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6.2 Grenzen der Untersuchung

Die Stichprobe ist schweizweit nicht repräsentativ, weshalb die Ergebnisse nur bedingt auf andere Regionen und Jahrgänge übertragen werden können. Es werden nur Lernende in der dualen kaufmännischen Berufslehre (erweiterte Grundbildung) untersucht, so dass sich die Ergebnisse nicht auf andere Ausbildungsgänge und auch nicht andere Berufe übertragen lassen.

In den Berechnungsmodellen werden Lernende mit fehlenden Werten aus den Berechnungen ausgeschlossen, was zu Verzerrungen im Vergleich zur Grundgesamtheit führen kann. Zudem beinhalten die Berechnungsmodelle nur manifeste Variablen, welche als Summenscores von Skalen mit teilweise eher niedriger Reliabilität (Cronbach α < 0.7) gebildet werden (siehe Tabelle 1). Dadurch können Messfehler nicht ausgeschlossen werden.

Die empirische Forschung zur Qualität der Berufsausbildung kommt bisher, analog zur Qualität von Bildungssystemen allgemein aber auch zur Qualität von Schulen (vgl. Ditton, 2000, S. 75f.), weitgehend ohne fundierte, gesamthafte Theorien aus. Deshalb sind die Berechnungsmodelle in einem datengestützen Vorgehen schrittweise explorativ entwickelt worden, indem plausible Einflussfaktoren miteinander verglichen wurden. Dadurch fehlt die fundierte theoretische Einbettung der festgestellten Einflussvariablen. Vielleicht können die dargestellten Berechnungsmodelle die diesbezügliche Theoriebildung voran bringen.

Durch das gewählte Vorgehen könnten beim ersten Variablenausschluss Prädiktoren aussortiert worden sein, die unter Kontrolle von anderen Prädiktoren Varianzanteile der Abschlussnoten erklären.

6.3 Fazit für Praxis und Bildungspolitik

Mit den Berechnungsmodellen kann aufgezeigt werden, dass für die kaufmännische Berufslehrabschlussnote (E‒Profil) Faktoren der Lernenden, der Berufsfachschule und des Ausbildungsbetriebs bedeutsam sind. Dies macht eine gute Zusammenarbeit der beiden Lernorte für den Ausbildungserfolg der Lernenden und entsprechend auch für die Qualität der Ausbildung sehr wichtig.

Allerdings können die vorgestellten Ergebnisse nicht in dem Sinne interpretiert werden, wenn Lernende in den signifikanten Prädiktorvariablen positiv beeinflusst würden, daraus bessere Abschlussnoten resultierten. Vielmehr sollen diese Modelle die Varianz der schulischen und betrieblichen Berufslehrabschlussnote erklären. Dies hilft das duale Ausbildungssystem für die Berufslehre Kaufmann/-frau erweiterte Grundbildung in der Schweiz besser zu verstehen, in dem aufgezeigt wird, welche Lernenden darin erfolgreicher sind als andere. Anhand dieser Berechnungsmodelle kann aufgezeigt werden, wo systematisch Schwierigkeiten im Ausbildungssystem bestehen oder davon verursacht werden. Dadurch werden Anknüpfungspunkte zur besseren Unterstützung und Ausbildung der Lernenden, aber auch zur Unterstützung der involvierten Lernorte, sichtbar. Die Ausgestaltung dieser Unterstützung kann aber nicht direkt aus solchen Berechnungsmodellen abgeleitet werden, sondern bedarf einer eigenen systematischen Begründung.

 
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