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6 Schlussfolgerungen, Grenzen und Fazit für die Praxis und Bildungspolitik

6.1 Schlussfolgerungen

Die vorliegende Untersuchung ist für die Schweiz eine der ersten Studien, die den objektiven Ausbildungserfolg, gemessen an den Abschlussnoten, mit einer Vielzahl von Faktoren getrennt nach Berufsfachschule und Ausbildungsbetrieb in der dualen kaufmännischen Berufslehre untersucht. Dabei werden teils unterschiedliche Prädiktions-Faktoren der beiden Abschlussnoten festgestellt, weshalb sich die getrennte Untersuchung als sinnvoll erweist.

Die Faktoren auf der Mikroebene erklären erwartungsgemäss mehr Varianz der Abschlussnoten als die Faktoren auf der Mesoebene. Allerdings werden auf beiden bildungspsychologischen Ebenen signifikante Wirkgrössen festgestellt und somit gezeigt, dass unter gegenseitiger Kontrolle neben Faktoren der Person auch Faktoren der Berufsfachschule und des Ausbildungsbetriebs die Abschlussnoten beeinflussen.

Die aufgeklärte Varianz der ANAB ist mit knapp 20% relativ tief und wirft die Frage auf, welche weiteren Faktoren diese erklären können. Im Gegensatz dazu ist die aufgeklärte Varianz der ANBS mit knapp 40% relativ hoch wenn berücksichtigt wird, dass keine direkten Leistungsvariablen in den Analysen berücksichtigt werden. Insgesamt deuten die gefundenen Ergebnisse darauf hin, dass sich die beiden Ausbildungsorte in ihren Anforderungen massgeblich unterscheiden und klassische schulische Erfolgsfaktoren wie die vorangegangene Bildungslaufbahn nur für den Ausbildungserfolg in der Berufsfachschule zentral sind. Welche Faktoren das im Ausbildungsbetrieb sind, darüber kann nur spekuliert werden und verlangt nach weiterer Forschung.

Gleichzeitig wird darin für das Berufsbildungssystem eine grosse Chance gesehen, Lernende mit einer negativen Bildungslaufbahn wieder im Ausbildungssystem zu integrieren und künftige Weiterbildungsoptionen zu eröffnen. Dadurch kommt dem dualen Berufsbildungssystem nicht nur für die berufliche Grundbildung, sondern darüber hinaus im Hinblick auf die berufliche Weiterbildung und das lebenslange Lernen eine zentrale Rolle zu.

Weiter wird festgestellt, dass Persönlichkeitsdimensionen den objektiven Ausbildungserfolg in der Berufsfachschule und im Ausbildungsbetrieb signifikant vorhersagen. Somit kommt der Persönlichkeit nicht nur für den langfristigen Berufserfolg, sondern auch für den kurzfrisitigen beruflichen Ausbildungserfolg grosse Bedeutung zu.

Entgegen den Erwartungen kann für die Berufsbildung der Eltern kein Einfluss auf den objektiven Ausbildungserfolg nachgewiesen werden. Das spricht wiederum für die wichtige Rolle, die dem Berufsbildungssystem zukommt, in dem bildungsbedingte Ungleichheiten in der Bevölkerung nicht direkt auf die nächste Generation übertragen werden. Relativierend ist hier anzufügen, dass die Stichprobe diesbezüglich recht homogen ist, und vielleicht deswegen die Resultate aus der (soziologischen) Bildungsforschung nicht repliziert werden können.

Besonders interessant ist, dass entgegen den Erwartungen, der objektive Ausbildungserfolg weder in der Berufsfachschule noch im Ausbildungsbetrieb, durch die Zufriedenheit respektive Identifikation mit dem Beruf erklärt werden kann. Somit identifizieren sich nicht nur Lernende mit guten Abschlussnoten mit ihrem erlernten Beruf und sind damit zufrieden. Das ist insofern sehr erfreulich, weil genau diese Identifikation und Zufriedenheit mit dem erlernten Beruf im Hinblick auf den subjektiven Berufserfolg eminent ist, und dieser seinerseits massgeblich mit der weiteren Berufslaufbahnzufriedenheit (vgl. Weber, 2013) und der allgemeinen Lebenszufriedenheit (vgl. Dette, 2005; Weber, 2013) zusammenhängt.

 
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