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4 Ergebnisse

In einem ersten Ergebnisteil werden berufliche Verläufe vom Ausbildungsberuf bis zum 49. Lebensjahr beschrieben (Kap. 4.1). Zum einen betrifft dies den Wechsel von Tätigkeitsfeldern („horizontale Mobilität“) und die Veränderungen im Sinne von beruflichen Aufoder Abstiegen („vertikale Mobilität“). Der zweite Teil (Kap. 4.2) befasst sich mit Modellen, welche sich mit der Vorhersage von späterem Berufserfolg – oft als Folge von „upward career mobility“ – befasst.

4.1 Beschreibung von beruflichen Verläufen vom 15. bis zum 49. Lebensjahr

Horizontale Mobilität

Für die Untersuchung der horizontalen Mobilität liefert die Passungstheorie von John L. Holland mit ihren sechs RIASEC-Typen eine geeignete Grundlage (Holland, 1996). Er beschreibt darin die beruflichen Interessen/Persönlichkeit und die berufliche Umwelt anhand von sechs Typen: 1) „realistic“ (handwerklich-technisch) mit Berufen in Handwerk und Landwirtschaft, 2) „investigative“ (untersuchend-forschend) mit Berufen in Wissenschaft und Forschung, 3) „artistic“ (künstlerisch-kreativ) mit Berufen in Kunst und Musik, 4) „social“ (erziehendpflegend) mit Berufen an Schulen und im Gesundheitswesen, 5) „enterprising“ (führend-verkaufend) mit Berufen in Management und Verkauf, 6) „conventional“ (ordnend-verwaltend) mit Berufen im kaufmännischen Bereich. Laut der Theorie von Holland ergibt sich für jede Person eine passende Umwelt mit Berufen, welche mit seinen oder ihren Fähigkeiten und Interessen zusammenpassen. Unter Kontinuität in der beruflichen Entwicklung versteht Holland das Verbleiben im gleichen Beruf oder aber das Wechseln in einen Beruf der gleichen beruflichen Umwelt.

Um die berufliche Kontinuität bzw. Diskontinuität zu untersuchen, wurden zwei 6 x 6 Kreuztabellen zu drei Messzeitpunkten (im Alter von 19, 36 und 49 Jahren) gerechnet. In Tabelle 1 werden die Zusammenhänge der Berufstypen zwischen 19 und 36 Jahren aufgezeigt. Anhand der Hauptdiagonalen (der Kreuztabelle) kann eruiert werden, wie viel Prozent der Untersuchungspersonen dem Berufstyp über die untersuchte Zeitspanne treu geblieben sind (= PU-Wert. Bedeutung: Prozentuale Übereinstimmung). Dies geschieht durch die Summation der Werte in der Hauptdiagonale. Dieses PU-Mass kann jedoch nicht als alleiniges Mass zur Beschreibung des Zusammenhangs verwendet werden, weshalb Cohens κ (kappa) als Mass dazu genommen wurde. Dieses gibt über die (zufallskorrigierte) Stärke des Zusammenhangs der Werte in der Hauptdiagonalen der Kreuztabelle Auskunft (Wirtz & Caspar, 2002, S. 55) [1].

Ein Vergleich der beiden Messzeitpunkte zeigt, dass 52% der Personen (vgl. das Total der % der Diagonalen) mit 36 Jahren noch im selben Berufstyp tätig sind wie vor 17 Jahren. Das Kappa (κ) liegt bei .40 und deutet damit auf einen mittelstarken („moderaten“) Zusammenhang hin. Am kontinuierlichsten sind dabei die erziehenden-pflegerischen S-Berufe (70%), gefolgt von untersuchend-forschenden I-Berufen (67%), führend-verkaufenden E-Berufen (56%) und ordnend-verwaltenden C-Berufen (55%).

Die häufigsten Berufswechsel zwischen 19 und 36 Jahren finden in unternehmerische E-Berufe statt und zwar aus den Berufsfeldern Künstlerisch A (32%), Verwaltend C (30%) und Handwerklich R (28%). Von allen Personen wechseln rund 22% in einen unternehmerischen E-Beruf (Total % Spalte „E-Beruf mit 36 Jahren“) und 12% in einen konventionellen C-Beruf im Alter von 36 Jahren.

Ein Vergleich der Geschlechter zeigt, dass die oben besprochenen Berufslaufbahnen beim handwerklich-technischen R-Berufstyp (Typ „Verbleib“ und „Wechsel zu E oder C“) hauptsächlich bei den Männern vorkommen und die kontinuierlichen sozialen S-Berufslaufbahnen und ordnend-verwaltenden C-Berufslaufbahnen hauptsächlich bei den Frauen. Weitere Berechnungen zeigen, dass zwischen 19 und 36 Jahren Frauen über alle Berufsumwelten hinweg häufiger im gleichen Berufstyp bleiben (rund 60%), während Männer diskontinuierlichere Verläufe aufweisen (47% bleiben im gleichen Berufstyp).

Tabelle 1 Vergleich Berufstyp mit 19 und 36 Jahren (N=432).

Wie viele Wechsel des Berufstyps kommen zu einem späteren Zeitpunkt in der Berufslaufbahn vor, nämlich zwischen 36 und 49 Jahren? Tabelle 2 zeigt, dass die Kontinuität grösser geworden ist und 61% (Total Prozente der Diagonalen) dem Berufstyp treu bleiben. Das Kappa (κ) ist ebenfalls höher und liegt bei .50. Die einzige Ausnahme bildet hier der Berufstyp I. Mit 29% verbleiben relativ wenige Personen, welche mit 36 Jahren in diesem Feld gearbeitet haben, in einem untersuchend-forschenden Beruf. In diesem Bereich kommen ebenso häufige Wechsel in einen unternehmerischen E-Beruf (29%) als auch in einen verwaltenden CBeruf (24%) vor. Dazu kommen weitere Wechsel in E-Berufe, etwa aus dem verwaltenden CBereich (29%) sowie aus handwerklichen (15%) und künstlerischen (14%) Berufen. Von allen Personen wechseln 14% in einen unternehmerischen EBeruf (Total % Spalte „E-Beruf mit 49 Jahren“) und 11% in einen konventionellen C-Beruf.

