Daten, Operationalisierung und Methoden

Um die Forschungsfragen zu prüfen, wurden die Daten der Längsschnittstudie TREE (Transitionen von Erstausbildung ins Erwerbsleben) analysiert (TREE, 2013). TREE ist eine längsschnittliche Folgeuntersuchung der Schweizer PISA-Stichprobe von 2000. Die Stichprobe wurde bisher insgesamt neun Mal nachbefragt. [1] Für die vorliegenden Analysen wurden die Daten der PISA-Erhebung sowie der ersten acht Nachbefragungswellen (2001-2010, siehe Tabelle 1) verwendet. [2]

Für die Beschreibung der Ausbildungs- und Erwerbsverläufe wurden die verschiedenen Ausbildungs- und Erwerbssituationen inhaltlich gruppiert. Für jedes Erhebungsjahr kann dann abgebildet werden, wie viele Befragte sich beispielsweise in Ausbildung an allgemeinbildenden Schulen oder in Betrieben befinden oder auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Dabei werden die Hauptströme zwischen den verschiedenen Ausbildungs- und Erwerbssituationen dargestellt (Teilpopulationen mit einer Mindestgrösse von 4 Kohortenprozent). Die Daten wurden gewichtet und hochgerechnet, um Stichprobenverzerrungen zu korrigieren (Sacchi, 2011).

Für die Analyse des Transitionserfolgs wird auf Daten der achten Erhebungswelle aus dem Jahr 2010 zurückgegriffen: Zum einen wird für all jene, die hauptsächlich erwerbstätig sind, der erreichte Berufsstatus untersucht (Ganzeboom, de Graaf, & Treiman, 1992). Als hauptsächlich erwerbstätig gelten Erwerbstätige, die sich nicht in einer Ausbildung befinden, die normalerweise als Vollzeitausbildung angeboten wird (z.B. Studium an einer Universität). In der Analyse berücksichtigte Erwerbstätige, die in Ausbildung sind, verfolgen zumeist eine berufsbegleitende Ausbildung der höheren Berufsbildung (Tertiärstufe B), die der beruflichen Weiterbildung und Spezialisierung dient. Diese Einschränkung wurde vorgenommen, weil bei Studierenden zwar durchaus relevante Erwerbspensen vorliegen können; diese vermitteln aber ein inadäquates Bild der beruflichen Position, da es sich hier oft um „Nebenjobs“ handelt. Mit dieser Einschränkung stehen 2'103 Fälle für die Analyse zur Verfügung.

Tabelle 1 TREE-Sample und Rücklaufquoten.

* Basisstichprobe ** Adresserhebung: Teilnahmebereitschaft für TREE-Nachbefragung

Zum anderen wird die individuelle Beurteilung des intergenerationalen Statuserhalts innerhalb der Familie untersucht. Eine entsprechende Frage wurde allen Befragten der achten Befragungswelle gestellt. Dadurch liegen Angaben zum Status auch für Befragte vor, die z.B. in Ausbildung und (noch) nicht erwerbstätig sind. [3] Als Referenz wurde der Vergleich mit dem Status des Vaters gewählt, weil in den meisten Familien dieser Generation der Vater den höheren Status hat. Schliesslich wird der berufliche Status analysiert, den die jungen Erwachsenen für sich im Alter von 30 Jahren antizipieren. Im Gegensatz zum beruflichen Status, der nur für Erwerbstätige untersucht werden kann, werden hier alle Befragten der achten Befragungswelle einbezogen. [4]

