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3 Methoden

3.1 Stichprobe

Datenbasis bildet die Zürcher Längsschnittstudie „Von der Schulzeit bis zum mittleren Erwachsenenalter“ (kurz: ZLSE). Bei der ZLSE handelt es sich um eine begleitende Längsschnittstudie, die bisher zehn Erhebungen (B1 bis B10) umfasst (Schallberger & Spiess Huldi, 2001; Schmaeh, Hättich, Häfeli & Schellenberg, 2013a). Abbildung 1 enthält das Studiendesign der ZLSE und zeigt die verschiedenen Erhebungszeitpunkte vom 15. bis zum 49. Lebensjahr[1]. Für die Basiserhebung wurden zufällig Klassen ausgewählt, deren Personen sich bei der Erstmessung 1978 im letzten Schuljahr befanden. Der Grossteil von ihnen ist also im Jahr 1963 geboren. Bei der Erstbefragung nahmen 2357 Untersuchungspersonen teil. 1706 aus der deutsch- und 651 aus der französischsprachigen Schweiz (Phase 1). In der Folge wurden aus ökonomischen Gründen für die weiteren Erhebungswellen, mit einer Ausnahme, nur noch die Teilnehmenden aus der deutschsprachigen Schweiz kontaktiert. Bei der zehnten und bisher letzten Befragung (B10) im Jahr 2012 wurden die Angaben zur beruflichen und ausserberuflichen Entwicklung vom 36. bis zum 49. Altersjahr aktualisiert. Dank einer hohen Rücklaufquote von 76% bei der letzten Befragung umfasst das Sample 485 Personen und repräsentiert die ursprünglich aus sechs Deutschschweizer Kantonen stammende Stichprobe sehr gut (Schmaeh, Hättich, Häfeli & Schellenberg, 2013a). Die aktuelle Studie wurde von der Hochschule für Heilpädagogik (HfH) und der Universität Basel, mit finanzieller Unterstützung vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), durchgeführt.

Abbildung 1 Studiendesign der Zürcher-Längsschnittstudie.

3.2 Instrumente und Dimensionen

Berufsstatus

In der Welle B10 wurde die berufliche Tätigkeit mittels eines „Life-Graphs“ erfasst, welcher die Art der Tätigkeit, Position, Anstellungsgrades und des Beginns sowie des Endes beruflicher Tätigkeiten mittels Textvariablen erfasste. Diese Angaben wurden in ISEI08 umgerechnet („International Socio-Economic Index of Occupational Status“). Es handelt sich hier um ein international standardisiertes Instrument, bei dem die Berufstätigkeiten nach ihrem gesellschaftlichen Ansehen eingeteilt werden (Ganzeboom & Treimann, 1996). Der niedrigste Wert des Index beträgt 11.01 (z.B. Farmer, Fischer oder Jäger), der höchste 88.96 (Richter). Zum genaueren Vorgehen siehe Hättich, Häfeli, Schellenberg und Schmaeh (2014). Zur Beschreibung von Karrieremustern wurden drei Gruppen gebildet: Gruppen mit tiefem (10 bis 40.14), mittlerem (40.15 bis 59.10) und hohem Berufsstatus (59.11

bis 89).

Berufsfelder

Zur Kategorisierung der Berufe nach dem Berufstyp von Holland wurde das Berufsregister des EXPLORIX Berufswahlinstrumentes verwendet, welches für Schweizer Verhältnisse entwickelt wurde (Jörin, Stoll, Bergmann & Eder, 2003; Jörin Fux, Stoll, Bergmann & Eder, 2013). Die Berufsangaben stammen neben den Angaben aus dem „Life-Graph“ mit 49 Jahren, aus früheren Erhebungen (mit 19 und 36 Jahren). Durch diese Vorgehensweise können Erinnerungseffekte, welche bei retrospektiver Aufzählung der Laufbahn entstehen können, beachtet werden.

Die Berufe mit 49 Jahren wurden nach dem neusten Register (Jörin Fux, Stoll, Bergmann & Eder, 2013) codiert, die Berufsetappen mit 19 und 36 Jahren nach dem Register 2002[2].

Unterbrüche

Aufgrund des „Life Graph“ erfolgte die Bildung der Variable „Unterbruch“ für jede Episode, wenn es einen Unterbruch in der beruflichen Tätigkeit gab. Die hier verwendeten Kategorien lauten wie folgt: Unterbrechung Hausfrau/Familie: Berücksichtigt, wenn jemand ausschliesslich und explizit Haus- und Familienarbeit angab. Unterbrechung Aus- und Weiterbildung: Hier werden Vollzeit-Aus- und Weiterbildungen, die mit der vorherigen Tätigkeit nichts zu tun haben oder erst längere Zeit nach dieser begonnen wurden, erfasst (auch diskontinuierliche Aus- und Weiterbildungen genannt).

