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1.4 Wahrgenommene Passung als Prädiktor distaler Ergebnisse betrieblicher Sozialisation

Die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf verändert sich nach Beginn der beruflichen Grundbildung. Aktuelle Studien zeigen, dass sich vor allem Arbeitsinhalte und die Möglichkeit der selbständigen Regulierbarkeit der eigenen Tätigkeit positiv auf die wahrgenommene Passung auswirken (Neuenschwander, 2011). Die Veränderung der wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf während der beruflichen Grundbildung scheint über Prozesse der sozialen Integration und Aufgabenbeherrschung vermittelt zu sein (Neuenschwander, 2011; Singer et al., 2014). Wir gehen jedoch von einer insgesamt hohen Stabilität der wahrgenommenen Passung in den ersten Monaten der beruflichen Grundbildung aus.

Hypothese 4: Wir nehmen an, dass die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf zu Beginn der beruflichen Grundbildung die Passung mit dem Lehrberuf im fünften Monat in der beruflichen Grundbildung vorhersagt.

Basierend auf einem Modell der betrieblichen Sozialisation von neu in einen Betrieb eintretenden Personen (Kammeyer-Mueller & Wanberg, 2003), werden die Zufriedenheit mit der Lehre, die Zufriedenheit mit dem Betrieb, der Lernfortschritt und die Absicht, die Lehre abschliessen zu wollen, als distale Ergebnisse der betrieblichen Sozialisation betrachtet. Diese distalen Ergebnisse der betrieblichen Sozialisation sind durch die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf beeinflusst, da eine hohe wahrgenommene Passung die Anpassung erleichtert (Kristof, 1996; Kristof-Brown et al., 2005).

Die Zufriedenheit mit der Lehre, die Zufriedenheit mit dem Betrieb als subjektive, kognitive Bewertung der Situation, die Einschätzung des eigenen Lernfortschritts und die Absicht, die Lehre abschliessen zu wollen, sind Indikatoren einer erfolgreichen Anpassung der Lernenden und eines positiven Verlaufs der beruflichen Grundbildung. Die Einschätzung des eigenen Lernfortschritts beruht auf den Lernmöglichkeiten im Betrieb (Taris et al., 2006), die von individuellen, betrieblichen und strukturellen Faktoren abhängig sind (Nägele, 2013). Eine positive Wahrnehmung des eigenen Lernfortschritts bedeutet, dass sich die Jugendlichen in der beruflichen Grundbildung entwickeln können. Dies ist deshalb ein wichtiges Ergebnis der Anpassungsprozesse zu Beginn der beruflichen Grundbildung.

Hypothese 5: Wir erwarten, dass die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf im fünften Monat der beruflichen Grundbildung a) die Zufriedenheit mit der Lehre, b) die Zufriedenheit mit dem Betrieb, c) den Lernfortschritt und d) die Absicht, die Lehre abschliessen zu wollen, nach sechs Monaten in der beruflichen Grundbildung vorhersagt.

Wir erwarten, dass die Zufriedenheit mit der Lehre am Ende des 9. Schuljahrs die Zufriedenheit mit der Lehre im sechsten Monat der beruflichen Grundbildung vorhersagt (Hypothese 6a), wie auch die Absicht die Lehre abzuschliessen im 9. Schuljahr die Absicht, die Lehre abzuschliessen im sechsten Monat der beruflichen Grundbildung vorhersagt (Hypothese 6b). Die Hypothesen 3 bis 6 sind im Modell in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1 Postuliertes Pfadmodell.

 
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