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2.2 Der Begriff des Managements

„Management“ ist ein sehr unscharfer Begriff. Nicht zuletzt wegen dieser Unschärfe und der großen Bandbreite damit verbundener Intentionen und Assoziationen wird er jedoch sehr häufig verwendet. Spätestens seit der Finanzund Wirtschaftskrise sind mit den Begriffen des Managements und des Managers auch deutlich negative Konnotationen verbunden. Manager sind seither „im Stresstest“, denn dem „Mann auf der Straße gelten Manager jeder Couleur als abgehoben, überbezahlt, gefühllos und mutmaßliche Steuerbetrüger“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Netzausgabe vom 30. Mai 2010).

Als Pionier der modernen Managementlehre gilt der Wiener Peter Ferdinand Drucker (1909–2005), der – nachdem eines seiner Werke von den Nationalsozialisten verbrannt worden war – 1933 zunächst nach Großbritannien und später in die USA emigrierte. Dort veröffentlichte er seit den 1940er Jahren zahlreiche einflussreiche Werke, die für die Theorie und die Praxis des Managements grundlegend wurden (Weber 2009).

Der Begriff des Managements umschreibt sowohl den Prozess des Führens und Leitens einer ganzen oder eines Teils einer Organisation durch den Einsatz und die Beeinflussung der menschlichen, finanziellen, materiellen, geistigen und ideellen Ressourcen als auch die Personen, die diese Funktionen ausüben. In der Alltagssprache ist „Management“ weitestgehend ein Synonym zu „Leitung“ und „Entscheidung“ und der Manager damit eine Person, die Planungsund Führungsaufgaben übernimmt.

Vor allem im Bereich der Kunst und des Sports gibt es eine spezifische Verwendung des Begriffs des Managers als Bezeichnung für eine Person, die sich als rechtsgeschäftlicher Vertreter von Künstlern oder Sportlern mit deren organisatorischen, geschäftlichen und rechtlichen Belangen (z. B. Vertragsangelegenheiten) befasst und es diesen damit ermöglicht, sich ganz auf ihre individuellen Fähigkeiten und die damit verbundenen Tätigkeiten zu konzentrieren.

Obwohl der Terminus aus dem englischen „to manage“ in den deutschen Sprachgebrauch gekommen ist, geht die Etymologie des „Managements“ auf das lateinische „manu agere – Führen mit der Hand“ zurück.

Die Herleitung des Begriffes aus den lateinischen Wurzeln des Führens mit der Hand verdeutlicht verschiedene wichtige Implikationen des Managements: Das Führen mit der Hand lässt die nachdrücklichere Vorgabe einer Richtung assoziieren, als dies bei verbalen Vorschlägen der Fall ist. Mit der Hand zu führen bedeutet aber auch, dass die führende Person dorthin vorausgeht oder zumindest mitgeht, wohin die geführte Person gebracht werden soll. Dadurch verlangt der Führende von dem, der ihm folgen soll, nicht mehr, als er selbst zu vollbringen imstande und willens ist. Als Führen mit der Hand sollte Management eine Verhaltensbeeinflussung im Sinne der Interessen des Geführten und nicht einer Herrschaft im Sinne des Führenden ohne Rücksicht auf den Geführten sein. Management ist dann kein Selbstzweck, sondern eine der zu bewältigenden Aufgabe dienende Maßnahme.

Dieser sprachliche Aspekt macht aber auch deutlich, dass sich Management auf Aktivitäten bezieht, die mit der Hilfe anderer Menschen und sonstiger Hilfsmittel realisiert werden. Management setzt deshalb das Bewusstsein voraus, dass die gemanagten Prozesse in einer Gruppe stattfinden und durch die gemanagte Arbeit mehrerer Menschen mehr erreicht werden kann, als eine Person mit eigener Anstrengung alleine bewältigen kann. Management ist damit wesentlich auch ein interpersonelles Phänomen vor dem Hintergrund von Macht und formaler (z. B. Hierarchiepositionen), fachlicher (z. B. bestimmte relevante fachliche Qualifikation) oder persönlicher (rationale – wie Intelligenz – oder emotionale – wie Charisma – Argumente) Autorität.

