PEGIDA: Hintergründe und Entwicklungen

Entwicklung der Teilnehmerzahlen

PEGIDA fand zwar in zahlreichen Städten in der Bundesrepublik Deutschland Nachahmer, Fuß fassen konnte sie jedoch lediglich in Dresden und unter der Bezeichnung " Leipzig gegen die Islamisierung des Abendlandes" (LEGIDA) in begrenzterem Rahmen in Leipzig. Ausgehend von rund 350 Teilnehmern am 20. Oktober 2014 gingen die Teilnehmerzahlen bei PEGIDA schnell in die Höhe. Bereits Mitte November 2014 nahmen mehr als 3 000 Menschen an diesen Demonstrationen teil, am 8. Dezember gingen erstmals rund 10 000 Menschen bei PEGIDA auf die Straße. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte PEGIDA am 12. Januar 2015, als die Polizei von 25 000 Teilnehmern sprach. Mit den steigenden Teilnehmerzahlen stieg die Berichterstattung sprunghaft an. Gemessen an der Zahl der Schlagzeilen bei Google News scheint das Erreichen der 10 000-Marke an Demonstranten bei PEGIDA der Punkt gewesen zu sein, an dem spätestens PEGIDA von einem innersächsischen zu einem bundesweiten und zum Teil auch internationalen Medienthema wurde (Grimm 2015).

Parallel zum gestiegenen öffentlichen Interesse an PEGIDA rückte das Demonstrationsgeschehen auch ins wissenschaftliche Erkenntnisinteresse, mit der Folge, dass ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das die Teilnehmerstruktur und Einstellungen der PEGIDA-Demonstranten untersuchte, erhebliche Zweifel an den Teilnehmerzahlen der Polizei anmeldete und für den 12. Januar 2015 von 17 000 Demonstranten sprach (Rucht u. a. 2015a: 6). [1] Waren die Teilnehmerzahlen bis zu diesem Zeitpunkt konstant nach oben gegangen, sanken diese in der Folge erstmalig bei der folgenden Demonstration am 25. Januar 2015 nach Angaben der Polizei auf 17 300 Teilnehmer. Eine PEGIDA-Kundgebung am 19. Januar 2015 sowie alle Gegenkundgebungen wurden kurzfristig durch die Polizei untersagt, weil es aus islamistischen Kreisen eine konkrete Bedrohungssituation für ein Mitglied des Organisationsteams von PEGIDA gegeben habe.

In Leipzig ging LEGIDA erstmals am 12. Januar 2015 auf die Straße. Die Polizei sprach hier von rund 4 800 Demonstranten. Eine erneute Demonstration von LEGIDA erfolgte am 21. Januar 2015. Während die Polizei von 15 000 Teilnehmern sprach, werden auch diese Zahlen mittlerweile von wissenschaftlicher Seite erheblich in Zweifel gezogen. Der Fachschaftsrat Soziologie ermittelte eine maximale Teilnehmerzahl von 5 000 Demonstranten (FSR Sozio: 2015).

In Folge der öffentlichen Kritik an den von der Polizei herausgegebenen Zahlen reagierte diese nicht etwa mit Transparenz, indem sie beispielsweise die für ihre eigene Zählung herangezogenen Luftaufnahmen veröffentlichte, sondern mit der Ankündigung, keine eigenen Zahlen mehr zu veröffentlichen, sondern sich nur noch auf die Angaben der Veranstalter zu beziehen (Gebauer/Röbel 2015). Für den 30. 01. 2015 beläuft sich die Schätzung von Journalisten auf rund 1 500 Teilnehmer an der LEGIDADemonstration. Nachdem die Organisatoren von LEGIDA zunächst für sämtliche Freitage im Jahr 2015 Kundgebungen angemeldet hatten, machten sie am 02. 02. 2015 einen Rückzieher und meldeten alle Demonstrationen wieder ab (LVZ 2015). Ob und wie LEGIDA in Leipzig weiter demonstrieren wird, ist unklar.

Obwohl die PEGIDA-Bewegung in vielen deutschen Städten Nachahmer fand, gelang es nur in Sachsen in nennenswertem Umfang Teilnehmer zu den Demonstrationen zu mobilisieren. Mehr noch: Während es in der gesamten Bundesrepublik gelang, die PEGIDA-Proteste durch zahlenmäßig deutlich überlegene Gegendemonstrationen zu marginalisieren, gelang dies in Sachsen nur in Leipzig. In Dresden überwog die Zahl der PEGIDA-Demonstranten von Anbeginn deutlich die Zahl der Gegendemonstranten. Damit muss die PEGIDA-Bewegung in erster Linie als sächsisches und hier vor allem Dresdner Problem interpretiert werden. [2]

Tabelle 1 zeigt die Entwicklung der Teilnehmerzahlen der PEGIDAund LEGIDADemonstrationen. Diese basieren auf Angaben der Polizei wie sie von der Polizeidirektion Dresden bzw. der Polizeidirektion Leipzig veröffentlicht wurden. Wo es Zahlen von unabhängigen Wissenschaftlern gibt, sind diese kontrastierend den Zahlen der Polizei gegenübergestellt. Dabei handelt es sich um die Quellen, die im vorangehenden Text bereits eingeführt wurden. Die Zahl der LEGIDA-Demonstranten am 30. 01. 2015 ist Medienangaben entnommen.

Tabelle 1 Entwicklung der Teilnehmerzahlen bei PEGIDAund LEGIDA-Demonstrationen in Dresden und Leipzig

Datum

Teilnehmerangaben Polizei

Teilnehmerangaben wissenschaftliche Untersuchungen/Medienangaben

20. 10. 2014 (PEGIDA)

350

k. A.

27. 10. 2014 (PEGIDA)

500

k. A.

03. 11. 2014 (PEGIDA)

1 000

k. A.

10. 11. 2014 (PEGIDA)

1 700

k. A.

17. 11. 2014 (PEGIDA)

3 200

k. A.

24. 11. 2014 (PEGIDA)

5 500

k. A.

01. 12. 2014 (PEGIDA)

7 500

k. A.

08. 12. 2014 (PEGIDA)

10 000

k. A.

15. 12. 2014 (PEGIDA)

15 000

k. A.

22. 12. 2014 (PEGIDA)

17 500

k. A.

05. 01. 2015 (PEGIDA)

18 000

k. A.

12. 01. 2015 (PEGIDA)

25 000

max. 18 400

12. 01. 2015 (LEGIDA)

4 800

k. A.

21. 01. 2015 (LEGIDA)

15 000

max. 5 000

25. 01. 2015 (PEGIDA)

17 300

k. A.

30. 01. 2015 (LEGIDA)

k. A.

ca. 1 500

  • [1] Zur Frage, wie Teilnehmerzahlen auf Demonstrationen ermittelt werden können, hat Dieter Rucht aus aktuellem Anlass einen kurzen Artikel auf der Homepage des Instituts für Protestund Bewegungsforschung veröffentlicht (Rucht 2015b).
  • [2] Auf die Frage, warum PEGIDA in Dresden Fuß fassen konnte und nicht in Leipzig kann nicht vertieft eingegangen werden. Einige Überlegungen zu dieser Frage hat jedoch Dietrich Herrmann angestellt (Herrmann 2015).
 
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