Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Pädagogik arrow Ent-Grenztes Heranwachsen
< Zurück   INHALT   Weiter >

5 Ausblick und Fazit

Blickt man auf die über zwanzigjährige medienpädagogische Forschungserfahrung mit dem Thema Kinder und Werbung zurück, werden eine Vielzahl von pädagogischen Aktivitäten in der Praxis umgesetzt, die einen hohen Stellenwert im Rahmen der Werbekompetenzförderung von Heranwachsenden einnehmen . Die Arbeiten von Uwe Sander in diesem Forschungsbereich legen wichtige Grundsteine der Thematik . Allerdings ist das Thema keineswegs abgeschlossen und gerade die neuesten Online-Werbeformen verleihen dem Thema eine enorme Aktualität und Brisanz . Angesichts der überwältigenden Präsenz und zunehmend individualisierten Werbemechanismen erscheint es aus medienpädagogischer Sicht wichtiger denn je, die Werbekompetenz von Heranwachsenden zu stärken . Folgende drei Herausforderungen erscheinen uns hinsichtlich ihres Handlungsbedarfs besonders dringlich .

1. Werbekompetenzen von Heranwachsenden stärken

Aus kompetenzorientierter Perspektive ist vor allem bedeutsam, dass Kinder in der Lage sind, die Hintergründe und Absichten von Werbung zu verstehen und sich mit der Zeit eine eigene Wertehaltung in der Konsumgesellschaft anzueignen . Dabei brauchen sie weniger Lenkung, als vielmehr Unterstützung, um die eigene Urteilsfähigkeit entwickeln zu können . Eine strikte Ablehnung von Werbung sowie elterliche Vermeidungsstrategien erscheinen daher wenig hilfreich . Zur Stärkung der Handlungsautonomie von Kindern bedarf es vielmehr der Respektierung kindlicher Lebens- und Medienwelten, zu denen eben auch werbliche Inhalte zählen . Gleichzeitig erscheint es wichtig, Gelegenheiten zu schaffen, in denen Kinder ihre Kritikfähigkeiten und ihre Urteilskraft einüben und eigene Gestaltungsfähigkeiten im Hinblick auf Werbung entwickeln können . Die Studie von Kröger verdeutlicht, dass es hinsichtlich neuer Werbeformen wie Onlinewerbung essentiell ist, dass Kinder die Strukturen des Internets und den Aufbau von Internetseiten frühzeitig erlernen . Gezielte pädagogisch-begleitete Internetsessions können Heranwachsende dabei unterstützen, werbliche und redaktionelle Inhalte voneinander zu unterscheiden und einen kompetenten Umgang mit Onlineinhalten zu entwickeln .

2. Eltern und pädagogische Fachkräfte sensibilisieren

Den Erziehungspersonen wie Eltern, Erziehern/Erzieherinnen und Lehrpersonen kommt in diesem Prozess eine zentrale Rolle zu, denn diese direkten Bezugspersonen sind nicht nur Vorbilder, sondern bieten etwa über Diskussionen zu problematischen Produkten die zentralen Ankerreize zur Entwicklung von Werbekompetenz . Insofern ist es kompetenztheoretisch bedeutsam, gerade die Erziehungspersonen für diese Thematik zu sensibilisieren, damit diese in der Lage sind, die Unterscheidungsfähigkeiten von Heranwachsenden bezüglich Werbung und redaktionelle Inhalte zu fördern. Ebenso gilt es für Eltern und pädagogische Fachkräfte zu reflektieren und zu erkennen, wie stark Geschlechtsstereotypen (siehe z . B . Baacke et al . 1999; Charlton et al . 1995a; Kolbe und Muehling 1995; Paduschek 1995) oder viele Eltern-Kind-Konflikte (Buijzen und Valkenburg 2005; Nicholls und Cullen 2004) durch Werbung forciert werden . Im Hinblick auf Onlinewerbung gilt es zudem zu hinterfragen, welchen Medienumgang Eltern ihren Kindern vermitteln . Denn die Studie von Kröger (2015) weist darauf hin, dass die Onlineinhalte, die sich Eltern anschauen, auch Einfluss darauf nehmen welche Werbeanzeigen Kinder im Internet präsentiert bekommen . Elternarbeit und Familienbildung stellt einen Ansatzpunkt dar diese Sensibilisierung zu fördern und zu unterstützen .

3. Thema „Werbung“ in die Curricula integrieren

Eine weiterer Ansatzpunkt besteht darin, das Thema Werbung in die Bildungspläne der Bundesländer und damit in die Inhalte in Kindergarten und Schule fest zu verankern, damit Konsum, Markt und Werbung zu einem analytischen und reflektierten Gegenstand des Alltags werden, wodurch die gesellschaftliche Orientierung von jedem Einzelnen in diesen Bereichen erleichtert würde (Friedrichs und Meister 2015, S . 290 ff .) . Die Materialien zur Werbekompetenz sollten dabei immer die neuesten Werbeformen und -trends berücksichtigen wie aktuell die Werbung auf mobilen Endgeräten oder In-Game-Werbung . Hier gilt es, das Aufklärungsmaterial zur Vermittlung von Werbekompetenz nachzubessern .

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften