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2 Institutioneller Jugendmedienschutz

2.1 Instrumente und Grundannahmen

Die Vermutung, ungeeignete Medieninhalte könnten die Entwicklungsprozesse von Heranwachsenden stören oder ggf . auch gefährden, begründet die Maßnahmen des institutionellen Jugendmedienschutzes . Hierbei wird von einem generellen Schutzbedürfnis aufseiten der Kinder und Jugendlichen ausgegangen . Gesellschaftliche Wert- und Normvorstellungen bilden Leitlinien und gelten als „Messlatte für die Anwendung des gesetzlichen Jugendschutzes“ (Ring und Weigand 2011, S . 11) . Somit ist der Jugendmedienschutz auch Spiegelbild der Gesellschaft, indem er Kindern und Jugendlichen Grenzen aufzeigt . Es werden Themen und Inhalte definiert, „die wir als Gesellschaft nicht gutheißen“ (von Gottberg 2013, S . 339) .

Zu den wesentlichen Instrumenten des institutionellen Jugendmedienschutzes gehören Alterskennzeichnungen bzw . -freigaben, Sendezeitbeschränkungen und Indizierungen . Die konkreten Bestimmungen sind hierbei gesetzlich fest geregelt . Dies umfasst die vorzunehmenden Abstufungen, die ausführenden Einrichtungen bzw . Organe sowie die Höhe der Strafen bei Zuwiderhandlung .

Auf der Grundlage der bestehenden Gesetzgebung wird durch Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle[1] geprüft, für welche Altersgruppe ein Film oder ein Computerspiel möglicherweise nicht geeignet ist . Die Altersabstufungen („Freigegeben ohne Altersbeschränkung“, „Freigegeben ab sechs Jahren“, „Freigegeben ab zwölf Jahren“, „Freigegeben ab sechzehn Jahren“ und „Keine Jugendfreigabe“) orientieren sich an den vermuteten Entwicklungsphasen . Bei der Beurteilung spielen vor allem gewalthaltige und sexualisierte Inhalte eine Rolle (vgl . ausführlich zu den Bewertungskriterien Hönge 2013; Grashof und Hilse 2013) . Bei den Altersfreigaben handelt es sich keineswegs um Empfehlungen . Vielmehr haben sie verbindlichen Charakter und sie sind bei der öffentlichen Vorführung[2] bzw . beim Verleih und Verkauf zu beachten . Ansonsten droht eine Geldstrafe .

Bei der Ausstrahlung von Inhalten im Fernsehen bzw . bei der Online-Verbreitung hat der Gesetzgeber in Anlehnung an die Altersfreigaben Sendezeitbeschränkungen vorgesehen . Im Tagesprogramm (6 Uhr bis 20 Uhr) dürfen lediglich Inhalte ausgestrahlt werden, die auch für Kinder unter 12 Jahren geeignet sind . [3] Bei den Inhalten des Hauptabendprogramms von 20 Uhr bis 22 Uhr ist darauf zu achten, dass sie keine beeinträchtigende Wirkung für Kinder ab 12 Jahren und Jugendliche unter 16 Jahren haben . Dementsprechend sind Angebote, die für Jugendliche ab 16 bzw . 18 Jahren freigegeben werden können, erst zwischen 22 Uhr bzw . 23 Uhr und 6 Uhr zu verbreiten .

Die Indizierung stellt eine besonders tief greifende Maßnahme dar . Wird bei einer Prüfung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien eine potenzielle Jugendgefährdung festgestellt, folgt die Indizierung des jeweiligen Mediums . Gemäß der gesetzlichen Vorgabe werden in die Liste der jugendgefährdenden Medien (sog . Index) jene Medien aufgenommen, die „geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden“ . Hierunter fallen u . a . zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizende Inhalte sowie unsittliche oder verrohend wirkende Medieninhalte . Der Verkauf und die Bewerbung indizierter Medien sind nur noch an Erwachsene möglich (siehe ausführlich zu den Vertriebs- und Werbebeschränkungen durch die Indizierung Hans-Bredow-Institut 2007) .

  • [1] Während die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) die Prüfung von (Kino-)Filmen vornimmt, ist die USK für die Kennzeichnung von Computerspielen verantwortlich (siehe ausführlich zum Prinzip der regulierten Selbstregulierung Junge und Psyk 2013) . Weitere Aufgaben übernehmen die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (Fokus: Altersfreigaben für Fernsehsendungen privater Rundfunkanbieter) und die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (Fokus: Onlinemedien) .
  • [2] Die sog . Parental Guidance-Regelung bietet lediglich bei Filmen „Freigegeben ab zwölf Jahren“ einen gewissen Spielraum (Goehlnich/Hönge/Seifert 2005) .
  • [3] Formulierung des Gesetzgebers: „bei der Wahl der Sendezeit [ist] dem Wohl jüngerer Kinder Rechnung zu tragen“ (JMStV § 5, Abs . 4) .
 
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