Definition Bildungspfade

Grundsätzlich ist das schweizerische Bildungssystem auf die Kombination von ausschliesslich beruflichen oder ausschliesslich akademischen Ausbildungen ausgerichtet. [1] Rein berufliche Bildungspfade umfassen eine berufliche Grundbildung sowie anschliessend den Abschluss einer Fachhochschule, Fachschule, eidgenössischen Berufsprüfung oder höheren Fachprüfung. Somit stehen auf tertiärer beruflicher Stufe eine Vielzahl an Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung, die den Arbeitskräften die Qualifikationen zur Ausübung anspruchsvollerer und verantwortungsvollerer Berufstätigkeiten vermitteln (SKBF, 2010, S. 244). Die tertiäre berufliche Ausbildung dient damit der Spezialisierung und der Kaderausbildung von Berufsleuten (Schweizerischer Bildungsserver, 2014). Das entscheidende Zulassungskriterium zu den genannten tertiären beruflichen Ausbildungen stellt die berufliche Grundbildung dar, wobei für Fachhochschulen zusätzlich eine eidgenössische Berufsmaturität erforderlich ist.

Rein akademische Bildungspfade umfassen eine gymnasiale Maturität sowie anschliessend den Abschluss einer Universitären Hochschule oder der Eidgenössisch Technischen Hochschulen (ETH). Der Eintritt in die Maturitätsschule ist abhängig von Erfahrungsnoten, Empfehlung der Lehrperson und bestandener Aufnahmeprüfung, wobei nicht alle Zulassungskriterien in allen Kantonen zur Anwendung kommen. Akademische Bildung auf Sekundarstufe II, d.h. die gymnasiale Maturität, vermittelt eine ausgewogene, breit gefächerte und kohärente Ausbildung, die nicht beruflich oder fachspezifisch ist, und bereitet auf den Eintritt in Universitäre, Pädagogische und Eidgenössische Technische Hochschulen vor. Akademische Bildung auf der tertiären Stufe, an einer Universitären oder einer Eidgenössischen Technischen Hochschule, vermittelt eine wissenschaftszentrierte Ausbildung und beinhaltet vorwiegend Grundlagenforschung.

Neben diesen rein akademische bzw. rein berufliche Ausbildungen umfassenden Bildungspfaden sind aufgrund der Durchlässigkeit des schweizerischen Bildungssystems jedoch auch Kombinationen von akademischen und beruflichen Ausbildungen möglich. Wir bezeichnen Bildungspfade, die sowohl akademische als auch berufliche Ausbildungen umfassen, als gemischte Bildungspfade. Auf der einen Seite sind Personen mit gymnasialer Maturität zu den beruflichen tertiären Ausbildungen zugelassen, sofern diese Personen ein gewisses Mass an beruflicher Praxis vorweisen. Auf der anderen Seite haben Personen, die die Berufsmaturität und die Ergänzungsprüfung Passerelle ,Berufsmaturität universitäre Hochschule' absolviert haben, sowie Personen mit einem Bachelorabschluss einer Fachhochschule bei entsprechender Eignung einen grundsätzlichen Zugang zu allen universitären Hochschulen. In der vorliegenden Arbeit werden dabei alle Bildungspfade, die irgendwann einen Wechsel zwischen den beiden Bildungszweigen umfassen, unter den gemischten Bildungspfaden zusammengefasst. Inwiefern der Zeitpunkt des Wechsels (vor oder nach der tertiären Ausbildung) relevant ist, kann im Rahmen der vorliegenden Studie nicht beantwortet werden, da die Fallzahlen hierfür zu gering sind. Personen, die im Laufe ihrer Ausbildung mehrmals zwischen dem beruflichen und akademischen Bildungszweig wechseln, werden nicht berücksichtigt – wobei dies in der Schweiz (im Gegensatz zu Deutschland) kaum beobachtet wird (Bellmann & Stephani, 2012; Hillmert & Jacob, 2003, S. 320; Pilz, 2009).

In Abbildung 2 sind die Häufigkeiten der verschiedenen Bildungspfade abgebildet. Wie zu erwarten war, bilden Bildungspfade mit rein beruflichen, bzw. rein akademischen Ausbildungsinhalten die Mehrheit. So weisen 48% der Personen mit tertiärem Abschluss einen rein beruflichen und 34% der Personen mit tertiärem Abschluss einen rein akademischen Bildungspfad auf. Allerdings sind auch gemischte Bildungspfade keine Seltenheit. So kombinieren 18% aller Personen in unserer Stichprobe berufliche und akademische Ausbildungen. [2]

Abbildung 2 Verteilung rein akademische, rein berufliche und gemischte Bildungspfade in der Schweiz. Quelle: Eigene Berechnung, basierend auf MZB 2011.

  • [1] Die folgenden Angaben basieren auf SKBF 2006, 2010, 2014, EDK, 1995, dem Schweizerischen Bildungsserver 2011 (educa.ch) und Hoeckel et al. 2009.
  • [2] Drei von vier Personen mit gemischtem Pfad starten mit akademischer Bildung, d.h. mit einer Maturität, und wechseln dann in den beruflichen Zweig. Ebenso findet der Wechsel vom akademischen zum beruflichen, bzw. vom beruflichen zum akademischen Zweig bei drei von vier Personen mit gemischtem Pfad direkt nach der Sekundarstufe II statt.
 
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