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3.1 Zur Situation der Unternehmen

Die Betrachtung der Daten in diesem Abschnitt soll eine Einschätzung zur Situation der Unternehmen und den damit verbundenen Konsequenzen für die ArbeitskrafterbringerInnen ermöglichen. Hierbei stammen die Daten aus dem Branchenreport Sozialwesen (ohne Heime) 2014 von Statista, welche für ihre Analysen die Klassifikation der Wirtschaftszweige von 2008 nutzt und den Bereich des Sozialwesens aus folgenden Wirtschaftszweigen definieren:

§ WZ 88.1 – Soziale Betreuung älterer Menschen und Behinderter

§ WZ 88.10.1 und 88.10.2 – Ambulante soziale Dienste, sonstige soziale Betreuung älterer Menschen und Behinderter

Abbildung 9: Branchenvergleich im DL-Sektor, Umsätze in Mrd. Euro (Branchenreport 2014 von Statista)

§ WZ 88.9 – Sonstiges Sozialwesen (ohne Heime)

§ WZ 88.91.0 u. 88.99.0 – Tagesbetreuung von Kindern und sonstiges Sozialwesen anderweitig nicht genannt

Wie den statistischen Daten zu den Umsätzen zu entnehmen ist, werden diese bis 2016 ca. 16 Milliarden Euro erreicht haben. Im Vergleich mit anderen Dienstleistungsbranchen, gehört das Sozialwesen damit zu den drei wachstumsstärksten in dem gesamten Dienstleistungsbereich mit einer Vorjahresveränderung von 9,3 %, s. Abbildung 9.

Ein stärkeres Umsatzwachstum zeigen nur die Bereiche der „Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften“ und die „Erbringung von Dienstleistungen der IT“. Dominiert wird dieser Bereich von 0,3 % der Unternehmen, welche 54,8 % des Gesamtumsatzes erwirtschaften, s. Abbildung 10.

Abbildung 10: Verteilung der Unternehmen nach Umsatzgrößenklassen 2011 (Branchenreport 2014 von Statista)

Darüber hinaus ist der Abbildung zu entnehmen, dass 82,1 % der Unternehmen unter 500.000 Euro Umsatz und zusammen 5,6 % des Gesamtumsatzes erwirtschaften. Bezüglich der Gewinne verhält es sich umgekehrt proportional, mit der Zunahme an Umsätzen werden die Gewinne der Unternehmen kleiner (aber nur prozentual) (vgl. Abbildung 11).

Abbildung 11: EBT-Marge nach Umsatzklassen in 2011 (Branchenreport 2014 von Statista)

Unternehmen mit weniger als zwei Millionen Euro Umsatz erwirtschaften dabei den größten Gewinn von ca. 5,4 % im Verhältnis zu ihren Umsätzen. Ab einem Umsatzvolumen von ca. zwei Millionen Euro schwankt die Gewinnquote nur noch zwischen 1,8 % und 1,7 %. Die durchschnittliche Gewinnquote aus den Jahren 2008 bis 2011 lag dabei bei etwa 2,1 %, siehe Abbildung 12.

Abbildung 12: EBT-Marge 2008 – 2011in % (Branchenreport 2014 von Statista)

Vorausgesetzt, die Gewinnquote liegt im Jahr 2016 mindestens genauso hoch, ist ein Gewinn von ca. 336 Millionen Euro im Sozialwesen zu erwarten.

Die Anzahl der steuerpflichtigen Unternehmen in diesem Bereich ist seit 2009 leicht rückläufig, siehe Abbildung 13.

Abbildung 13: Anzahl steuerpflichtiger Unternehmen (Branchenbericht 2014 von Statista)

Für das Jahr 2012 schätzt der Branchenbericht die Anzahl der Unternehmen auf ca. 6105 Unternehmen insgesamt. Ebenso ist die Zahl der Gewerbeanmeldungen seit 2009 rückläufig, s. Abbildung 14.

Abbildung 14: Entwicklung der Anzahl der Gewerbeanmeldungen der Branche (Branchenreport 2014 von Statista)

Während es im Jahr 2009 noch 11.213 waren, sind es 2012 ca. 2000 weniger mit insgesamt 9.138 Gewerbeanmeldungen, wobei sich die Daten auf den gesamten Wirtschaftszweig des Gesundheitsund Sozialwesens (WZ 86-88) beziehen und deshalb nur als allgemeine Tendenz verstanden werden sollten. Als Ursache für die rückläufige Gewerbeanmeldung könnte die zunehmende Insolvenzquote in Frage kommen, s. Abbildung 15.

Abbildung 15: Insolvenzquote (Branchenreport 2014 von Statista)

Seit 2009 sind die Insolvensverfahren von 145 auf zuletzt 207 im Jahr 2012 gestiegen. Demnach hat jedes Jahr die Zahl der Insolvenzen zugenommen, bei abnehmenden Gewerbeanmeldungen. Diese Entwicklung zeigt ebenso Auswirkungen auf die zunehmende Anzahl von Beschäftigten, welche von Insolvenz betroffen sind (vgl. Abbildung 16). Wie Abbildung 16 zu entnehmen ist, hat sich die Anzahl der betroffenen Beschäftigten gegenüber 2009 mehr als verdoppelt.

Abbildung 16: Von Insolvenz betroffene Beschäftigte (Branchenreport 2014 von Statista)

Zusammenfassend zeigt sich, dass die Umsätze in dieser Branche seit Jahren wachsen und voraussichtlich 2016 ein Rekordhoch von 16 Milliarden Euro erreichen. Mit den Umsätzen erhöhen sich auch die Gewinne, welche bei einem Durchschnittswert von 2,1 % in den letzten Jahren ebenso ein Rekordhoch von ca. 336 Millionen Euro bis 2016 erreichen werden, wobei kleinere Unternehmen (82,1 %) nur einen Bruchteil der Gewinne (5,6 %) erwirtschaften, und zwar trotz der größeren Gewinnquote, und die großen Unternehmen (0,3 %) insgesamt 54,8 % der Gewinne erzielen. Diese Spaltung zwischen großen und kleinen Unternehmen zeichnet sich weiter anhand rückläufiger Unternehmenszahlen, Gewerbeanmeldungen und einer steigenden Insolvenzquote ab. Die Gewinnmaximierung wird hierbei ermöglicht durch die Reduzierung der Personalkosten und die damit einhergehende Prekarisierung der Arbeitsleistungserbringer, wie das folgende Kapitel zeigt.

 
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