Ausbildungsniveau

Die Angaben zur höchsten abgeschlossenen Ausbildung wurden dem Fragebogen zum beruflichen Werdegang aus dem letzten Messzeitpunkt (mit 49 Jahren) entnommen. Der grösste Teil der Befragten hat als höchste Ausbildung eine Berufslehre abgeschlossen (66% der Frauen und 54% der Männer), gefolgt von höherer Berufsausbildung (Berufsprüfung, höhere Fachprüfung, Technikerschulen, u.a.) (23% der Männer, 6% der Frauen). Die Frauen sind vergleichsweise mit 11% häufiger bei der Lehrpersonenausbildung (oder Matur) anzutreffen (gegenüber 3% der Männer).

Herkunftsschicht

Wurde gebildet aus Bildungsniveau und beruflicher Position des Vaters (oder der alleinerziehenden Mutter) gemäss Angaben der Jugendlichen mit 15 Jahren.

Persönlichkeit

Zur Messung der Persönlichkeit wurde im Alter von 15 und 19 Jahren die Kurzversion mit 155 Adjektiven der Adjective Check List (ACL) von Gough und Heilbrun (1980) verwendet, aus welcher die Probanden die für sie zutreffenden Eigenschaftswörter ankreuzen konnten. Daraus wurden die Big Five Skalen gebildet (vgl. Schmaeh et al., 2013b): Extraversion: 15 Items (Beispiel-Adjektive sind: gesellig, impulsiv), Gewissenhaftigkeit: 11 Items (z.B. ablenkbar, fleissig), Neurotizismus: 10 Items (z.B. ängstlich, empfindlich), Verträglichkeit: 22 Items (z.B. aufrichtig, hilfsbereit), Offenheit: 5 Items (z.B. geistreich, künstlerisch). Die internen Konsistenzen erwiesen sich als gut (zwischen .67 und .79). Die Persönlichkeitsdimensionen Instrumentalität (Beispiel-Items sind die Adjektive aktiv, stabil, kämpferisch, schnell) und Expressivität (z.B. mitfühlend, warmherzig, verständnisvoll) wurden ebenfalls aus der ACL gebildet und als Alternative zu den Big Five ins Strukturgleichungsmodell einbezogen (Cronbach-Alpha liegt zwischen

.63 und .65); sie gehen auf Konzepte von Parsons und Bales (1955) zurück, welche später von Spence und Helmreich (1978) als „Maskulinität“ und „Femininität“ bezeichnet wurden.

Intelligenz

Im Rahmen der Intelligenzmessung im Jugendalter (mit 15 und 19 Jahren) wurden u.a. folgende kognitiven Fähigkeiten erfasst: Verbale Intelligenz, logisches Denkvermögen und figurale Intelligenz (Intelligenz-Struktur-Test/IST-70, Amthauer, 1973; Berufseignungstest, Schmale & Schmidtke, 1967). Die internen Konsistenzen erwiesen sich als gut (zwischen .79. und .90). Für die vorliegende Analyse wurden die Skalen zusammengefasst, und es wurde ein Gesamt-Intelligenzwert bestimmt.

3.3 Auswertungsmethoden

Gerechnet wurde, neben Kreuztabellen und der deskriptiven Darstellung von Berufsverläufen, ein Strukturgleichungsmodell (SEM). Als SEM wurde eine Pfadanalyse gerechnet, welche gleichzeitig mehrere abhängige Variablen berücksichtigt. Zur Berechnung der SEM wurde die Mplus Version 7.1 (Muthén & Muthén, 2014) eingesetzt. Das Modell wurde vor dem Hintergrund psychologischer Laufbahntheorien entwickelt, wonach das psychologische Umfeld die Persönlichkeit mitformt, welche wiederum für das individuelle Verhalten bestimmend ist und sich dadurch auf den Berufsstatus auswirkt.

Bei den Strukturgleichungsmodellen wurde eine multiple Schätzung der Missings vorgenommen. Mplus führt eine multiple Imputation fehlender Daten durch. 37 Fälle mussten dabei ausgeschlossen werden.

  • [1] Im Frühling 2015 erfolgt die nächste Datenerhebung (B11): Dann sind die Personen 51/52 Jahre alt.
  • [2] Es wurden also zur Kategorisierung der Berufe zu den Messzeitpunkten mit 19, 36 und 49 Jahren unterschiedliche Varianten des Explorix-Registers verwendet. Daraus kann das Problem entstehen, dass einzelne Berufe, je nach Register, anders codiert sind. Andererseits ermöglicht das jeweils zeitnähere Register die Berücksichtigung des Einflusses der momentanen Bedingungen des Arbeitsmarkts, der wirtschaftlichen Lage und der gesellschaftlichen Situation.
 
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