Menü
Start
Anmelden / Registrieren
Suche
 
Start arrow Kultur arrow Einführung in das kulturmanagement
< Zurück   INHALT   Weiter >

6. Kulturtourismus

Der Kulturtourismus gilt, obwohl er mit rund 7,8 % ein vergleichsweise kleines Segment im europäischen Tourismus umfasst, als Zukunftstrend des Tourismus und als einer der wenigen Wachstumsbereiche der touristischen Nachfrage.

Nach der letzten Europäischen Tourismusstudie nannten immerhin 27 % der Befragten Kulturerbestätten als ausschlaggebende Faktoren in der Wahl ihres Ferienziels.

Mit dem Kulturtourismus können weit mehr und ökonomisch attraktivere Zielgruppen angesprochen werden als beispielsweise mit dem Sporttourismus oder dem reinen Erholungstourismus.

Umsätze erzielen im Kulturtourismus neben den Kultureinrichtungen selbst vor allem der Einzelhandel, das Beherbergungsgewerbe, die Gastronomie, das Freizeitund Unterhaltungsgewerbe sowie der Bereich der sonstigen Dienstleistungen (z. B. lokales Transportgewerbe, Parkhäuser, Tagungseinrichtungen, Weinwirtschaft, kleine Lebensmittelmanufakturen, Hofläden).

Der Kulturtourismus gilt als attraktiver Nischenmarkt, der insbesondere auch mehr lokale Akteure partizipieren lässt als andere touristische Bereiche.

Bei ausländischen Gästen in Deutschland steht der so genannte „Kultur-Urlaub“ an zweiter, bei deutschen Gästen an vierter Stelle der Beliebtheitsskala (alle Zahlen nach: kiratour.de/kulturtourismus-daten-zahlen-fakten/ – Zugriff 19.12.2014).

6.1 Klassischer Kulturtourismus

Eine Definition des Kulturtourismus muss sich an den Bedingungen orientieren, die durch die Beteiligung aller Schichten der Bevölkerung am modernen Tourismus entstanden sind. Außerdem müssen die Ziele berücksichtigt werden, die dem Kulturtourismus sowohl als Völker verbindendes als auch als wirtschaftliches Element gestellt werden. Als Kriterien einer Definition können sich daher als nützlich erweisen (Eder 1993, S. 165):

• ein Kulturbegriff, in dem neben den Objekten und Veranstaltungen auf hoher künstlerischer oder historisch bedeutsamer Ebene mit gleicher Aufmerksamkeit und Intensität auch das Gebiet der Alltagskultur Beachtung findet. Dieser Kulturbegriff geht über die traditionellen kulturellen Institutionen wie z. B. Museen, Theater, Oper oder Konzerte hinaus. Er umfasst gleichermaßen die „gebaute Kulturwelt mit z. B. Kirchen, Schlössern und modernen Architekturbauten, Traditionen und Bräuchen sowie präsente Alltagskultur, wie z. B. Altstadtprojekte, Weihnachtsmärkte, Stadtfestivals und -jubiläen, die atmosphärische, urbane Wirkung mit Stadtteilmilieus“ (Wolber 1997, S. 54).

• die Erhaltung und der Schutz von Denkmälern sowie die Wiederbelebung und Pflege des regionalen Brauchtums in einer traditionsgerechten Form als inhaltlich authentische und materiell dauerhafte Basis eines Kulturtourismus. Kulturtourismus darf keine aus Vergangenheit und Gegenwart ausgesonderte Touristen-Kultur hervorbringen, keine Disneyland-Welten schaffen und vor allem nicht zum Verschleiß des „kulturellen Erbes“ führen (Eder 1993, S. 165).

• die Chance zur Hebung der Einkünfte aus dem Tourismus als Anreiz für die touristische Erschließung von Orten, Regionen und Ländern unter Betonung ihrer jeweiligen kulturellen Eigenart und Leistung. Ohne die aktive Mitwirkung der Regionen und die Förderung einer regionalen Identität der Träger der Kultur ist Kulturtourismus kaum zu entwickeln.

Der Kulturtourismus definiert sich nach diesen Vorgaben als die „schonende Nutzung kulturhistorischer Elemente und Relikte und die sachgerechte Pflege traditioneller regionsspezifischer Wohnund Lebensformen zur Hebung des Fremdenverkehrs in der jeweiligen Region; dies mit dem Ziel, das Verständnis für die Eigenart und den Eigenwert einer Region in dem weiten Rahmen einer europäischen Kultureinheit zu erweitern und zu vertiefen und zwar durch eine verstärkte Kommunikation zwischen den Bewohnern des europäischen Kontinents und durch eine sachlich richtige, vergleichende und diskursive Information über die Zeugnisse aus Vergangenheit und Gegenwart am Ort“ (Eder 1993, S. 165 f.).

Diese Definition beschreibt die klassische Form des Kulturtourismus, die mit dem Begriff „Authentizität“ charakterisiert werden kann. Als Gegenpol bzw. Erweiterung zu diesem authentischen Kulturtourismus ist der so genannte Erlebnisbzw. Eventtourismus zu verstehen.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >
 
Fachgebiet
Betriebswirtschaft & Management
Erziehungswissenschaft & Sprachen
Geographie
Informatik
Kultur
Lebensmittelwissenschaft & Ernährung
Marketing
Maschinenbau
Medien und Kommunikationswissenschaft
Medizin
Ökonomik
Pädagogik
Philosophie
Politikwissenschaft
Psychologie
Rechtswissenschaft
Sozialwissenschaften
Statistik
Finanzen
Umweltwissenschaften