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1 Einleitung

Am Ende der obligatorischen Schulzeit sollten Schülerinnen und Schüler insofern „für das Leben gerüstet“ (Programme for International Student Assessment, 2002) sein, als sie Kompetenzen erworben haben sollten, die ihnen einen erfolgreichen Weg ins Erwachsenenleben ermöglichen. So trat PISA im Jahre 2000 mit dem Anspruch an, Kompetenzen zu erfassen, die die Fähigkeit junger Menschen zur Weiterentwicklung ihres Wissens und ihrer Potenziale sowie zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben abbilden (ebd.). Auch die Schule hat den Anspruch und Auftrag, die Schülerinnen und Schüler insofern auf das Leben vorzubereiten, als grundlegende Kompetenzen vermittelt und bewertet werden. Darüber hinaus fungieren Zeugnisnoten, aber auch der auf Sekundarstufe I besuchte Schultyp als Leistungssignale in dem Sinne, dass sie weiterführenden Institutionen wie Lehrbetrieben, Schulen oder Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern einen Eindruck der Fähigkeiten der jungen Menschen vermitteln sollen. Doch inwieweit vermögen solche Leistungssignale und Kompetenzen den späteren Berufs- und Lebenserfolg vorherzusagen? Welchen Einfluss haben die von PISA gemessenen fachübergreifenden Kompetenzen und schulischen Leistungssignale im Verhältnis zu sozialer Herkunft und Laufbahnfaktoren? Und welche Bedeutung haben sie im Hinblick auf eine erfolgreiche Einmündung ins Erwerbsleben?

Als Erfolgskriterien können neben soziologischen oder ökonomischen Kriterien wie Einkommen oder beruflicher Status auch psychologische Indikatoren wie Zufriedenheit mit der allgemeinen Lebensoder der konkreten Arbeitssituation herangezogen werden (siehe auch Schellenberg et al. in diesem Buch). Aus erziehungswissenschaftlicher und bildungspolitischer Sicht gelten oftmals auch gradlinige Ausbildungswege als Kriterien des Erfolgs. Besonders bei jungen Erwachsenen, die erst am Anfang ihrer Berufslaufbahn stehen, ist überdies die subjektive Einschätzung, wie sich ihre Karriere weiterentwickeln wird, interessant, da davon auszugehen ist, dass die Laufbahnkonsolidierung noch im Gange ist und somit der höchste angestrebte Berufsstatus eine höhere Variation zwischen Berufsanfängerinnen und -anfängern aufweist als der tatsächliche. Unabhängig davon, wie realistisch und zutreffend diese subjektive Einschätzung sein mag, gibt sie Auskunft über die Wahrnehmung (beruflicher) Gestaltungs- und Teilhabemöglichkeiten bei jungen Erwachsenen. Es ist davon auszugehen, dass einerseits die wahrgenommene Möglichkeit zur individuellen Teilhabe eine wichtige Vorbedingung für die Bereitschaft zur Integration in diese Gesellschaft darstellt, was sie für soziologische wie politologische Analysen interessant macht. Andererseits ist diese Wahrnehmung auch aus psychologischer Perspektive interessant, da sie eine wichtige Vorbedingung für individuelles Wohlbefinden darstellen kann (Samuel, Keller, Bergman, & Semmer, 2014).

Die individuelle Einschätzung der Gestaltungsmöglichkeiten und auch das subjektive Wohlbefinden sind abhängig vom familiären Bezugsrahmen (Samuel, Bergman, & Hupka-Brunner, 2013): Jugendliche orientieren sich bezüglich ihrer persönlichen Ziele und beruflichen Ambitionen stark an ihren Eltern und sind zumeist auf deren Unterstützung im Berufswahlprozess angewiesen (Neuenschwander, 2008; Neuenschwander, Gerber, Frank, & Rottermann, 2012). Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund erleben die Migrationsgeschichte der Familie oft als „gemeinsames soziales Aufstiegsprojekt“, das sie fortzusetzen versuchen, dabei aber zumeist von ihren Eltern ein geringeres Mass an (vor allem praktischer) Unterstützung erfahren als ihre Jugendliche ohne Migrationshintergrund (Hadjar & Hupka-Brunner, 2013a). Die Beurteilung der eigenen beruflichen Position wird also auf Basis der familiären Herkunft vorgenommen und im Verhältnis zu dieser evaluiert.

Im vorliegenden Beitrag geben wir einen allgemeinen Überblick über die Transitionen der Schulabgangskohorte 2000 von der obligatorischen Schule ins Erwerbsleben. Dann fokussieren wir uns auf verschiedene Dimensionen des Erfolgs, die alle an die berufliche Position gebunden sind: Erstens werden wir den beruflichen Status zehn Jahre nach Beendigung der Schulpflicht untersuchen. Zweitens wird analysiert, wie die jungen Erwachsenen diesen Status im Rahmen ihres subjektiven Referenzsystems im Vergleich zu dem ihres Vaters wahrnehmen. Drittens wird schliesslich geprüft, welche berufliche Position die jungen Erwachsenen für sich selbst in der Zukunft antizipieren (Beruf mit 30 Jahren, Angabe im Alter von durchschnittlich 25 Jahren).

 
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