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2.3.3 Resource Mobilization Ansatz

In diesem Ansatz werden die zur Verfügung stehenden Ressourcen einer sozialen Bewegung betrachtet, da diese in hohem Maße über den Mobilisierungserfolg entscheiden. Wesentliches Element dieses Ansatzes ist die Bedeutung der Bewegungsorganisation, welche maßgeblich zum Mobilisierungserfolg beiträgt. Die Grundannahme lautet, dass es ohne eine Steuerung bzw. Koordination zu keiner Organisation kommt und ohne eine Organisation zu keiner Mobilisierung. Es die Aufgabe der Bewegungsorganisation, unter Einsatz der zur Verfügung stehenden Ressourcen eine Möglichkeit zu finden, die Gesellschaft zu mobilisieren. Sinnbildlich zu vergleichen ist dies mit der Glut einer unzufriedenen Gesellschaft und der Luftzufuhr durch die Bewegungsorganisation. Demnach ist die sinnbildliche Aufgabe der Bewegungsorganisation, das Feuer zu entfachen. Dies führt zu einer längerfristigen Mobilisierung und somit zu einer handlungsfähigen sozialen Bewegung und der bewegungsinternen Rationalität innerhalb der sozialen Bewegung (Hellmann, 1998: 22). Die Interaktionsmöglichkeiten und die Wirksamkeit sind jedoch abhängig von qualifiziertem Personal, materiellen Ressourcen, der aufgewendeten Zeit einzelner Personen und anderen Ressourcen. Besonders Netzwerkstrukturen, in diesem Fall Netzwerkressourcen, finden hier eine besondere Bedeutung, da diese ebenfalls auf den Mobilisierungsund Aufmerksamkeitserfolg großen Einfluss haben (Hellmann, 1998: 23). Der Mobilisierungserfolg hängt demzufolge vom Interaktionsaufwand (abhängig von den genannten Ressourcen) und vom Ausmaß der Unzufriedenheit in der Gesellschaft ab.

Dieser Ansatz verdeutlicht die Relevanz der Bewegungsorganisation, welche im weiteren Verkauf der Arbeit anhand des beruflichen Organisationsgrades in der sozialen Arbeit im Studium und in der Zeit danach (Kap. 3.2 und 3.3) abgelesen wird. Darüber hinaus werden anhand der statistischen Daten zur Arbeitszeit und den Entgelten die zeitlichen und materiellen Ressourcen in der Berufsgruppe geklärt. Von welchen weiteren externen Faktoren die Herausbildung einer sozialen Bewegung beeinflusst wird, zeigt der folgende Ansatz.

2.3.4 Political Opportunity Structures Ansatz

Eine soziale Bewegung verlässt in dem Moment die Selbstbezüglichkeit, wenn sie anfängt, politische Forderungen aufzustellen, was unumgänglich ist, wenn es zu gesellschaftlichen Veränderungen kommen soll. Die öffentliche Aufmerksamkeit übt massiven Einfluss auf die Chancen der sozialen Bewegung aus, sich zu artikulieren und Forderungen zu stellen. Bei jeder sozialen Bewegung sind demnach die Umweltbedingungen respektive die externen gesellschaftlichen Bedingungen von großer Relevanz. Diese können eine soziale Bewegung begünstigen, tolerieren oder behindern. Dies ist abhängig von den politischen Strukturen, nach dem Prinzip „Cui bono?“ (aus dem Lateinischen sinngemäß: wem nutzt es? oder für wen zum Vorteil?). Davon abhängig, werden die Ressourcen bereitgestellt (z. B. Gelder in Form von Zuwendungen, Spenden, Fördermitteln oder auch MitarbeiterInnen), oder es wird repressiv auf die sozialen Bewegungen Einfluss genommen. Bei diesem Ansatz wird auch von dem „Gelegenheitsansatz“ gesprochen, da es um die Frage geht, inwieweit die politischen Gelegenheiten günstig oder ungünstig für die soziale Bewegung sind. Von zentraler Bedeutung hierbei sind die politischen Strukturen (z. B. Wahlrecht, Staatsform, Parteiensystem) und die sonstigen Umweltbedingungen, welche nicht nur direkte Kontrolle über Ressourcen haben oder auch repressiv auf die soziale Bewegung einwirken können. Auch indirekt kann der Staat Einfluss nehmen, indem er Gegenbewegungen billigt oder gewähren lässt. Es handelt sich insofern um die Offenheit oder Geschlossenheit des politischen Systems. Hierbei sind jedoch nicht nur politische Umweltbedingungen gemeint, sondern darüber hinaus der Konsens oder Dissens von Eliten oder die Existenz oder Nichtexistenz von Verbündeten. Dabei kommt es bereits aufgrund der Existenz des Protests zu Veränderungen im System. Eine soziale Bewegung modifiziert die Machtverhältnisse, deckt Schwächen auf, testet Allianzen und provoziert Reaktionen (McAdam, 1982, zit. n. Hellmann, 1998: 24). Über die politische Reaktion im Falle einer Mobilisierung innerhalb dieser Berufsgruppe lässt sich bislang nur spekulieren, genauso wie über die möglichen Verbündeten.

Zusammengefasst lässt sich dieser Ansatz als Erfassung und Berücksichtigung aller externen politischen Faktoren außerhalb der sozialen Bewegung bezeichnen, welche die Bedingungen einer sozialen Bewegung beeinflussen. Eine besondere Aufgabe besteht dabei in der Darstellung der Problemlage, welche in einem eigenen Paradigma folgendermaßen beschrieben wird.

 
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