gleich groß sein wird. Man darf weiterhin annehmen, dass diese Zahl keine Beziehung mit den unabhängigen Variablen hat. Andere gängige Verfahren sind Loseziehen oder Würfeln. In jedem Fall wird der Zufall dafür sorgen, dass alle weiteren Merkmale der Versuchspersonen in den beiden Gruppen gleich verteilt sind. Der Nachteil des Verfahrens liegt darin, dass die Randomisierung nur bei größeren Gruppen gut funktioniert, d. h. alle Merkmale von Versuchspersonen mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Gruppen gleich verteilt sind, so dass keine potenziellen Störvariablen auftreten. Praktisch heißt das, dass die Gruppenstärke in jeder experimentellen Bedingung mindestens 30 Versuchspersonen bei einfaktoriellen und 20 Personen bei mehrfaktoriellen Designs umfassen sollte. Wenn man randomisiert, ist es auf jeden Fall angebracht, eine Überprüfung hinsichtlich der Gleichverteilung der zentralen Merkmale vorzunehmen. Man würde also nach dem Experiment den Versuchspersonen einen Fragebogen vorlegen und ihnen Fragen zu den Variablen stellen, deren Gleichverteilung für die Interpretation der Ergebnisse wichtig wäre. Somit kann man sich bis zu einem gewissen Grad rückversichern, dass das Randomisieren auch tatsächlich den gewünschten Effekt, nämlich das Merkmal in beiden Gruppen gleich stark zu streuen, erreicht hat.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften