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5 Forschungsfragen

Vor dem oben skizzierten Hintergrund sollen im empirischen Teil des vorliegenden Beitrags die folgenden Forschungsfragen beantwortet werden:

1. Wie ist die betriebliche Ausbildungsqualität in Deutschschweizer Betrieben, die in den Berufen „Maler/in“ bzw. „Koch/Köchin“ ausbilden, ausgeprägt?

2. In wie weit unterscheidet sich die Ausbildungsqualität aus Sicht der Berufsbildner/innen von der Perspektive der Lernenden?

3. Welche berufsspezifischen Unterschiede lassen sich beobachten?

4. Lassen sich Zusammenhänge zwischen der Ausbildungsqualität und dem Auftreten von Lehrvertragsauflösungen beobachten?

6 Methode

6.1 Untersuchungsdesign und Stichprobe

Grundlage für die Analysen der vorliegenden Arbeit bilden die Daten des vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) in der Zeit von Mai 2012 bis Januar 2015 geförderten Forschungsprojekts STABIL (Stabile Lehrverträge – die Rolle des Ausbildungsbetriebs). Dabei handelt es sich um ein querschnittlich angelegtes Kooperationsprojekt der Universitäten Fribourg (Schweiz) und Konstanz (Deutschland). Die Stichprobe besteht aus 335 Ausbildungsbetrieben, welche in den Berufen Koch/Köchin (N = 165) und Maler/Malerin (N = 170) ausbilden. Die Stichprobe wurde aus einer von den kantonalen Berufsbildungsämtern in anonymisierter Form (bekannt waren nur die Betriebsnummern, nicht aber Name und Adresse der Betriebe) zur Verfügung gestellten Grundgesamtheit von 3.976 Lehrbetrieben, die zwischen August 2010 und März 2012 in den Berufen „Koch/Köchin“ bzw. „Maler/-in“ ausgebildet haben, entnommen. Primäres Ziel der STABIL-Studie ist es, zu untersuchen, ob sich Betriebe mit LVA und Betriebe ohne LVA in Hinsicht auf eine Reihe von betrieblichen Merkmalen sowie Merkmale der Berufsbildner/innen und Betriebsverantwortlichen unterscheiden. Deshalb erfolgte die Ziehung stratifiziert nach den Merkmalen Beruf, Lehrvertragsauflösung zwischen August 2010 und März 2012 (Ja/Nein), Kanton sowie nach Betriebsgrösse. Die 1.198 ursprünglich gezogenen Betriebe wurden durch die kantonalen Berufsbildungsämter kontaktiert. 426 Betriebe haben sich zur Teilnahme bereit erklärt und dem Forschungsteam ihre Kontaktdaten bekannt gegeben. Von diesen haben letztendlich 335 Betriebe an der Untersuchung teilgenommen (Rücklaufquote von 28%). Befragt wurden Berufsbildner/innen und Betriebsverantwortliche, wobei die Angaben der Betriebsverantwortlichen im vorliegenden Beitrag unberücksichtigt bleiben. Weiterhin wurden 225 Auszubildende aus 157 Betrieben befragt, die zum Zeitpunkt der Befragung einen Lehrvertrag hatten. Für 178 Betriebe liegen somit keine Daten der Lernenden vor.

Tabelle 1 Merkmale der Berufsbildner/innen.

Tabelle 2 Merkmale der Auszubildenden.

Tabelle 3 Merkmale der Betriebe.

Die Stichprobe der Berufsbildner/innen besteht grösstenteils aus Männern (88%, vgl. Tabelle 1). Bei den Köchen/Köchinnen sind die Frauen dabei stärker vertreten (17%) als bei den Malern/Malerinnen (8%). In Bezug auf das Alter und die Erfahrung als Berufsbildner/in bestehen keine substanziellen Unterschiede zwischen den beiden Berufen. Das Durchschnittsalter der befragten Ausbilder/innen beträgt rund 45 Jahre, die Erfahrungszeit im Durchschnitt rund 15 Jahre. Im Unterschied zu den Berufsbildner/innen fällt das Geschlechtsverhältnis der Lernenden zugunsten der weiblichen Auszubildenden aus. In beiden Berufen hat es mehr weibliche als männliche Auszubildende (42.6% männlich; 57.3% weiblich). Das Durchschnittsalter beträgt rund 19 Jahre.

Bezüglich der Betriebsgrösse zeigen sich berufsspezifische Unterschiede (vgl. Tabelle 3). So werden Köche/Köchinnen öfter als Maler/innen in grösseren Betrieben ausgebildet. Mehr als die Hälfte (56%) der „Kochbetriebe“ haben 26 oder mehr Mitarbeitende (i.d.R. Hotels und Spitäler), während bei den Malern/Malerinnen nur 10% der Betriebe 26 oder mehr Mitarbeitende haben. Die Mehrheit (64.7%) der Malerbetriebe haben weniger als 11 Angestellte. In Tabelle 3 ist weiter ersichtlich, dass 136 Betriebe eine LVA in der Zeit zwischen August 2010 und März 2012 hatten, während 199 Betriebe keine LVA in dieser Periode gehabt haben.

6.2 Erhebungsinstrumente

Die Ausbildungsqualität wurde mit einem Fragebogen erfasst, welcher sich an den Instrumenten von Thiel und Achterberg (2006) sowie Velten und Schnitzler (2012) orientiert. Die vier erfassten Qualitätsdimensionen sind:

• Planung der Ausbildungsaktivitäten (3 Items; α=.71; Bsp. „Ich plane die Ausbildungseinheiten im Voraus“)

• Unterstützung von Vernetzung und Selbstregulation (7 Items; α=.76; Bsp. „Ich gebe Aufträge und Aufgaben, mit denen die Auszubildenden selbständig arbeiten/üben können“)

• Kognitive Aktivierung (7 Items; α=.79; Bsp. „Ich sorge dafür, dass den Auszubildenden abwechslungsreiche Arbeitsaufgaben gestellt werden“)

• Feedback (6 Items; α=.86; Bsp. „Ich gebe den Auszubildenden regelmässig Rückmeldungen über ihre Arbeitsergebnisse“).

Im Rahmen der Auswertung wird aus Gründen der Vereinfachung teils auch auf die Skala „Ausbildungsqualität (Gesamt)“ (α=.83) zurückgegriffen, welche alle Items der vier Subskalen umfasst. Die Befragten mussten für jedes Item auf einer siebenstufigen Skala von „1=Trifft gar nicht zu“ bis „7=Trifft völlig zu“ angeben, zu welchem Grad sie den Aussagen zustimmten. Höhere Werte drücken dementsprechend eine hohe Ausbildungsqualität aus et vice versa.

Die Auszubildenden beantworteten die gleichen Fragen mit perspektivengespiegelter Formulierung (z.B. „Der/die Berufsbildner/in plant die Ausbildungseinheiten im Voraus“). Die Reliabilitäten liegen auch hier im guten Bereich und betragen α=.78 für die Skala „Planung der Ausbildungsaktivitäten“, α=.83 für die Skala „Unterstützung von Vernetzung und Selbstregulation“ und α=.92 für die Skala „kognitive Aktivierung“, für die Skala „Feedback“ und für die Skala „Ausbildungsqualität (Gesamt)“.

 
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