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3 Ergebnisse

Vor der Datenanalyse wurden die Daten auf Extremwerte (extrem hohe und tiefe Werte) und die Einhaltung der Normalverteilung überprüft und entsprechend der Empfehlung von Tabachnick und Fidell (2007) korrigiert. Diese Massnahmen erhöhen die Zuverlässigkeit der Ergebnisse, da diese so weniger von seltenen und extremen Ausprägungen in den Daten verfälscht werden.

3.1 Deskriptive Ergebnisse

In Tabelle 1 sind die Mittelwerte und Standardabweichungen der Entscheidungssicherheit für den Beruf und die Entscheidungssicherheit für den Betrieb am Ende des 9. Schuljahres und der distalen Ergebnisse der betrieblichen Sozialisation (Zufriedenheit mit der Lehre, Zufriedenheit mit dem Betrieb, Lernfortschritt und die Absicht, die Lehre abzuschliessen) dokumentiert.

Tabelle 1 Anzahl Jugendliche, Mittelwerte und Standardabweichungen aller Variablen im Modell.

3.2 Veränderung der wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf

Die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf war bei den direkt nach der Schule mit einer beruflichen Grundbildung beginnenden Jugendlichen hoch (Tabelle 2). Die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf stieg beim Übergang von der Schule in den Lehrbetrieb weiter an und sank bis im fünften Monat der beruflichen Grundbildung wieder leicht. Eine Varianzanalyse mit Messwiederholung zeigte, dass dieser Anstieg und das anschliessend Sinken der wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf statistisch signifikant waren, F(2, 744) = 1.72, p < .01, η2 = .10. Kontrastanalysen zeigten, dass sowohl die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf im ersten Monat F(1, 372) = 67.27, p < .01, η2 = .15 und im fünften Monat F(1, 372) = 31.61, p < .01, η2 = .08 höher waren als die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf im 9. Schuljahr. Das Sinken der wahrgenommenen Passung vom ersten Monat bis zum fünften Monat in der beruflichen Grundbildung war ebenfalls statistisch signifikant F(1, 372) = 8.80, p < .05, η2= .02. Hypothese 1 kann somit nicht bestätigt werden. Denn die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf stieg beim Übergang von der Schule in die berufliche Grundbildung insgesamt statistisch signifikant an.

Tabelle 2 Wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf: Anzahl Jugendliche, Mittelwerte und Standardabweichungen

Zur Beschreibung des Verlaufs und der Veränderung der wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf (9. Schuljahr, erster und fünfter Monat der beruflichen Grundbildung) wurden Verläufe a-priori festgelegt. Die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf kann ausgehend von einer hohen oder tiefen Ausprägung im 9. Schuljahr zwischen den einzelnen Zeitpunkten gleich bleiben/steigen oder sinken. Die Kategorie gleich/steigend wird als steigend bezeichnet, da sich die wahrgenommene Passung bei allen beobachteten Jugendlichen in dieser Kategorie zwischen den Zeitpunkten erhöhte. So können acht Verläufe beschrieben werden (Abbildung 2). Mittels einer Konfigurationsfrequenzanalyse wurde anschliessend geprüft, welche dieser Verläufe Typen oder Anti-Typen darstellen (Krauth, 1993; von Eye, 2002). Typen sind Verläufe, die häufiger als erwartet beobachtet werden. Anti-Typen sind Verläufe, die seltener als erwartet beobachtet werden. Die Veränderung der wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf wurde berechnet, indem die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf im ersten Monat der beruflichen Grundbildung am Mittelwert und der Standardabweichung der wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf im 9. Schuljahr standardisiert wurde. Werte, die grösser als 0 sind, drücken damit eine Zunahme der wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf aus, Werte kleiner als 0 eine Abnahme. Die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf im fünften Monat der beruflichen Grundbildung wurde entsprechend an der wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf im ersten Monat der beruflichen Grundbildung standardisiert. Die Ergebnisse sind in Abbildung 2 grafisch dargestellt.

Insgesamt 185 Schülerinnen und Schüler hatten im 9. Schuljahr eine hohe wahrgenommene Passung. Bei 111 stieg die wahrgenommene Passung im ersten Monat und im fünften Monat der beruflichen Grundbildung (N erwartet = 94.46, χ = 2.90, n.s.). Bei 41 stieg die wahrgenommene Passung im ersten Monat und sank im fünften Monat wieder (N erwartet = 35.29, χ = .92, n.s.). Bei 7 sank die wahrgenommene Passung im ersten Monat und stieg im fünften Monat (Nerwartet = 40.22, χ2 = 27.44, p < .01, Anti-Typ). Bei 26 sank die wahrgenommene Passung im ersten Monat und sank auch im fünften Monat (N erwartet = 15.03, χ = 8.01, p < .01, Typ).

