Einflussfaktoren in multivariater Betrachtungsweise

Hinsichtlich des erreichten Berufsstatus (Tabelle 3) zeigt sich unter ansonsten vergleichbaren Bedingungen, dass dieser bei Frauen geringer ist als bei Männern. Migrantinnen und Migranten der zweiten Generation – d.h. Personen, die in der Schweiz geboren wurden, deren Eltern aber aus dem Ausland stammen (Secondos) – erreichen ceteris paribus [1] einen höheren beruflichen Status als Personen ohne Migrationshintergrund. Dies könnte an einer stärkeren Aufstiegsorientierung in Familien mit Migrationshintergrund liegen, die zumeist nicht gut (in hohe Schulabschlüsse und berufliche Positionen) umgesetzt werden kann, weil die Ressourcen der Familie und die schulischen Leistungen der Kinder und Jugendlichen oftmals nicht ausreichen.

Betrachtet man nun den antizipierten beruflichen Status im Alter von 30 Jahren, den die Befragten im Jahr 2010, also im Alter von durchschnittlich 26 Jahren, angegeben haben, erkennt man, dass die soziale Herkunft keinen Einfluss hat, was insofern interessant ist, als der antizipierte für den erreichten Status z.T. durchaus bedeutsam ist. Laut Tabelle 2 erwarten die jungen Erwachsenen im Alter von durchschnittlich 26 Jahren, dass sich ihr Status in den kommenden vier bis fünf Jahren im Mittel um rund vier ISEI-Punkte erhöhen wird. Analog zum erreichten Status findet sich bei Frauen ein niedrigerer antizipierter Status als bei Männern. Leistungsmerkmale scheinen sich auf den antizipierten Status sogar etwas stärker als auf den erreichten auszuwirken.

Tabelle 3 Lineare Regressionen zur beruflichen Position junger Erwachsener.

Tabelle 3 Fortsetzung

Signifikante Koeffizienten fett (p < .05). In Klammern: Standardfehler.

1 Zwischenlösung / nicht in Ausbildung.

Auch hier sind der auf Sekundarstufe I besuchte Schultyp, die Lesekompetenz und der am Ende der obligatorischen Schulzeit antizipierte Status bedeutsam, nicht aber die Noten in der Unterrichtssprache und Mathematik. Hinsichtlich der Verlaufsindikatoren zeigt sich ein ähnlicher Effekt wie beim erreichten Status, allerdings in schwächerer Form: Jene Befragten, die einen Abschluss der Tertiärstufe A erlangt haben, rechnen sich eine deutlich bessere berufliche Position aus als Jugendliche ohne Abschluss. Unterschiede hinsichtlich des Urbanisierungsgrades zeigen sich nicht, aber hinsichtlich der Sprachregionen, wobei die Befragten in der italienischsprachigen Schweiz für sich eine bessere berufliche Position antizipieren. Schliesslich zeigt sich, dass jene jungen Erwachsenen, die erwerbstätig und in Ausbildung sind, eine deutlich bessere berufliche Position mit 30 Jahren erwarten, als Erwachsene, die nur erwerbstätig sind und keiner weiteren Ausbildung nachgehen.

  • [1] D.h. unter statistischer Kontrolle aller anderen im Modell berücksichtigten Faktoren (unter ansonsten gleichen Bedingungen).
 
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