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„Youth on the move“?! Mobilität und learning mobility

Europäische Perspektiven auf internationale Jugendarbeit

Judith Dubiski, Yasmine Chehata und Andreas Thimmel

„Mobilität zu Lernzwecken“ wurde seit Beginn des neuen Jahrhunderts zum neuen Leitkonzept der internationalen Jugendarbeit, sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene . Dabei unterliegt der Diskurs in mehrfacher Hinsicht einer Verkürzung: sowohl das Skript „Mobilität“ als auch die Konsequenzen einer zweckorientierten und auf Arbeitsmarktpassung ausgerichteten Begründung von internationaler Jugendarbeit werden dem Gegenstand nicht gerecht .

Die Europäische Kommission betont in ihrer EU Strategie für Jugend 2009, dass die Zukunft Europas von der Jugend abhänge . Für eine wirtschaftliche Stabilisierung und weiteres Wachstum wird auf das Potenzial der Jugend in Europa rekurriert . Walther und Stauber (2011) stellen fest, dass Jugend im europäischen Mehrebenensystem in dreierlei Hinsicht ins Blickfeld gerät: „(A)ls zukünftige Arbeitskräfte und Humankapital, die sich mobil auf dem europäischen Arbeitsmarkt bewegen und die Wettbewerbsfähigkeit Europas im globalen Kontext sichern; als Risikogruppe, die den sozialen Zusammenhalt bedroht; als zukünftige europäische Bürger und Bürgerinnen“ (Walther und Stauber 2011, S .4) .

Die wohlfahrtsstaatliche Verfasstheit der Jugendarbeit in der Bundesrepublik scheint nun im Zuge von Globalisierung und Transnationalisierung an Souveränität zu verlieren (Homfeldt et al 2008) .

Mögliche Konsequenz ist, dass sich ihre Rahmenbedingungen ändern und die Bedeutung von transnationalen Programmen zunimmt . Blickt man in die Geschichte der internationalen Jugendarbeit als Teilbereich der Jugendarbeit in Deutschland, ist festzustellen, dass Praxis und Konzeptionsdiskurs immer wieder mit neuen externen Anliegen konfrontiert waren . Internationale Jugendarbeit hatte sich mit diesen auseinanderzusetzen, sie zu bearbeiten oder sich gegen sie zur Wehr zu setzen, um ihr eigenes Profil zu verteidigen und nicht an Überforderung zu scheitern . In den 1950er Jahren dominierte eine internationale Jugendarbeit „für Europa“ im Sinne der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, in den 1960ern war internationale Jugendarbeit u . a . als Methode „gegen Antisemitismus“ konzipiert . In den 1970ern Jahren wurde sie ein „Instrument der Entwicklungs- und Ostpolitik“, in den 1980ern wurde die innenpolitische Bedeutung als internationale Bildungspraxis „gegen Fremdenfeindlichkeit“ hervorgehoben, bis dann in den 1990ern Jahren die „interkulturelle Kompetenz“ ihren Siegeszug feiern konnte (Thimmel und Friesenhahn 2005, S . 175f .) . Seit Anfang des neuen Jahrhunderts wurde „Mobilität zu Lernzwecken“ zum neuen Leitkonzept . Mobilität wird als wesentlich für die persönliche Entwicklung junger Menschen in einer globalisierten Welt betrachtet . Sie soll zur individuellen Beschäftigungsfähigkeit (employability) und zugleich zu Teilhabechancen beitragen, junge Menschen sollen durch die Förderung interkultureller Kompetenz dabei unterstützt werden, sich in einer pluralen Gesellschaft zurecht zu finden (Friesenhahn et al. 2013, S . 5f .) .

Im Folgenden soll der Diskurs um learning mobility bzw . Mobilität zu Lernzwecken, wie er von der EU-Ebene aus geführt wird und in den deutschen Diskurs der internationalen Jugendarbeit diffundiert, kritisch beleuchtet werden .

 
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