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5 Verschmelzung medialer und non-medialer Welten: Konsequenzen für die pädagogische Praxis

Anhand der Praxisübertragungen in künstlerisch-musikalischen Bereichen bei den befragten Rezipient_innen (Musical-Kurse, Singen, Tanzen) lassen sich Synthesen zwischen fiktionalen und non-fiktionalen Realitäten ausmachen, auch wenn die sechs Befragten aus Deutschland und den USA nur einen kleinen Rezeptionsausschnitt zeigen. Identifikationen mit den Medienfiguren in High School Musical und die Übernahme von Einstellungen, Verhaltensweisen, Handlungen und Motivationen machen Übertragungen der medialen Welt auf das eigene, non-mediale Leben sichtbar. Klare Abgrenzungen finden zwischen diesen nicht statt. Die nachhaltige Begeisterung für das Film-Musical, der Entwicklungsverlauf mit seinen Fortsetzungsproduktionen und die mehr als 10 .000 Theateraufführungen verdeutlichen, dass High School Musical einen besonderen Stellenwert bei den Rezipient_innen einnimmt . Durch die Entwicklungen der Walt Disney Company im 21 . Jahrhundert erlangt das Genre „Film-Musical“ eine neue, zuvor jahrzehntelang stagnierte Popularität . Für die pädagogische Praxis in institutionellen und außerinstitutionellen Kontexten bedeuten diese Entwicklungen, sich mit den Sehgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen intensiv auseinanderzusetzen, diese zu kennen und einzuordnen . Sich Wissen um das Potential der Verschmelzung medialer und nonmedialer im Sinne von Identifikationen und Anknüpfungspunkten anzueignen und Angebote für Praxisübertragungen zu bieten, lassen sich als Quintessenz ableiten . Konkret für High School Musical zeigen die Interviews, dass der Wunsch nach musikalisch-künstlerischem Ausprobieren besteht . Die Figuren, die aktuellen, alltagsnahen und jugendrelevanten Themen und Konflikte (Gruppendruck, Hobbies, die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität, Freundschaft und Liebe) sowie die modernen Tänze und Liederkönnen für Jugendliche vielfältige Anregungen bieten. Die kritische und reflexive Auseinandersetzung mit ihnen könnte beispielsweise auch im Unterricht oder in Nachmittagsangeboten an der Schule eingebettet werden . So bieten Film-Musicals

"einen Beitrag zur Identitätsarbeit (…) . Sie stellen vielfältiges Material bereit, mit denen (sic!) Heranwachsende die eigene Identität im Rahmen gesellschaftlicher Beziehungen verorten können . Das Material scheint dabei gleichsam gemeinsame Erfahrungen von Individuen zu ermöglichen, die wesentlich für die Konstitution der Identität sind" (Hohmann 2002, S . 19) .

Darüber hinaus können durch Theaterinszenierungen Kompetenzen wie Sprachentwicklung, Körpergefühl und Selbstbewusstsein entwickelt und weiterausgebaut werden . Musik bietet jungen Menschen eine physisch-erfahrbare Plattform, deren positive Effekte sich auch auf das Zwischenmenschliche Miteinander sowie auf Leistungen im schulischen und außerschulischen Bereich auswirken (von Schoenebeck 2006, S . 5) .

 
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