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2.2 Einfluss des Ausbildungserfolgs auf die weitere Berufslaufbahn

Der Ausbildungserfolg in der Berufslehre, gemessen an den Abschlussnoten, hat einen entscheidenden Einfluss auf die unmittelbare berufliche Anschlusslösung. Beispielsweise bedingt die Qualifikation am Ende der Berufslehre den Einstiegslohn positiv (vgl. Wydra-Somaggio et al., 2010). Eines der grössten Risiken, nach der Berufslehre arbeitslos oder inadäquat beschäftigt zu werden, findet sich in der Note der Lehrabschlussprüfung (Bertschy, Cattaneo & Wolter, 2008, S. 2). Auch Müller und Schweri (2009) finden für tiefere Lehrabschlussnoten ein erhöhtes Arbeitslosigkeitsrisiko. Gleichzeitig ergab sich für gute Lehrabschlussnoten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit im Bildungssystem zu bleiben, was hinsichtlich der zunehmenden Spezialisierung im Arbeitsmarkt und dem damit verbundenen lebenslangen Lernen mit einer wachsenden Bedeutung für das langfristig erfolgreiche Bestehen im Beruf einhergeht.

Die Lehrabschlussnote beeinflusst aber nicht nur direkt die unmittelbare berufliche Anschlusslösung, sondern hat indirekt auch kummulative Auswirkungen auf die weitere Berufslaufbahn. Berufseinstiegsschwierigkeiten im Anschluss an die Berufslehre resultieren mittelfristig in Problemen eine ausbildungsadäquate Anstellung zu finden (Heinz, 2002; vgl. Neuenschwander et al., 2010, S. 109) und längerfristig in negativen Auswirkungen auf neue Jobmöglichkeiten (Heckman

& Borjas, 1980; Margolis et al., 2004) und den Lohn (Gray, 2000; vgl. Bertschy, Cattaneo & Wolter, 2011, S. 221).

Angesichts der Relevanz der Qualifikation in der dualen Ausbildung für die kurz- und mittelfristige berufliche Laufbahn ist es erstaunlich, dass zu deren Genese kaum Forschungsbefunde für die Schweiz vorliegen.

2.3 Einflussfaktoren des Ausbildungserfolgs – ein Rahmenmodell

Die duale Berufslehre kann auf der strukturellen Dimension (vgl. Ditton, 2000, S. 76) bildungspsychologisch (vgl. Spiel, Reimann, Wagner und Schober, 2010, S. 11ff.) in drei Handlungsebenen gegliedert werden, die sich am ökologischen Modell von Bronfenbrenner (vgl. Bronfenbrenner & Morris, 2006) orientieren: Die Makro-, Meso- und Mikroebene. Die Makroebene wird dabei als Ebene der bildungspolitisch relevanten Gesamtsysteme verstanden. Die Mesoebene bildet die Ebene der Institutionen und die Mikroebene bildet die Ebene der individuellen Bedingungen. Von diesen Handlungsebenen werden Effekte auf die Ausbildungsprozesse und auf die Ausbildungserfolge angenommen. Dabei können diese Handlungsebenen nicht klar voneinander abgegrenzt werden und beeinflussen sich gegenseitig (vgl. Spiel, Reimann, Wagner und Schober, 2010, S. 14f.).

Neben der strukturellen Dimension ist eine Unterscheidung der Einflussfaktoren in eine dynamische Dimension mit Input-, Prozess-, Output- und Outcomefaktoren sinnvoll (vgl. Ditton, 2000, S.76).

Abbildung 1 Rahmenmodell der Einflussfaktoren auf den Ausbildungserfolg (eigenes Modell).

Das Modell in Abbildung 1 beinhaltet keine spezifischen Erklärungsansätze, sondern dient einer Systematisierung von relevanten Faktoren für den Ausbildungserfolg, und soll im Folgenden helfen, Determinanten des Ausbildungserfolgs systematisch zu verorten und zu analysieren (vgl. Klieme & Rakoczy, 2008, S. 225f.).

 
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