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5 Diskussion

Dass bestimmte Merkmale der Entscheidungsfindung mit der Passungswahrnehmung zusammenhängen, deutet zunächst darauf hin, dass die Einschätzung, ein gewählter Beruf würde zu einem passen, nicht erst dann fixiert wird, wenn der Entscheid getroffen ist. Auch Merkmale der Entscheidungsfindung hängen mit der Passungswahrnehmung zusammen. Dies gilt in vergleichbarer Weise für alle drei hier untersuchten Gruppen, die Merkmale sind also transsituativ bedeutsam. Dieser Befund kann mit Blick auf drei Perspektiven eingeordnet werden, erstens im Kontext der berufswahltheoretischen Bedeutung, zweitens mit Bezug auf das Konzept der Entscheidungsprofile und drittens hinsichtlich dessen Relevanz für die berufsorientierende Handlungspraxis.

5.1 Präskriptive Entscheidungsmodelle

Berufswahltheoretisch lassen sich die Befunde zunächst im Kontext präskriptiver Entscheidungsmodelle einordnen. Im Gegensatz zu deskriptiven Entscheidungskonzepten, in denen vorwiegend Merkmale von Entscheidungen identifiziert und beschrieben werden, gehen präskriptive Zugänge davon aus, dass bestimmte Vorgehensweisen zu möglichst „guten“ Entscheidungsergebnissen führen. Dadurch wird die Qualität von getroffenen Entscheidungen mit der Art und Weise verknüpft, wie Menschen Entscheidungen finden (Tversky, 1972; Brown, 1994). Wie

„gut“ nun eine Entscheidung ist, also das Qualitätsmass, wird dabei weitgehend an subjektive Kriterien gebunden, also beispielsweise daran, inwiefern Individuen ein Ergebnis als nützlich einschätzen (Wright, 1984). In der vorliegenden Studie ist die Frage konzeptionell ähnlich modelliert. Auch hier geht es darum, bestimmte Vorgehensweisen auf das Ziel zu richten, eine möglichst „gute“ Entscheidung zu treffen, und auch hier stellt ein subjektives Mass das Gütekriterium dar. Eine hohe Passungswahrnehmung qualifiziert das erreichte Ergebnis positiv und lässt sich inhaltlich als Ausgangspunkt verstehen, die weitere Berufsbiografie produktiv zu gestalten. Wie vorliegende Ergebnisse zeigen, lässt sich dieser Ausgangspunkt als Ergebnis simultaner Wirkzusammenhänge von ineinander greifenden Haltungen und Handlungen modellieren, nämlich von aktivem Wissensaufbau, von der Tendenz, anstehende Entscheidungen nicht aufzuschieben und vom Anstreben eines möglichst idealen Berufs. Dieses Zusammenwirken ergänzt präskriptive Entscheidungskonzeptionen, die weitgehend linear aufgebaut sind und auf einander folgende Handlungsschritte vorschlagen.

 
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