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7.3 Zusammenhänge zwischen Ausbildungsqualität und LVA

Um die Zusammenhänge zwischen der Ausbildungsqualität und dem Auftreten von LVA zu untersuchen, wurde im ersten Schritt ein Gruppenvergleich durchgeführt. Dabei wurde die Gruppe von Betrieben mit LVA (im Zeitraum zw. August 2010 und März 2012) der Gruppe von Betrieben ohne LVA im genannten Zeitraum gegenüber gestellt. Die Ergebnisse dieses mittels t-Tests durchgeführten Gruppenvergleichs weisen weder unter Berücksichtigung der Perspektive der Berufsbildner/innen noch derjenigen der Lernenden signifikante Unterschiede aus (tabellarisch nicht gezeigt). Dieses Ergebnis ist insofern überraschend, als dass nach dem allerdings lückenhaften Forschungsstand ein Zusammenhang zwischen der Ausbildungsqualität und dem Auftreten von LVA durchaus nicht unerwartet gewesen wäre. Aufgrund der Komplexität der Thematik (Stichwort: multiple Faktorenbündel) vermuten wir jedoch, dass dieser Zusammenhang im Gesamtkontext mit anderen Merkmalen des Betriebs betrachtet werden sollte. Um der Relation zwischen Ausbildungsqualität und den LVA näher auf den Grund zu gehen, wurde daher eine Two-step-Clusteranalyse durchgeführt. Die Clusteranalyse ermöglicht es, die untersuchten Objekte so zu gruppieren, dass sie innerhalb der Gruppen (Cluster) möglichst gleich sind und zwischen den Gruppen möglichst unterschiedlich. Um ein differenziertes Qualitätsbild einfliessen lassen zu können, wurden für die Clusterbildung die vier Skalen der Ausbildungsqualität (Planung, Unterstützung von Vernetzung und Selbstregulation, kognitive Aktivierung und Feedback) und die Variable Lehrvertragsauflösungsquote (Anzahl LVA durch Gesamtanzahl der ausgebildeten Lernenden im betrachteten Zeitraum) aus der Sicht der Berufsbildner/innen verwendet. Die optimale Clusteranzahl wurde nicht vorgegeben, sondern im Rahmen der statistischen Analysen von der Prozedur automatisch bestimmt. Die Two-step-Clusteranalyse erfolgte in zwei Schritten. Im ersten Schritt wurden die Fälle in Pre-Cluster vorverdichtet. Dabei wurden die Fälle nacheinander analysiert und es wurde entschieden, ob der jeweils aktuelle Fall einem der vorhandenen Pre-Cluster hinzugefügt wird oder auf der Basis des Distanzkriteriums (in diesem Fall Log-Likelihood) ein neues Pre-Cluster angelegt wird. Im zweiten Schritt wurden die Pre-Cluster mittels der hierarchisch-agglomerativen Methode zusammengefasst, bis alle Pre-Cluster zur „besten“ Anzahl von Clustern fusionierten. Die Bestimmung der „besten“ Clusteranzahl erfolgte anhand des Bayes-Informationskriteriums (BIC) (Schendera, 2010). Das Ergebnis zeigt eine stabile Drei-Cluster-Lösung. Der Silhouetten-Kohäsions- und Trennungsmesswert dieser Lösung lag im guten Bereich. Um die Stabilität der Clusterlösung zu prüfen, wurde weiter eine Doppelkreuzvalidierung durchgeführt (Bortz & Schuster, 2010), welche ebenfalls gute Ergebnisse zeigte. Als letztes Gütekriterium wurde eine Diskriminanzanalyse durchgeführt, welche 94% der Fälle korrekt klassifizieren konnte. Die Clusteranalyse wurde auch getrennt nach den Berufen durchgeführt. Sowohl bei den Köchen/Köchinnen als auch bei den Malern/Malerinnen wurde eine Drei-Cluster-Lösung erzielt, die sich nicht von der Drei-Cluster-Lösung der Analyse mit beiden Berufen zusammen unterscheidet. Für die Clusteranalyse wurde daher entschieden, beide Berufe gemeinsam zu betrachten.

Abbildung 1 Drei-Cluster-Lösung.

Die drei gefundenen Teilgruppen können wie folgt charakterisiert werden (Abbildung 1):

• eine Gruppe mit einer sehr guten Ausbildungsqualität und zumeist keinen oder nur wenigen Lehrvertragsauflösungen (Cluster 1; 37% der Betriebe, auch Best-Practice-Gruppe genannt),

• eine Gruppe mit einer im Vergleich zu Cluster 1 schlechteren Ausbildungsqualität und zugleich mit einer deutlich erhöhten Zahl an Lehrvertragsauflösungen (Cluster 2, 25% der Betriebe),

• eine Gruppe mit einer ebenfalls im Vergleich zu Cluster 1 schlechteren Ausbildungsqualität, aber keinen oder nur wenigen Lehrvertragsauflösungen (Cluster 3, 38% der Betriebe).

Ins Auge fällt, dass keine Gruppe identifiziert werden konnte, welche gleichzeitig eine hohe Ausbildungsqualität und viele LVA aufweist. Dies kann als Hinweis darauf interpretiert werden, dass der Ausbildungsqualität in vielen Betrieben eine wichtige Rolle bei der Vermeidung von LVA zukommt.

 
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