< Zurück   INHALT   Weiter >

4 Ergebnisse

4.1 Schulische Herkunft und Ausbildungssituation

In der Hauswirtschaft ist der Anteil der Lernenden aus Sonderklassen/-schulen mit 51.0% am höchsten, gefolgt von der Schreinerei mit 21.4%, der Gastronomie mit 20.2% und dem Detailhandel mit nur 8.4%. Für die Branchen Detailhandel und Gastronomie zeigt ein Vergleich mit einer früheren Befragung der Anlehrlinge (Hofmann & Kammermann, 2009), dass der Anteil Lernender aus Sonderklassen/-schulen deutlich abgenommen hat (im Detailhandel von 34.7% auf 8.4%, in der Gastronomie von 46.8% auf 20.2%). Mehr als zwei Drittel der EBA-Lernenden absolvierten vor Ausbildungsbeginn eine oder mehrere Zwischenlösungen. Unterschiede nach schulischer Herkunft lassen sich bei dieser Frage nicht feststellen.

Die meisten EBA-Lernenden (85%) haben ihre Ausbildung in einem Lehrbetrieb im ersten Arbeitsmarkt absolviert, 15% in einem geschützten Rahmen. Vor allem in der Hauswirtschaft ist der Anteil der Lernenden im geschützten Umfeld mit 37% relativ hoch (gefolgt von der Gastronomie mit 21.1%, der Schreinerei mit 14% und dem Detailhandel mit 1.1%). Die schulische Herkunft beeinflusst erwartungsgemäss die Wahl des Ausbildungsumfelds: 89% der ehemaligen Regelklässler/-innen absolvierten ihre Ausbildung im ersten Arbeitsmarkt gegenüber 66% in der Gruppe der Lernenden aus Sonderklassen bzw. –schulen. Abbildung 2 zeigt, wie die EBA-Lernenden (differenziert nach schulischer Herkunft) verschiedene Ausbildungsaspekte im Rückblick bewerten.

Abbildung 2 Bewertung der Situation im Lehrbetrieb und in der Berufsfachschule nach schulischer Herkunft (N=525), *=auf dem 5%-Niveau sign. Unterschied, ** auf dem 1-% Niveau sign. Unterschied.

Sowohl Lernende aus Sonderschulen/-klassen wie auch Lernende aus Regelklassen beurteilen die Ausbildung positiv. Lernende, die ehemals Sonderklassen/schulen besuchten, empfanden das Klima in der Berufsfachschule sogar als noch etwas angenehmer (T-Test, t=-2.27, df=505, p<0.05), den Unterricht als vielseitiger (T-Test, t=-3.70, df=506, p<0.001), fühlten sich stärker mit dem erlernten Beruf verbunden (T-Test, t=-2.11, df=499, p<0.05) und waren auch insgesamt mit der Ausbildung zufriedener (T-Test, t=-2.33, df=508, p<0.05). Bezüglich Branchen ist festzustellen, dass Lernende aus der Schreinerei im Vergleich mit den anderen Branchen ihre Arbeit im Lehrbetrieb weniger vielseitig finden, ihre Leistungen kritischer einschätzen und das Klima in der Schule ungünstiger beurteilen. Lernende aus der Gastronomie fühlen sich ihrem Beruf verbundener und erleben die Schule als vielseitiger. Lernende aus der Hauswirtschaft beurteilen v.a. die Situation in der Berufsfachschule positiver (vielseitiger, bessere Leistungseinschätzung, weniger belastet). Zusätzlich zeigte sich, dass v.a. in der Gastronomie die Lernenden aus Sonderklassen/-schulen viele Aspekte im Vergleich mit den Regelklässler/-innen unterschiedlich beurteilen: Sie sind allgemein zufriedener, fühlen sich ihrem Beruf verbundener, empfinden den Unterricht und die Arbeit im Betrieb als vielseitiger, fühlen sich allerdings an beiden Lernorten stärker belastet. In den anderen Branchen unterscheiden sich die Beurteilungen jeweils nur in einzelnen Punkten.

Vor dem Hintergrund der weitgehend positiven Beurteilung der Ausbildungssituation stellt sich die Frage, ob sie ein Indikator dafür ist, dass die zusätzliche Unterstützung durch die fachkundige individuelle Begleitung (FiB) greift. Allerdings hatte nur rund ein Drittel zu den damaligen Zeitpunkten (2007, 2009) von diesem Angebot Kenntnis (unabhängig von der Branche und der schulischen Herkunft). Von diesen Personen haben etwas mehr als die Hälfte (54%) eine FiB in Anspruch genommen. Bei den Sonderklässler/-innen sind es mit 75% anteilsmässig signifikant mehr im Vergleich mit 48% bei den Regelklässler/-innen (Pearson Chi-Quadrat, χ2=8.27, df=1, p>0.01). Die Stellungnahmen der Lehrpersonen waren bezüglich Unterstützungsmöglichkeiten kritisch: Je nach Branche waren 40% (Schreinerei) bis zu 61% (Detailhandel) der Meinung, dass Leistungsschwächere trotz individueller Begleitung Mühe haben, den schulischen Anforderungen gerecht zu werden. Betriebliche Berufsbildende waren in diesem Punkt jedoch optimistischer.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >