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Jugend und Politik

Eine kritische Betrachtung empirischer Befunde der Jugendforschung

Marc Bienefeld und Oliver Böhm-Kasper[1]

Die Jugendforschung untersucht bereits seit einigen Dekaden systematisch die politische Sozialisation der heranwachsenden Generation . Obwohl die Teilhabe Jugendlicher am politischen Leben einer Gesellschaft nicht unbedingt zu den zentralen Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz gehört, werden in den einschlägigen repräsentativen Surveys der Jugendforschung kontinuierlich Fragen zum politischen Interesse und der politischen Partizipation von Jugendlichen aufgenommen . Im Beitrag wird zunächst der Wissensstand über das politische Interesse und die politische Partizipation Jugendlicher anhand der Befunde surveybasierter Forschung nachgezeichnet . Gleichzeitig werden die Grenzen und Herausforderungen einer standardisierten Erfassung politischer Teilhabe – vor allem auch vor dem Hintergrund einer sich ständig weiter entwickelnden Medienwelt – diskutiert .

1 Einleitung

Die politische Sozialisation Jugendlicher ist ein in der Öffentlichkeit und Wissenschaft prominent diskutiertes Thema . Auch wenn die Teilhabe von Jugendlichen am politischen Leben nicht zu den zentralen Entwicklungsaufgaben in dieser Lebensphase zuzurechnen ist, so darf es ein demokratisches politisches System nicht dem Zufall überlassen, „[ . . .] was die jeweils in die politische Ordnung hineinwachsende junge Generation über die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen lernt: ob sie weiß, wie sie funktioniert, ob sie demokratischen Verfahrensformen zustimmt oder sie ablehnt . Der mündige Bürger ist kein ‚Naturprodukt' . Er entsteht über lange Lernprozesse und aufgrund langjähriger Erfahrungen“ (Fend 2003, S . 387f .) . Vor diesem Hintergrund erscheinen die wissenschaftliche Analyse der politischen Sozialisation sowie der Einbezug der politischen Bildung in das Curriculum der allgemeinbildenden Schulen nur allzu konsequent (ebd .) . Die „Politisierung des Menschen“ (Claußen und Geißler 1996) vollzieht sich jedoch nicht nur im Schulsystem, sondern auch in weiteren Sozialisationsinstanzen, wobei für adoleszente Jugendliche vor allem das Elternhaus, die Massenmedien und die Gleichaltrigengruppe relevant sein dürften (Oesterreich 2002, S . 84f .) .

In der Jugendforschung werden vor allem zwei Merkmale der politischen Sozialisation Jugendlicher in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Analyse gerückt: Dies ist zum einen das Interesse, das Jugendliche gegenüber der Sphäre des Politischen entwickeln und zum anderen die tatsächliche Partizipation von Jugendlichen in als politisch zu kennzeichnenden Handlungszusammenhängen . Beide Merkmale sollen im folgenden Beitrag näher betrachtet und in ihren Ausprägungen anhand von aktuellen Befunden entsprechender surveybasierter Forschung vorgestellt und diskutiert werden . In einem zweiten Schritt werden die relevanten Sozialisationsinstanzen Elternhaus, Schule, Gleichaltrigengruppe sowie Massenmedien in ihrem Einfluss auf die Herausbildung politischer Einstellungen und Verhaltensweisen von Jugendlichen betrachtet . Auch hier soll die Darstellung und Diskussion aktueller Befunde der Jugendforschung ein Bild des derzeitigen Kenntnisstandes und die Offenlegung bestehender Desiderata ermöglichen .

  • [1] Wir danken Frau Pia Gausling für die engagierte Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrages .
 
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