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3 Fazit

Mediensozialisation oder Mediatisierung des Alltags – beide Konzepte verdeutlichen die Verschmelzung von allgemeinen Sozialisationsprozessen mit Medienpraktiken und daraus resultierenden Wandlungsprozessen innerhalb der Alltagskulturen . Eine getrennte Betrachtung von Medienpraktiken und sozialen Lebenslagen ist nicht möglich . Auf theoretischer Ebene wird mit Hilfe des cultural studies approach sichtbar, welche Relevanz gesellschaftliche Machtstrukturen besitzen, die nicht nur Einfluss auf den Aneignungsprozess haben, sondern auch kollektive Bewertungsmuster von Medienhandeln hervorbringen . Soziale Ungleichheiten und daraus resultierende Benachteiligungen im Jugendalter können durch Medienhandeln manifestiert und verstärkt werden . Wird als Differenzlinie die Teilhabe an formaler Bildung angelegt, so lässt sich Mediennutzung und Medienaneignung als ein scheinbar bedeutungsvolles Unterscheidungsmerkmal herausarbeiten . Festzuhalten bleibt: mit der Fokussierung einer Differenzlinie entstehen Risiken, da alleine eine sozialkonstruierte Unterscheidung keine Erklärungsmuster für Differenzen in anderen Lebensbereichen liefert . Denn das Medienhandeln ist nicht auf die Kategorie(n) als solche (Hauptschüler_in versus Gymnasiast_in) zurückzuführen, sondern mit den Sozialisationsgefügen und habituellen Praktiken der dahinterliegenden Lebenslagen verbunden (Paus-Hasebrink 2007, S . 1f .) . An ein solches Verständnis anknüpfend, können explorative, hermeneutische und ethnographische Studien ein wissenschaftliches Verstehen von jugendlichem Medienhandeln und seiner subjektiven Bedeutung ermöglichen .

Eine Anerkennung von Heterogenität sollte nicht die Duldung von Benachteiligung aufgrund heterogener Lebenslagen transportieren, sondern stattdessen die Fluidizität im Sinne der Definition von Prengel betonen. Die Bestandsaufnahmen medienpädagogischer Modelle und Konzepte sowie deren Diskussion vor dem Hintergrund erziehungswissenschaftlicher Positionierungen zu Differenz und Heterogenität verdeutlichen, dass der dargestellte Problemaufriss sich in allen pädagogischen Handlungsfeldern finden lässt. Eine kritische Auseinandersetzung mit hegemonialen Strukturen und deren Bedeutung für die Lebenswelten der Heranwachsenden kann im Kontext einer Medienproduktion niederschwellig angestoßen werden . Dabei müssen Selbstermächtigungsprozesse der Beteiligten nicht in politischem Engagement münden und sind ggf . mit den Augen der anderen, insbesondere der Medienpädagog_innen, nicht leicht erkennbar . Medienpädagogik hat im Sinne einer Anerkennung heterogener Lebenslagen sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Bereich durchaus Konzepte entwickelt, um allen Jugendlichen ein vielfältiges Spektrum medialer Erfahrungen und darauf aufbauend Bildungsprozesse zu ermöglichen und somit Chancen zur gesellschaftlichen Teilhabe zu stärken und Exklusionsprozesse abzufedern (Holzwarth 2011; Hedrich und Lampert 2011; Ketter 2011; Tillmann und Schmidt 2009) . Dennoch: das aufgerissene Spannungsfeld zwischen sozialer Ungleichheit, Medienhandeln und Medienkompetenz kann nicht mit kompensatorischen, medienpädagogischen Projekten ausgehebelt werden . Die Ursachen von sozialen Ungleichheiten im Sinne von Benachteiligungen liegen immer noch in stabilen, hegemonialen Gesellschaftsstrukturen, auch wenn sich diese in der Postmoderne in entsprechend ausdifferenzierten Lebensstile möglicherwiese in verdeckter Form gestalten .

 
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