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5 Empirische Befunde

5.1 Familiäre Faktoren

Den theoretischen Überlegungen folgend vermuten wir, dass der Ausbildungsabschluss der Eltern einen bedeutenden Einfluss auf den Bildungspfad der Kinder ausübt (H1). Die Resultate der multinomialen logistischen Regression bestätigen den signifikanten Zusammenhang zwischen dem Ausbildungsabschluss der Eltern und dem Bildungspfad. [1] In Abbildung 3 sind die verschiedenen Wahrscheinlichkeiten einer Person, einen bestimmten Bildungspfad zu wählen, in Abhängigkeit des Ausbildungsabschlusses der Eltern dargestellt.

Abbildung 3 Erwartete Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Bildungspfad einzuschlagen, in Abhängigkeit der Ausbildung der Eltern. Quelle: Eigene Berechnung, basierend auf MZB 2011.

Die Quadrate zeigen die erwartete Wahrscheinlichkeit, einen rein beruflichen Bildungspfad einzuschlagen. Personen mit Eltern ohne Ausbildung auf tertiärer Stufe haben eine Wahrscheinlichkeit von über 50%, diesen rein beruflichen Weg einzuschlagen. Diese Wahrscheinlichkeit ist rund 10% tiefer, wenn die Eltern einen beruflichen Abschluss auf tertiärer Stufe besitzen. Personen mit akademischen Eltern haben die tiefste Wahrscheinlichkeit, einen rein beruflichen Bildungspfad einzuschlagen; diese liegt bei 17%.

Die Kreise zeigen die erwartete Wahrscheinlichkeit, einen rein akademischen Bildungspfad einzuschlagen. Personen, deren Eltern keinen Abschluss auf tertiärer Stufe haben, folgen diesem Bildungspfad mit einer Wahrscheinlichkeit von 27%. Haben die Eltern einen beruflichen tertiären Abschluss, liegt sie bei 32%. Personen mit akademischen Eltern weisen die höchste Wahrscheinlichkeit aus, diesen rein akademischen Bildungspfad zu wählen: Sie liegt bei 59%.

Die Dreiecke zeigen die erwartete Wahrscheinlichkeit, einen gemischten Bildungspfad zu haben. Personen mit Eltern ohne Abschluss wählen einen gemischten Bildungspfad mit einer erwarteten Wahrscheinlichkeit von 19%. Haben die Eltern einen beruflichen Abschluss, liegt diese bei 23%. Bei Personen mit akademischen Eltern beträgt sie 24%. Die Resultate zeigen somit, dass es keinen systematischen Zusammenhang zwischen einem bestimmten Typ eines Ausbildungsabschlusses der Eltern und gemischten Bildungspfaden der Kinder gibt.

In einem nächsten Schritt analysieren wir, ob sich der Einfluss des Ausbildungsabschlusses der Eltern zwischen Mutter und Vater unterscheidet. Unsere Hypothese lautet, dass sich der Einfluss des Ausbildungsabschlusses der Mutter nicht vom Einfluss der Ausbildungsabschlusses des Vaters unterscheidet (H2), was durch die Resultate der multinomialen logistischen Regression bestätigt wird. Die Wahrscheinlichkeiten einen bestimmten Bildungspfad zu wählen sind in Abbildung 4a und Abbildung 4b dargestellt. [1]

Abbildung 4a Erwartete Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Bildungspfad einzuschlagen, in Abhängigkeit der Ausbildung der Mutter. Quelle: Eigene Berechnung, basierend auf MZB 2011.

Abbildung 4b Erwartete Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Bildungspfad einzuschlagen, in Abhängigkeit der Ausbildung des Vaters. Quelle: Eigene Berechnung, basierend auf MZB 2011.

Die Quadrate zeigen erneut die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person einen rein beruflichen Bildungspfad einschlägt. In Abbildung 4a ist diese in Abhängigkeit der Ausbildung der Mutter wiedergegeben, in Abbildung 4b in Abhängigkeit der Ausbildung des Vaters. Unabhängig vom Geschlecht des Elternteils ist sie am höchsten, wenn der Vater oder die Mutter keine tertiäre Ausbildung aufweisen. Die erwartete Wahrscheinlichkeit ist ebenfalls relativ hoch für Kinder, deren Mütter bzw. Väter einen beruflichen tertiären Abschluss besitzen und ist am geringsten für Kinder, deren Mütter bzw. Väter einen akademischen Abschluss aufweisen. Somit bestätigt diese separate Betrachtungsweise die bereits in Abbildung 3 aufgezeigten Zusammenhänge für den Ausbildungsabschluss der Eltern und den Bildungspfad der Kinder.

Die Kreise zeigen die Wahrscheinlichkeiten, dass sich eine Person für einen rein akademischen Bildungspfad entscheidet, wiederum separat für die Ausbildung der Mutter und die Ausbildung des Vaters. Wiederum bestätigen sich die bereits für den Ausbildungsabschluss der Eltern gefundenen Zusammenhänge: Personen, deren Mutter bzw. Vater einen akademischen Abschluss besitzen, haben die höchste Wahrscheinlichkeit einen rein akademischen Bildungspfad einzuschlagen.

Die Dreiecke zeigen die Wahrscheinlichkeiten, dass eine Person einen gemischten Bildungspfad einschlägt. Unabhängig vom Geschlecht und vom Bildungsstand der Eltern liegt diese zwischen 21% und 26% und variiert somit kaum. Zusammenfassend zeigen die Resultate also, dass der Ausbildungsabschluss der Eltern einen signifikanten Einfluss auf den Bildungspfad der Kinder hat: Personen, deren Eltern keine tertiäre Ausbildung haben, schlagen mit höherer Wahrscheinlichkeit einen rein beruflichen Bildungspfad ein; Personen, deren Eltern ein Studium an einer Universität oder an einer ETH absolviert haben, schlagen mit höherer Wahrscheinlichkeit einen akademischen Weg ein. Hinsichtlich gemischter Bildungspfade sind keine systematischen Unterschiede in Abhängigkeit des Ausbildungsabschlusses der Eltern erkennbar. Die separaten Schätzungen für den Einfluss der Ausbildung der Mutter und der Ausbildung des Vaters bestätigen diese Ergebnisse und zeigen, dass der Einfluss der Mutter und des Vaters sich kaum unterscheidet.

  • [1] Die Resultate der multinomialen logistischen Regression können auf Anfrage bei den Autoren angefordert werden.
  • [2] Die Resultate der multinomialen logistischen Regression können auf Anfrage bei den Autoren angefordert werden.
 
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