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2 Rückblick

Das reich dekorierte Grab, das im Jahr 2014 in Amphipolis frei gelegt wird, stammt laut Aussagen der Archäologen in verschiedenen Medien aus dem 4 . Jahrhundert vor Christus . Demnach ist es makedonischer Herkunft und der Inhaber des Grabes war nicht nur ein Zeitgenosse von Alexander dem Großen, sondern zugleich auch Zeitgenosse des Philosophen Aristoteles (384 – 322 v . Chr .) Aristoteles wiederum war Schüler von Platon (428 – 347 v . Chr .), der in seinem Dialog Phaidros eines der frühesten Zeugnisse abendländischer Medienanalyse bietet . Sokrates diskutiert mit Phaidros über eine Schrift des Rhetorikers Lysias . Im Verlauf des Dialogs gelangt Sokrates an den Punkt, an dem er die schriftliche Fixierung von Wissen kritisiert: „[…] diese Erfindung wird den Seelen der Lernenden vielmehr Vergessenheit einflößen aus Vernachlässigung der Erinnerung, weil sie im Vertrauen auf die Schrift sich nur von außen vermittels fremder Zeichen, nicht aber innerlich sich selbst und unmittelbar erinnern werden“ (Platon 1994, S . 603, 275a) . Platons kritische Haltung gegenüber Medien zieht sich wie ein roter Faden durch die abendländische Geschichte bis ins 20 . Jahrhundert hinein . Zentrales Anliegen dieser Haltung ist es, die Jugend vor den Gefahren der Medien zu bewahren, indem Medien abgewertet und außerhalb der Reichweite der Subjekte gehalten werden (Vollbrecht 2001, S . 14ff .) . Erst im letzten Drittel des 20 . Jahrhunderts hält, unter dem Stichwort handlungsorientierte Medienpädagogik, ein anderer Zugang zu Medien Einzug in diesen Diskurs . Ursache dieser neuen pädagogischen Herangehensweise an Medien findet sich in dem Umstand, dass das mediale Angebot im 20. Jahrhundert rasant wächst und Zugänge zu Medien allerorten zu finden sind. Dadurch ist „[…] eine ständige Kontrolle im Sinne der Behütung nicht [länger] realisierbar“ (Hoffmann 2008, S . 48) und sie ist auch nicht wünschbar, da das Bewahren Jugendlicher vor den Medien sie zugleich zunehmend daran hindert, an gesellschaftlichen Prozessen zu partizipieren . Handlungsorientierte Medienpädagogik will diesen Herausforderungen begegnen . Grundannahme handlungsorientierter Medienpädagogik ist, „[…] dass Medien den Subjekten nicht nur zur Rezeption gegenüberstehen, sondern von diesen selbst im gesellschaftlichen Kontext zur Artikulation genutzt werden, dass also Rezipienten zu Produzenten werden […]“ (Schorb 2008, S. 77). Handlungsorientierte Medienpädagogik will in flexiblen, postindustriellen aber auch demokratischen Gesellschaften einen adäquaten Umgang mit Medien ermöglichen, der Medien nicht vornehmlich diskreditiert, sondern der Zugänge zu den Medien durch einen aktiven und reflektierten Umgang mit ihnen, eben in handelnder Weise, ermöglicht .

 
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