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3 Resümee: Eine ambivalente Beziehung

„Ob ich das tatsächlich alles brauche und immer zu jeder Zeit jede Information abrufbar haben muss ist fraglich, aber ich kann es also tu ich es .“ (2013/14_11: 131-133)

Mit dem Smartphone hat ein Medium in den Alltag Einzug gehalten, das sich radikal von allem unterscheidet, was die Medienwelten zum Ende des 20 .Jahrhunderts charakterisiert hat . Es ist ein Metamedium, das in sich unterschiedliche klassische Medien vereinigt, wie das Buch oder anderer Printmedien, das Fernsehen und andere Formen bewegter Bilder, den Fotoapparat und das Navigationsgerät und nicht zu vergessen das Telefon . Im Smartphone lösen sich die Gerätegrenzen auf und durch die Vielfalt seiner Funktionen verwischt die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit genauso wie sich auch die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum auflösen. Das Smartphone ist für viele Lebensbereiche der perfekte Begleiter, es stellt die notwendigen Informationen und Daten zur Verfügung, bietet personalisierte Werkzeuge zu ihrer Bearbeitung und hält den kommunikativen Kontakt zur Außenwelt aufrecht . Dabei entfaltet der Sog des Monitors seine „aggressive“ (Manovich 2001) Wirkung, der sich die jungen Menschen auch dann nicht entziehen können, wenn sie erkannt haben, dass der permanente Anschluss an den Kommunikationsstrom – der Ausstieg aus der realen Realität in die virtuelle Realität des Screens – auf Kommunikationen im realen Leben Auswirkungen hat, die nicht nur positiv bewertet werden . Dass mehrere junge Menschen hier von Traurigkeit sprechen, von einer traurigen Entwicklung, steht in hartem Kontrast zu den begeisterten Schilderungen der Möglichkeiten, die ihnen das Smartphone bietet und verweist noch einmal auf die ambivalente Beziehung der jungen Menschen zu ihrem aktuellen Leitmedium .

Wie bereits von Manovich vorausgedacht, zeigt auch der Bildschirm des Smartphones das Potential eines jeden Bildschirms, den realen Raum, zu dominieren . Der Screen lässt den realen Raum irrelevant erscheinen gegenüber dem, was das nächste Bild, die nächste mail oder der nächste Tweet zu bieten haben . Der Screen garantiert, dass es immer wieder ein Nächstes gibt, eine nächste Information, die auf keinen Fall verpasst werden darf . So scheint die technisch simulierte Unmittelbarkeit attraktiver zu sein, als das unmittelbare Dabeisein in dem Raum oder in der Situation in der man sich im ‚real life' befindet.

Literatur

Baacke, D ., Sander, U . & Vollbrecht, R . (1990) . Lebenswelten sind Medienwelten. Opladen: Leske + Budrich .

Barthes, R . (1973) . Diderot, Brecht, Einstein . In: Image/ Music/ Text .( S . 69-78) . New York: Farrar, Strauss, and Giroux .

Culkin, J . M . (1967) . A Schoolsman's Guide to Marshall McLuhan . The Saturday Review.

March 18, 51-53 und 70-72 .

Kerckhove, D . de (2005): The Biases of Electricity . In: Inaugural Lecture of the UOC 2005-2006 Academic Year . (2005: Barcelona) [online article] . UOC . [Date of citation: 26/01/15] . www .uoc .edu/inaugural05/eng/kerckhove .pdf . Zugegriffen: 10 . März 2015 .

Manovich, L . (2001) . The Language of New Media . Cambridge/MA: MIT Press . Mayring, P . (2002): Qualitative Sozialforschung . Weinheim/ Basel: Beltz .

Mcluhan, H . M . (1964) . Understanding Media:The Extensons of Man. New York: McGrawHill .

Merrin, W . (2014) . Mediastudies 2.0. London/ New York: Routledge .

 
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