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3 Medialer, erzieherischer und medienerzieherischer Habitus

Im Folgenden wird dargelegt, was unter dem medialen, erzieherischen und medienerzieherischen Habitus verstanden wird und wie diese Ausschnitte des Habitus zueinander in Verbindung stehen . Hierbei handelt es sich um Teil-Aspekte des Gesamt-Habitus einer Person (Krais und Gebauer 2002, S . 75), sodass die definitorische Trennung aus theoretisch-analytischen Überlegungen erfolgt, um die einzelnen Aspekte des Habitus gezielter in den Blick zu nehmen .

Das Konzept des medialen Habitus verknüpft den Habitus-Begriff nach Bourdieu (1983, 1993) mit Medien (Kommer und Biermann 2012) . Es bezieht sich dabei auf das gesamte Medienspektrum, auch wenn in der vorliegenden Studie explizit der Habitus der Eltern im Hinblick auf Computerspiele betrachtet wird . Der mediale Habitus wird unter anderem durch die eigene Medienausstattung (ökonomisches Kapital), eigene computerspielbezogene oder auch Erfahrungen, die Eltern durch den Umgang mit dem Computerspielen ihrer Kinder gemacht haben, geprägt . Auch computerspielbezogene Kenntnisse (kulturelles Kapital) und gesellschaftliche Diskurse und Diskussionen im Freundes- und Bekanntenkreis (soziales Kapital) dürften die Einstellung und die Praktiken der Eltern zu Computerspielen beeinflussen. Folglich erzeugt der mediale Habitus Vorstellungen hinsichtlich medialer Chancen und Risiken und subjektive Geschmacksurteile (Beurteilungen) wie z . B . die Ablehnung oder Befürwortung bestimmter Spielgenres für sich selbst und auch für Kinder (z . B . ‚Killerspiele', ‚Strategiespiele') . Zudem werden auch die eigene Mediennutzung und somit das eigene Computerspielverhalten durch den medialen Habitus erzeugt .

Der erzieherische Habitus (verstanden als allgemeine erzieherische Haltung, die erzieherische Praktiken und Vorstellungen, u . a . hinsichtlich Erziehungszielen, hervorbringt) – wirkt sich ebenfalls auf medienerzieherische Praktiken, Vorstellungen und Beurteilungen aus . Er wird von Vorstellungen und Beurteilungen hinsichtlich Kindern und Kindheit geprägt (Friedrichs 2013, S . 3f.) .

Der medienerzieherische Habitus bildet schließlich die Schnittmenge des medialen und erzieherischen Habitus, da dort Aspekte beider Habitus-Formen zusammenkommen (Friedrichs 2013, S . 3) (Abb . 1): Sehen Eltern bspw . die Gefahr, dass aufgrund von Computerspielen Kinder nicht ausreichend zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können (Produkt des medialen Habitus), und sehen sie es als Aufgabe ihrer Erziehung, Primärstatt medial vermittelte Erfahrungen zu fördern (Produkt des erzieherischen Habitus), dann werden sie vermutlich die Computerspielnutzung ihres Kinder beschränken (Produkt des medienerzieherischen Habitus) . Der medienerzieherische Habitus generiert alle Vorstellungen und Beurteilungen von medienerzieherischem Handeln und deren Umsetzung hinsichtlich aller Arten von Medien (in dieser Studie explizit mit Bezug auf Computerspiele) .

Abbildung 1 Medienerzieherischer Habitus als Schnittmenge des medialen und erzieherischen Habitus, eigene Abbildung, in Anlehnung an Friedrichs (2013, S . 4)

 
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