Als Prädiktoren werden folgende Merkmale der sozialen Herkunft berücksichtigt, die alle in der (PISA)Basisbefragung im Jahr 2000 (Adams & Wu, 2002) erhoben wurden (siehe auch Tabelle 4 im Anhang): höchster beruflicher Status der Eltern (ISEI[5]), Bildungsniveau der Eltern (ISCED[6]), Migrationsstatus der Jugendlichen[7], Familienstruktur[8] sowie das Geschlecht der Jugendlichen. Zudem sollen Leistungsindikatoren wie die im Rahmen von PISA erhobene Lesekompetenz, der auf der Sekundarstufe I besuchte Schultyp, die Noten in der Unterrichtssprache und in Mathematik sowie der antizipierte berufliche Status mit 30 Jahren (jeweils erhoben am Ende der obligatorischen Schulzeit im Jahr 2000) berücksichtigt werden. Als weitere Prädiktoren werden Merkmale des Ausbildungsverlaufs auf der Sekundarstufe II einbezogen: Einerseits wird in der Analyse mit berücksichtigt, ob der Einstieg in eine zertifizierende Ausbildung der Sekundarstufe II direkt, verzögert oder gar nicht erfolgt ist und ob diese abgeschlossen wurde[9]. Andererseits werden soziogeografische Merkmale (Stadt/Land, Sprachregion) sowie die Erwerbs- und Ausbildungssituation (erwerbstätig, in Ausbildung oder arbeitslos) zum letzten Befragungszeitpunkt (2010) in die Analysemodellierung einbezogen. Eine Deskription der verwendeten Variablen befindet sich im Anhang (Tabelle 3) [10].

  • [1] Die neunte Erhebung erfolgte im Jahr 2014, die Daten dieser Erhebung lagen zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung noch nicht vor.
  • [2] Die Erhebung erfolgte in den Jahren 2001-2004 hauptsächlich mittels schriftlichem Fragebogen. Ab 2005 wurden die Befragten zuerst mittels CATI (Computer Assisted Telephone Interview) befragt, anschliessend erhielten sie einen an ihre Situation angepassten schriftlichen Fragebogen. Befragten, die telefonisch nicht erreicht werden konnten, wurde ein schriftlicher Proxy-Fragebogen zugeschickt.
  • [3] Hier haben 419 Personen angegeben, dass sie diese Frage nicht beantworten können. 57 gaben an, dass sie mit 30 Jahren keinen Beruf ausüben würden. Diese Personen wurden – ebenso wie diejenigen, bei denen keine gültigen Angaben vorliegen – aus dieser Analyse ausgeschlossen. Es verbleiben 2'698 Fälle in der Analyse.
  • [4] Da diese Frage aber in einem zweiten Teil der Erhebung, im Ergänzungsfragebogen, erhoben wurde, und der Rücklauf hier etwas geringer ist, ist die Fallzahl insgesamt geringer (1'413 Fälle) als bei den anderen beiden Fragen.
  • [5] International Socio-Economic Index.
  • [6] International Standard Classification of Education.
  • [7] Jugendliche, bei denen mindestens ein Elternteil in der Schweiz geboren wurde, werden als „ohne Migrationshintergrund“ klassifiziert. Jugendliche, die in der Schweiz geboren wurden und deren Eltern in die Schweiz migrierten, zählen als zweite Generation; Jugendliche, die selber in die Schweiz eingewandert sind, gelten als erste Generation.
  • [8] Die PISA-Frage lautete: „Wer lebt normalerweise mit dir zusammen?“. Folgende Antwortmöglichkeiten waren vorgegeben: Mutter (auch Stiefoder Pflegemutter), Vater (auch Stiefoder Pflegevater), Bruder/Brüder oder Stiefbrüder, Schwester/Schwestern oder Stiefschwestern, Grossmutter oder Grossvater, andere Personen. Diese wurden gruppiert, je nachdem, ob die Jugendlichen in einer Kernfamilie oder anderen Familienform (alleinerziehende Eltern, Sonstiges) leben.
  • [9] Weitere denkbare Verlaufsindikatoren wie Wechselereignisse oder Repetitionen werden – im Sinne einer sparsamen Modellierung – nicht einbezogen, da davon auszugehen ist, dass diese im Vergleich zum Sekundarstufe II-Zertifikat weniger bedeutsam sind bzw. deren Effekte mediiert werden. Verlaufsindikatoren jenseits des Bildungssystems (kritische Lebensereignisse, Erwerbsverläufe) werden ebenfalls nicht berücksichtigt, weil diese nicht im Zentrum der Fragestellung stehen und auch hier Mediatoreffekte vermutet werden.
  • [10] Auch für die multivariaten Analysen wurden die Daten gewichtet und in STATA mittels svy-set Funktion ausgewertet, um mögliche Verzerrungen aufgrund des Stichprobenschwunds über die Zeit auszugleichen und die komplexe Struktur der TREE-Stichprobe adäquat abzubilden.
 
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