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5 Resümee

Die Orientierungs- und Argumentationsmuster der jungen Muslime zum Thema Homosexualität dokumentieren einen deutlich erkennbaren Trend zur Liberalisierung sexualmoralischer Überzeugungen . Insbesondere bei den säkularen Muslimen sowie bei den jungen muslimischen Frauen findet sich eine weitgehende Akzeptanz homosexueller Lebensführung bei Anderen . Bemerkenswert ist hier insbesondere die grundlegende Toleranz auch bei jungen Frauen mit explizit islamisch religiöser Lebensführung, selbst wenn sie Kopftuchträgerinnen sind . Dabei bleiben zwar manchmal die moralischen Werturteile des eigenen islamischen Glaubens erkennbar, allerdings werden diese nicht als verbindliche normative Konzepte der Lebensführung auch aller anderen Menschen geltend gemacht . Die jungen Muslimas zeigen sich offen für die Akzeptanz einer grundsätzlichen Pluralisierung der Lebensstile in der westlichen Gesellschaft .

Bei den jungen religiösen Männern zeigen sich demgegenüber deutlich rigidere und apologetische Tendenzen . Homosexualität als legitimer Lebensentwurf wird durchgehend strikt abgelehnt und diskreditiert . Differenzierungstendenzen im islamischen Blick auf eine gleichgeschlechtliche Lebensführung zeigen sich auf einer anderen Ebene . Auch wenn Homosexualität nach wie vor als sündhaft und unislamisch abgelehnt wird, plädieren einige der jungen Männer bei diesem Thema dennoch für eine Enttabuisierung des islamischen Diskurses, wie auch der muslimischen Lebenswelten in den islamischen Gemeinden . Sie sollten sich der Homosexualität als sozialer Realität stellen und Homosexuelle nicht länger ausgrenzen . Nimmt man die Orientierungsmuster der religiösen Muslime zusammen, dann zeigen sich deutliche Hinweise auf einen möglichen Wandel der rigorosen homophoben Haltung in den islamischen Gemeinden, der sich hier vielleicht als Generationenprojekt andeutet . Es sind die in Deutschland aufgewachsenen Muslime, bei denen sich Ansätze für eine sukzessive Liberalisierung der Sexualmoral zeigen: vor allem bei den tendenziell säkularen Muslimen und bei den Frauen finden sich eine wachsende Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben. Die religiösen Männer bilden hier das Schlusslicht eines kulturellen Wandels, dennoch sind die Indikatoren für eine Veränderung der sexualmoralischen Orientierungsmuster auch bei ihnen erkennbar: insbesondere in der Bereitschaft zur Enttabuisierung und zu einem offeneren Diskurs auch mit homosexuellen Muslimen .

 
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