Insgesamt 190 Schülerinnen und Schüler hatten im 9. Schuljahr eine tiefe wahrgenommene Passung. Bei 31 sank die wahrgenommene Passung im ersten Monat und sank auch im fünften Monat der beruflichen Grundbildung (N erwartet = 15.44, χ2 = 15.70, p < .01, Typ). Bei 48 sank die wahrgenommene Passung im ersten Monat und stieg im fünften Monat wieder (N erwartet = 41.31, χ = 1.08, n.s.). Bei 4 stieg die wahrgenommene Passung im ersten Monat und sank im 5. Monat (N erwartet = 36.24, χ = 25.69, p < .01, Anti-Typ). Bei 107 stieg die wahrgenommene Passung im ersten Monat und stieg auch im fünften Monat (N erwartet = 97.01, χ = 1.03, n.s.).

Das Ergebnis der Konfigurationsfrequenzanalyse in Abbildung 2 zeigt, dass die positiven Verläufe erwartungskonform am häufigsten auftraten (218 Jugendliche, 58%). Dies war der Verlauf „hoch, dann steigend und steigend“ (111 Jugendliche) und der Verlauf „tief, steigend, steigend“ (107 Jugendliche). Dies widerspiegelt den Anstieg der wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf beim Übergang von der Schule in die berufliche Grundbildung. Auffallend sind erstens zwei über erwarten häufig auftretende Verläufe. Dies war der Typ „hoch, sinkend, sinkend“ (26 Jugendliche, erwartet 15.44) und der Typ „tief, sinkend, sinkend (31 Jugendlichen, erwartet 15.44). Jugendliche, bei denen die Passung beim Übergang von der Schule in die berufliche Grundbildung zu sinken begann, hatten unabhängig vom Ausgangsniveau der Passung im 9. Schuljahr ein höheres Risiko, dass die Passung bis im fünften Monat der beruflichen Grundbildung weiter sank. Auffallend sind zweitens zwei Verläufe, die seltener auftraten als erwartet. Dies waren die AntiTypen „hoch, sinkend, steigend“ (7 Jugendliche, erwartet 40.22) und der AntiTyp „tief, steigend, sinkend“ (4 Jugendliche, erwartet 36.24). Es war eher unwahrscheinlich, dass Jugendliche mit einer hohen wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf im 9. Schuljahr, die beim Übergang sank, im weiteren Verlauf wieder eine steigende wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf hatten. Es zeigte sich auch, dass bei Jugendlichen mit einer tiefen wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf im 9. Schuljahr, die beim Übergang anstieg, diese bis im fünften Monat der beruflichen Grundbildung eher nicht wieder sank.

Abbildung 2 Wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf: Verlaufstypen als Ergebnisse der Konfigurationsfrequenzanalyse.

Die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf veränderte sich bei allen Jugendlichen vom 9. Schuljahr sowohl beim Übergang in die berufliche Grundbildung als auch in deren weiteren Verlauf. Die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf nahm insgesamt zu. Es gab jedoch Jugendliche, bei denen die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf beim Übergang von der Schule in die berufliche Grundbildung abnahm. Sank die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf beim Übergang, bestand ein höheres Risiko, dass diese auch bis zum fünften Monat der beruflichen Grundbildung weiter sank. Jugendliche mit einer tiefen wahrgenommenen Passung mit dem Lehrberuf, die beim Übergang stieg, hatten hingegen eine höhere Chance, dass diese wahrgenommene Passung bis im fünften Monat der beruflichen Grundbildung nicht wieder sank.

Hypothese 2 kann somit bestätig werden. Die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf verändert sich im Verlauf der ersten fünf Monate in der beruflichen Grundbildung. Es konnten steigende und sinkende Verläufe identifiziert werden. Auffallend ist, dass Jugendliche, bei denen die wahrgenommene Passung mit dem Lehrberuf beim Übergang von der Schule in die berufliche Grundbildung zu sinken begann, ein höheres Risiko hatten, dass sich dieser Trend fortsetzte und auch im fünften Monat der beruflichen Grundbildung nicht umkehrte.

 
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