Tabelle 2 Vergleich Berufstyp mit 36 und 49 Jahren (N=419).

Wird wiederum nach Geschlecht unterschieden, zeigt sich ein ähnliches Bild wie zum vorherigen Messzeitpunkt. So verbleiben Frauen vor allem in erzieherischpflegenden und ordnend-verwaltenden Berufen, während Männer eine höhere Kontinuität in handwerklich-technischen R-Berufen aufweisen. Zusätzlich verbleiben Männer zwischen 36 und 49 Männer in unternehmerischen E-Berufen Jahren. Dies führt dazu, dass Männer in dieser Zeitspanne insgesamt über einen höhere Kontinuität verfügen (67% der Männer bleiben im gleichen Berufsfeld, 47% der Frauen).

Zusätzliche Berechnungen zur horizontalen Mobilität über die 30 Jahre hinweg (zwischen 19 und 49 Jahren) zeigen, dass 43% der Personen mit 49 Jahren noch im selben Berufstyp tätig sind wie mit 19 Jahren. Das Kappa (κ) liegt bei .26 und deutet damit auf einen „fairen“ Zusammenhang hin. Am kontinuierlichsten sind dabei, wie zwischen 19 und 36 Jahren, die erziehenden-pflegerischen S-Berufe (51%), gefolgt von ordnend-verwaltenden C-Berufen (50%) und handwerklichtechnischen R-Berufen (42%). Häufige Wechsel kommen zwischen den Berufsfeldern handwerklich-technische R-Berufe zu unternehmerischen E-Berufen (32%) vor, von ordnend-verwaltenden C-Berufen zu unternehmerischen E-Berufen (34%) sowie von handwerklich-technischen R-Berufen zu ordnend-verwaltenden C-Berufen (15%).

Vertikale Mobilität

In diesem Analyseschritt werden die vertikale Mobilität sowie der Verlauf der Arbeitsmarktbeteiligung (erwerbstätig vs. erwerbslos; Arten von Unterbrüchen) in der beruflichen Laufbahn im Abstand von 5 Jahren untersucht. Im Besonderen interessieren hier auch Geschlechtsunterschiede, da sowohl im Bereich der Arbeitsmarktbeteiligung (z.B. Unterbrüche wegen Hausarbeit und Kinder) als auch beim Thema berufliche Aufstiege Frauen und Männer andere Karriereverläufe zeigen.

Abbildung 2 zeigt die Karriereverläufe von Männern. Bis zum 19. Altersjahr befinden sich 70% noch in einer Ausbildung, die anderen 30% sind bereits erwerbstätig. Die meisten (80%) haben 5 Jahre später eine Arbeitsstelle angetreten, rund 40% in einem Beruf mit tiefem, rund 25% in einem Beruf mit mittlerem und 15% in einem Beruf mit hohem Status. Rund 15% befinden sich noch in Ausbildung. Es zeigt sich weiter, dass über den Laufbahnverlauf die Kategorie „hoher Berufsstatus“ zunimmt: Je länger man im Arbeitsleben steht, desto eher erfolgt eine Zunahme von Tätigkeiten mit hohem Prestige. Mit 39 Jahren sind fast 50% in einem Beruf tätig, der sich durch einen hohen Berufsstatus auszeichnet. Rund 20% befinden sich in einer Tätigkeit mit tiefem Berufsstatus.

Berufliche Ausbildungen erfolgen meist bis vor dem 30. Lebensjahr. Nachher werden Aus- und Weiterbildungen seltener. Arbeitslosigkeit und Unterbrüche in der Erwerbstätigkeit (z.B. Hausarbeit/Familie, Krankheit u.a.) sind ganz selten. Mit 49 Jahren sind über 95% der Männer erwerbstätig.

Abbildung 2 Entwicklungsverlauf vom 16. bis zum 49. Lebensjahr für Männer.

Bei den Frauen sieht das Bild etwas anders aus (Abb. 3). Wie auch bei den Männern, werden berufliche Ausbildungen oft bis vor dem 30. Lebensjahr absolviert. Zwischen dem 29. und bis 34. Lebensjahr ist bei rund 30% der Frauen ein Unterbruch wegen Familie und Hausarbeit festzustellen. Danach nimmt die Arbeitsbeteiligung bei den Frauen wieder (langsam) kontinuierlich zu. Im 49. Lebensjahr üben wieder über 90% der Frauen einen Beruf aus. Anders als bei den Männern, nimmt die Kategorie „hoher Berufsstatus“ über den Laufbahnverlauf wenig zu. Es gibt zwar ab dem 34. Lebensjahr eine Zunahme von Berufen mit hohem Berufsstatus, jedoch auch bei den Berufen mit „mittlerem“ und „tiefem“ Berufsstatus (Hinweise für „downward mobility“).

Abbildung 3 Entwicklungsverlauf vom 16. bis zum 49. Lebensjahr für Frauen.

  • [1] Dabei gilt, dass κ von > 0.75 als Indikator für sehr gute Übereinstimmung, κ zwischen den Werten 0.6 und 0.75 als gute, κ zwischen 0.4 und 0.6 als moderate, κ zwischen 0.2 und 0.4 als faire und κ zwischen 0.0 und 0.2 als geringe Übereinstimmung angesehen werden kann (Fleiss & Cohen, 1973).
 
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