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Grenzenlose Mediennutzung?

Jugendmedienschutz und Medienerziehung im digitalen Zeitalter

Thorsten Junge

Kindern und Jugendlichen bieten sich im digitalen Zeitalter vielfältige Möglichkeiten, um die unterschiedlichen Maßnahmen des institutionellen Jugendmedienschutzes zu umgehen . Medieninhalte, die als entwicklungsbeeinträchtigend oder jugendgefährdend eingestuft werden können, sind online (mehr oder weniger leicht) auch für jüngere Altersgruppen verfügbar . Ob vor diesem Hintergrund von einer grenzenlosen Mediennutzung gesprochen werden kann und welche Rolle der Jugendmedienschutz und medienerzieherische Maßnahmen spielen, wird in diesem Beitrag näher betrachtet .

1 Einleitung

Grenzen gehören zu den wesentlichen Merkmalen der Kindheit und Jugend . Verschiedene Rechte und Pflichten sind mit dem Erreichen eines bestimmten Alters verknüpft, bspw . die Ausübung des Wahlrechts oder die vollständige Strafmündigkeit . Kindheit und Jugend sind als Schon- und Erprobungsräume zu verstehen und es besteht ein weitgehender kulturell bedingter gesellschaftlicher Konsens darüber, vor welchen Einflüssen Kinder und Jugendliche in dieser Lebensphase zu schützen sind . Dieser Konsens spiegelt sich wider u . a . in den unterschiedlichen Regelungen des gesetzlichen Kinder- und Jugendschutzes (z . B . bzgl . des Konsums von Alkohol und Tabak) .

Medien übernehmen einerseits bei der Markierung von Grenzen eine wichtige Rolle und bieten andererseits auch Möglichkeiten zur Überwindung oder Erweiterung der bestehenden Grenzen . Sie begleiten Kinder beim Prozess des Heranwachsens . So ist die frühkindliche Mediennutzung davon geprägt, dass Kleinkindern Medien bereitgestellt werden, die als kindertauglich erachtet werden . Gleichsam sind auch die ‚kindgerechten' Geschichten schon dazu geeignet, Grenzen zu sprengen . Entführen doch Märchen und Geschichten, egal in welcher Form sie dargeboten werden, die Kinder in ferne Länder, ja ferne Planeten, ferne Zeiten und lassen sie unzählige Abenteuer erleben, die weit über die tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten ihrer Lebenswelt hinausreichen . In Computerspielen können sie glorreiche Taten vollbringen, indem sie bspw . sportliche Wettkämpfe erfolgreich bestreiten, Welten erbauen bzw . vernichten oder Prinzessinnen und Prinzen retten . Bei den meisten Heranwachsenden verändern sich mit zunehmendem Alter nicht nur der Zugang zu Medien und die Ausstattung mit Mediengeräten . Darüber hinaus wandeln sich auch die Interessen und nähern sich immer mehr der Erwachsenenwelt. So verringert sich die Zuwendung zu spezifischen Kinder-Angeboten (z . B . dem KiKA) und es wächst das Interesse an den Themen zwischenmenschliche Beziehungen, Politik und Macht, Action und Gewalt sowie Erotik und Sexualität . Damit einher geht die Zuwendung zu entsprechenden Medienangeboten, also z. B. politischen Reportagen, Horrorfilmen oder Erotika (Arbeiter 2013; JIMStudie 2014, S . 46; Six et al . 2002) . Neben der phantasievollen Überwindung der Grenzen gibt es auch Grenzüberschreitungen im Sinne von Tabubrüchen . Dies ist der Fall, wenn Kinder und insbesondere Jugendliche gezielt Medieninhalte nutzen, die für ihr Alter als ungeeignet erachtet werden . Um welche Inhalte es sich hierbei handelt, wird in den Vorgaben und Maßnahmen des Jugendmedienschutzes zum Ausdruck gebracht . Dessen konkrete Ausgestaltung ist in einem dynamischen Prozess immer wieder Veränderungen unterworfen und wird von gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Medien-Innovationen beeinflusst. Mit der Umsetzung sind verschiedene Institutionen und Einrichtungen des Jugendmedienschutzes betraut . Gegenwärtig ist zu beobachten, dass die Entwicklung von Online-Medien zu gravierenden Veränderungen geführt hat . Grenzen, die vormals durch den institutionellen Jugendmedienschutz klar markiert wurden, sind diffuser geworden . Bestehende Maßnahmen erreichen nicht mehr die volle Wirksamkeit und auch die Medienerziehung in Familien ist zu einer herausfordernden Aufgabe geworden .

 
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