< Zurück   INHALT   Weiter >

4 Ergebnisse: Ausbildungsverläufe und Transitionserfolg

In einem ersten Abschnitt sollen nun die Ausbildungsverläufe der Jugendlichen in den ersten zehn Jahren nach Austritt aus der obligatorischen Schulzeit dargestellt werden. Danach folgt ein Abschnitt, der einen Überblick über verschiedene Aspekte des Transitionserfolgs gibt, und schliesslich multivariat prüft, welche Faktoren, die bereits am Ende der obligatorischen Schulzeit wirkten, auch zehn Jahre später noch einen Einfluss haben.

4.1 Ausbildungs- und Erwerbsverläufe in den ersten zehn Jahren nach Schulaustritt aus der obligatorischen Schule

Jugendliche stehen am Ende der 9. Klasse vor einer wichtigen Weichenstellung: Wie aus Abbildung 1 ersichtlich ist, gelingt rund drei Vierteln der Jugendlichen ein direkter Einstieg in eine zertifizierende Ausbildung der Sekundarstufe II. Rund die Hälfte der Kohorte (49%) steigt in eine Berufsbildung ein, 27% gelingt der direkte Einstieg in eine allgemeinbildende Schule (Gymnasium, Diplom-/ Fachmittelschule). Die zum Transitionszeitpunkt der TREE-Kohorte ausgeprägte Lehrstellenknappheit spiegelt sich in der beträchtlichen Anzahl Jugendlicher wider, die keinen direkten Einstieg in die Sekundarstufe II schaffen: Rund 20% besuchen im Jahr nach Schulaustritt eine Zwischenlösung (ZL) wie z.B. ein zehntes Schuljahr, Praktikum, Sprachaufenthalt u.ä. 4% der Jugendlichen sind zu diesem Zeitpunkt weder in Ausbildung noch erwerbstätig (NEET [1]).

Verfolgt man die Ausbildungswege jener Jugendlichen, die im Jahr 2001 in die Allgemeinbildung einstiegen, so zeigt sich, dass diese relativ linear verlaufen und fast vollständig in den Tertiärbereich münden: Ab 2003 beginnt der Übertritt in den Tertiärbereich, 2007 befinden sich 24% der Kohorte in einer Tertiärausbildung. Wechsel von der Allgemeinbildung in die Berufsbildung kommen kaum vor. Zwischenlösungen oder Phasen ohne Ausbildung erfolgen zumeist nach der gymnasialen Maturitätsprüfung [2], wenn Jugendliche einen Sprachaufenthalt machen oder jobben, bevor sie das Studium aufnehmen.

Legende/Lesehilfe: NIA: nicht in Ausbildung; ZL: Zwischenlösung; EOA: Erwerb ohne Ausbildungsabschluss; NEET: weder in Ausbildung noch erwerbstätig; Sek II AB: Sekundarstufe II Allgemeinbildung; Sek II BB: Sekundarstufe II Berufsbildung; Tertiär A: Universität und Fachhochschule; Tertiär B: höhere Fachschulen, Fach- und Berufsprüfungen; schraffiert: Sek. II-Abschluss vorhanden; gepunktet: parallel zur Ausbildung erwerbstätig. Die Balken geben an, wie viele Befragte sich in diesem Jahr in der jeweiligen Situation befinden; die „Äste“ geben an, wie viele Jugendliche zwischen zwei Situationen gewechselt / geblieben sind.

Dargestellt sind nur Ausbildungs- und Erwerbssituationen, die auf mindestens 4% der Kohorte zutreffen. In Zeilensummen ergeben sich Abweichungen von 100% aus der fehlenden Darstellung von Ausbildungs- und Erwerbssituationen, die auf weniger als 4% der Befragten zutreffen, sowie aufgrund von Rundungsfehlern.

Abbildung 1 Ausbildungs- und Erwerbsverläufe der Schulabgangskohorte 2000.

Jene Jugendlichen, die im Jahr 2001 ihre nachobligatorische Ausbildung mit einer Zwischenlösung starteten, schaffen im Folgejahr (2002) zu 80% den Eintritt in eine Berufsausbildung, 20% machen ein weiteres Zwischenjahr. Erfreulich ist, dass die Jugendlichen, die im Jahr 2001 ausbildungslos waren, zu einem grossen Teil nicht ausbildungslos bleiben (kein „Ast“ zwischen den Ausbildungslosen in 2001 und 2002). Da die meisten Jugendlichen, die erst verzögert in eine Ausbildung auf der Sekundarstufe II einsteigen, den Weg in die Berufsbildung finden, steigt deren Anteil in den Folgejahren auf 65%. Ab 2003/2004 kann ein Grossteil der Lernenden in der Berufsbildung die Ausbildung abschliessen und steht somit vor der zweiten Schwelle, dem Übergang in den Arbeitsmarkt. Dabei erfolgt dieser Übergang bei Weitem nicht so zügig wie der Übergang der Jugendlichen aus der Allgemeinbildung.

Auch an der zweiten Schwelle sind etliche Jugendliche von Zwischenlösungen und NEET-Phasen betroffen. Der Übergang ins Erwerbsleben erfolgt aufgrund erheblicher Diskontinuitäten in der Berufsbildung (verzögerter Einstieg, Repetitionen, Lehrstellenwechsel, etc.) gestaffelt. Auch hier ist festzustellen, dass diese Unterbrüche vorübergehend sind und die meisten Jugendlichen im Folgejahr den Einstieg ins Erwerbsleben (oder eine weitere Ausbildungphase, vorwiegend auf Tertiärstufe) geschafft haben. 2010, also zehn Jahre nach Austritt aus der obligatorischen Schule und im Alter von durchschnittlich 26 Jahren, waren rund zwei Drittel der Kohorte (ausschliesslich) erwerbstätig[3], davon sechs Kohortenprozent ohne nachobligatorischen Abschluss. Rund ein Viertel sind noch auf Tertiärstufe in Ausbildung (17% auf Tertiärstufe A, 7% auf Tertiärstufe B). Sieben Prozent der Kohorte befanden sich 2010 weder in Ausbildung, noch waren sie erwerbstätig.

  • [1] Englisches Akronym für "Not in Education, Employment or Training".
  • [2] Zusatzauswertungen, nicht dargestellt.
  • [3] Berücksichtigt man diejenigen, die sowohl in Ausbildung als auch erwerbstätig sind, liegt die Erwerbsquote der Kohorte bei über 80 Prozent.
 
< Zurück   INHALT   Weiter >