Management ist ein Kommunikationsprozess, der als direkte oder indirekte Kommunikation stattfinden kann. Direkte Kommunikation bedeutet dabei eine Kommunikation unter Anwesenden. Sie kann verbal oder nonverbal ablaufen, sie kann bewusst ausgeführt werden oder – z. B. im Fall der Körpersprache – unbewusst erfolgen. Indirekte Kommunikation bedient sich technischer Mittel wie beispielsweise Telefon, Internet oder Videokonferenzen, wobei teilweise auch die Grenzen zwischen interpersonellem Management und Sachmittelmanagement fließend werden.

Management setzt definierte Ziele und einen Plan zu deren Erreichung voraus. Der Prozess des Managements besteht dann vor allem darin, dieses Programm zu realisieren und andere dabei anzuleiten, diesem Programm zu folgen und ihren jeweiligen Beitrag dazu zu leisten. Wo kein Plan vorhanden ist, sind Erfolge wie Misserfolge lediglich Ergebnisse des Zufalls, der als Gegenteil des Managements vielleicht dessen prägnanteste Begriffsbestimmung liefern kann. Von besonderer Wichtigkeit ist aber auch, Mitarbeitern das zugrundeliegende Programm transparent zu machen, weil ihnen nur dann ein umfassendes Bild von ihrem eigenen Beitrag und dem Beitrag anderer zu diesem Prozess vermittelt werden kann und sie nur unter dieser Voraussetzung imstande sind, ihr eigenes Handeln adäquat einzuschätzen.

Management ist über das Aufstellen eines Programms hinaus auch ein planerischer und organisatorischer Prozess, der definiert, welche menschlichen und finanziellen Mittel zur Erfüllung des Programms erforderlich sind und wie deren Einsatz angemessen realisiert werden kann. Management stellt damit einen Ablaufplan (eine so genannte „road map“) auf, mit dessen Hilfe objektive und messbare Erfolge erreicht werden sollen. Nicht zuletzt ist es Aufgabe des Managements zu überprüfen, ob die intendierten Ziele erreicht wurden. Management besteht damit vor allem aus drei aufeinander aufbauenden Komponenten: Planen, Ausführen, Erfolg messen.

Management schließt darüber hinaus auch das Sammeln von Fakten und Informationen ein, die zwar für die aktuellen Aufgaben zumindest nicht unmittelbar benötigt werden, für die spätere Anwendung in dem gemanagten System, zum Beispiel bei der Aufstellung künftiger Programme, aber hilfreich sein können. Gerade deshalb ist der Prozess des Managements nicht auf Führungskräfte beschränkt. Insofern sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen anderen innerhalb eines Organisationssystems Arbeitenden zur Verfügung stellen können, sind alle Mitarbeiter Teil des Managements und Aspekte des Managements Teil ihrer Aufgaben. Management ist somit auch ein ständiger Kreislauf: Das Management stellt einen Plan auf, führt ihn aus und sammelt Erfahrungen. Aus diesen Erfahrungen entsteht wiederum der nächste Planungsstand.

Management kümmert sich aber nicht nur um die effektive Erreichung objektiver Ziele durch den Gebrauch und die Koordination von Ressourcen wie Kapital, Hilfsmittel, Material und Arbeit. Eine wesentliche Aufgabe des Managements ist es auch sicherzustellen, dass dies möglichst effizient erfolgt. Management muss nicht nur dafür sorgen, dass die geleitete Organisation ein Ziel erreicht, sondern auch unter Berücksichtigung eines möglichst breiten Umfeldes die Entscheidungen fällen, die dafür erforderlich sind, dass sie dabei den bestmöglichen (z. B. den ökonomischsten) Weg beschreitet und keine Widersprüche zu dem eigentlichen Ziel produziert werden.

 
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